Dreifache Mutter starb

Nach tödlichem Unfall: Mercedesfahrer muss ins Gefängnis

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In diesem BMW starb eine dreifache Mutter. Der Angeklagte hatte in einer Rechtskurve überholt und war frontal mit dem BMW der 44-jährigen Frau aus Tandern zusammengestoßen. Mit im Auto saß ihr zwölfjähriger Sohn.

Dachau/Pipinsried - Er hatte nicht getrunken, keine Drogen genommen und war zuvor nie wegen Verkehrsdelikten in Erscheinung getreten. Und doch muss ein 34-Jähriger aus der Gemeinde Altomünster ins Gefängnis. Der Mann hat einen Unfall verursacht, bei dem eine dreifache Mutter starb.

Es ist der 18. November 2015. Es dämmert. Dem Mercedesfahrer geht es nicht schnell genug, in der Ortschaft Pipinsried hängt er hinter zwei Autos fest. Gleich nach dem Ortsschild gibt der Mann am Steuer seines 270-PS-starken Wagens Gas, überholt nach einer Kuppe erst einen Audi, will dann in einer Rechtskurve noch an einem BMW vorbei. Sein Auto rammt frontal den entgegenkommenden 1er BMW, den eine 44-Jährige aus Tandern steuert. Neben ihr sitzt ihr zwölfjähriger Sohn. 

Der Aufprall ist gewaltig, beide Autos werden viele Mete weit geschleudert. Eine Sprunggelenksverletzung hat der Mercedesfahrer, sonst nichts. Auch der Zwölfjährige erleidet zum Glück keine schweren Verletzungen. Beide können sich aus den Wracks befreien. Die 44-Jährige jedoch ist in ihrem völlig zerstörten BMW eingeklemmt. Bald spielen sich dramatische Szenen ab: Feuerwerhrleute versuchen verzweifelt, die Schwerstverletzte herauszuholen, während Notarzt und BRK die Frau so gut es geht versorgen. Die Einsatzkräfte verlieren das Rennen gegen die Zeit. Die Frau stirbt noch an der Unfallstelle.

Fast drei Stunden dauerte am gestrigen Donnerstag die Verhandlung am Amtsgericht Dachau. Was dort gesagt und geschildert wird, lässt niemanden im Sitzungssaal kalt. „Ich würde so gern den Platz tauschen mit der Frau“, sagt der Angeklagte, er entschuldigt sich. Der Mann meint, was er sagt, und doch klingt es in diesem Moment so gehaltlos. Vielen Angehörigen im Zuschauerbereich kommen die Tränen. Auch der Angeklagte weint, lehnt aber ab, als Richter Tobias Bauer eine Unterbrechung anbietet. Von Anfang an hat der 34-Jährige seine Schuld eingeräumt. Während der Verhandlung schaut er meist starr geradeaus, er sagt wenig. Sein Verteidiger plädiert auf eine Bewährungsstrafe, spricht von einem „Augenblicksversagen“.

Richter Bauer aber teilt weitgehend die Meinung der Staatsanwältin. Für beide stand fest: Der Angeklagte handelte an jenem Novemberabend grob rücksichtslos. „Sie hätten an dieser Stelle niemals überholen dürfen, die Frau hatte nicht den Hauch einer Chance,“ so Bauer. Der Richter verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis. Eine Bewährung kam für Bauer angesichts der Umstände nicht in Frage. „Es ist ein großes Glück, dass der Bub nicht schwerer körperlich verletzt wurde“, sagt der Richter am Ende seiner Urteilsbegründung, „die psychischen Folgen für das Kind kann sich jeder ausmalen.“ 

Auch der Mann der Getöteten leidet schwer. Damals vor einem Jahr war er auf der Suche nach seiner Frau und dem Sohn – und kam an die Unfallstelle. Mit einem schweren Schock wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. 

Der nur leicht verletzte Mercedesfahrer hockte derweil an einen Baum gelehnt und bat darum, seine Freundin zu informieren. Er war auf dem Weg zu ihr gewesen: „Ich hatte es eilig, ich habe sie seit zwei Wochen nicht gesehen."

Thomas Leichsenring

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