Kripo ermittelt

Unfall oder Mord? Das Todes-Rätsel von Dornach

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Dieser Münchner ­Azubi (25) lag auf dem Gehweg in Dornach.

Nach dem mysteriösen Todesfall eines 25-jährigen Azubis im Münchner Norden ermittelt nun die Kripo. Die entscheidende Frage, die es zunächst zu klären gilt: War es ein Unfall oder ein Tötungsdelikt?

Dornach - Es war ein 25-jähriger Auszubildender aus München, der am frühen Freitagmorgen gegen 4.40 Uhr sterbend im Gewerbegebiet Dornach im Münchner Norden gefunden wurde. Der junge Mann, dessen Identität zunächst unbekannt war, lag mit schweren Kopfverletzungen reglos auf dem Gehsteig am Einsteinring. Ein Tötungsdelikt oder ein Unfall? Das ist immer noch nicht geklärt. Die Mordkommission ermittelt – und erhofft sich von weiteren Untersuchungen der Rechtsmedizin neue Erkenntnisse über das Todes-Rätsel. Doch schon jetzt gibt es neue Details.

Auf diesem Gehsteig wurde der Mann gefunden.

Die Verletzungen könnten von einem Sturz herrühren – oder von einem Schlag mit einem stumpfen Gegenstand. Jede Hilfe kam zu spät. Der junge Mann erlag seinen Verletzungen in einer Klinik. Um die Identität des Opfers zu klären, war die Kripo am Freitagabend mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit gegangen, samt Foto des Verstorbenen. Dieses Bild hatten viele Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Dornach schon im Internet gesehen, als sie kaum zwei Stunden nach der Veröffentlichung zur Jahreshauptversammlung zusammentrafen. Doch keiner kannte den Mann auf dem Foto – auch nicht Bürgermeister Thomas Glashauser. Das wäre auch ein großer Zufall gewesen – denn wie die Polizei tags darauf, am Samstag um 10.45 Uhr meldet, stammt das Opfer gar nicht aus Dornach oder Aschheim. Es ist ein 25-jähriger Auszubildender aus München. „Was er mitten in der Nacht im Gewerbegebiet gemacht hat, ist unklar“, sagte gestern Polizeisprecher Wolfgang Behr. Fest steht, dass er in der Nähe gearbeitet hat.

Das haben die ersten Ermittlungen und Zeugenbefragungen der Mordkommission ergeben. Arbeitskollegen des Azubis hatten den Toten anhand des veröffentlichten Fotos eindeutig identifiziert. „Jetzt wird versucht, aus dem engsten familiären Umfeld Hinweise zu bekommen, die zur Klärung des Sachverhaltes beitragen“, sagt Behr. Nach wie vor gehen die Ermittlungen in alle Richtungen. Zwar ermittelt die Mordkommission, ebenso könnte es aber auch sein, dass der 25-Jährige wegen plötzlicher gesundheitlicher Probleme – also ohne Fremdeinwirkung – stürzte und sich dabei die lebensgefährlichen Kopfverletzungen zugezogen hat. Wie lange der schwer verletzte Münchner auf dem Gehsteig am Ein­steinring lag, ist unklar.

Die tz hat erfahren: Ein Taxifahrer hatte den Mann gefunden. Ansprechbar war der 25-Jährige zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr. Wenig später, nachdem er in eine Klinik eingeliefert wurde, verstarb der Mann – und hinterließ ein Todes-Rätsel.

Das Opfer

Da der zunächst Unbekannte in Dornach gefunden wurde, ging man davon aus, dass der Mann in der näheren Umgebung wohnt. Doch wie sich nach Zeugenbefragungen herausstellte, lebte der 25-Jährige in München und kam deshalb regelmäßig in die Gegend, weil er bei einer Firma in dem dortigen Gewerbegebiet eine Ausbildung machte. Bislang gibt es keine neuen Erkenntnisse über den Toten. Ob er sich in letzter Zeit Feinde gemacht hatte, sollen weitere Ermittlungen der Mordkommission im engsten Familien- und Freundeskreis ans Tageslicht bringen. Laut Polizei ist es auch gut möglich, dass der junge Mann wegen gesundheitlicher Probleme gestürzt war und sich deshalb die tödlichen Kopfverletzungen zuzog.

Der Blick auf den Fundort von oben.

Die Gegend

Die Ecke ist bei der Polizei nicht als Problembereich bekannt – es handelt sich um ein ordentliches Gewerbegebiet. Johanneskirchen, Aschheim, Ismaning, Dornach – die Orte hier in der Gegend sind ebenso ruhig wie gut betucht. Im fraglichen Gewerbegebiet gibt’s unter anderem Unternehmen der ­IT-Branche, Technik und Modefirmen – Escada liegt ein paar Schritte weiter. Hausnummer 37 gehört zum „Einsteinpark“. Ein Ensemble aus drei quaderförmigen Blöcken, angeordnet wie ein Dreiseithof, zum Einsteinring hin offen. Der Tote wurde nicht weit entfernt von der Bushaltestelle „Einsteinring West“ gefunden. Hier hält der 264er zum S-Bahnhof Riem – der letzte Bus fährt um 23.23 Uhr.

Die Ermittlungen

Weil die ersten Untersuchungen in der Rechtsmedizin kein eindeutiges Ergebnis brachten, gehen die Ermittlungen in alle Richtungen. „Deshalb hat sich auch die Mordkommission eingeschaltet“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Behr. Bislang ist nur sicher, dass der 25-Jährige an den Folgen seiner schweren Schädelverletzungen starb. Nicht aber, wie diese Verletzungen entstanden sind. Die auffälligen Stellen an Schädelknochen und Gesicht könnten gleichermaßen von einem stumpfen Gegenstand wie von einem Sturz auf harten Untergrund verursacht worden sein. Das Problem: „Es gibt keine Zeugen“, sagt Behr. Auch der Taxifahrer, der den Mann am Freitagmorgen gefunden hatte, soll laut Polizei keine verdächtigen Beobachtungen gemacht haben. Offenbar ist die Spurenlage am Fundort derart überschaubar, dass die Ermittler derzeit nach der Nadel im Heuhaufen suchen. Eine heiße Spur fehlt bislang.

G. Hiel, J. Heininger

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