An der B2 in Puch

So überlebte Manfred Lechner den Horror-Unfall

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Manfred Lechner hat den Unfall wie durch ein Wunder mit Schürfwunden überlebt.

Poing – Manfred Lechner hat eine Horrorfahrt hinter sich, an dessen Ende sein LKW eine Hausmauer durchbrach und Holzbalken das Führerhaus durchbohrten. Der 54-Jährige blieb beinahe unverletzt – und feiert ab sofort zwei Mal im Jahr Geburtstag.

Als sein Lastwagen in Richtung Hausmauer rast, duckt sich Manfred Lechner unters Lenkrad, drückt mit beiden Füßen aufs Bremspedal, hält mit der linken Hand das Steuerrad und beugt den Kopf nach rechts und so weit nach hinten, wie es geht. „Da bist du dann, dem Schicksal ergeben, denkst nur: ,Schau mer, was passiert’, und wartest auf den Aufprall.“ So schildert Manfred Lechner am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung die Sekunden vor dem Aufprall.

Fotos der Bergung

Puch: Laster rast in Hauswand

„Am Mittwoch, 31. Oktober, um dreiviertel Sieben in der Früh“, antwortet der 54-jähriger Poinger auf die Frage, ob er sich daran erinnere, wann der Unfall passiert ist. Der selbstständige Transportunternehmer weiß es deshalb so genau, weil seine täglichen Routen durch Bayern auf die Sekunde getaktet sind. An diesem Mittwoch aber lief alles aus dem Takt. Manfred Lechner war frühmorgens in München, um ein Mörtelsilo aufzuladen, das er nach Kissingen transportieren sollte.

Als der Poinger auf dem Weg dorthin auf der Bundesstraße 2, Höhe Puch (Kreis Fürstenfeldbruck), unterwegs ist, fährt plötzlich ein Auto auf den Lastwagen zu. Wie sich später herausstellt, hatte der Autofahrer einen Asthmaanfall und war auf die Gegenfahrbahn geraten. Manfred Lechner versucht nach rechts auszuweichen, doch es gelingt ihm nicht ganz. „Das Auto hat mich hinten erwischt, so dass mein Lkw ins Schleudern kam“, erzählt der Poinger.

Im Polizeibericht steht: „Der Lkw geriet außer Kontrolle und touchierte einen weiteren Pkw. Der Laster fuhr weiter, durchbrach einen Gartenzaun und rollte etwa 50 Meter durch den Garten. Hier räumte er mehrere Skulpturen nieder und durchbrach schließlich eine Hausmauer und kam in dem Werkstattgebäude endlich zum Stehen. Der Lkw-Fahrer hatte großes Glück, da sich mehrere Balken des Gebäudes in das Führerhaus des Lasters bohrten, den Fahrer aber verfehlten.“ Wie die Polizei weiter mitteilt, habe die Auswertung der Tachoscheibe ergeben, dass der Lkw-Fahrer nicht zu schnell gefahren sei.

Nachdem der Lastwagen zum Stehen gekommen ist, ist es zunächst still, viel Staub liegt in der Luft. „Ich war bis zum Bauchnabel eingeklemmt und zugeschüttet mit Steinen und Betonbrocken“, erzählt Manfred Lechner zwei Tage danach. Nur wenige Zentimeter über seinem Gesicht sah er die Holzbalken, Kopf und Arme habe er frei bewegen können, sein erster Gedanke: „Die Sache ist ja relativ gut ausgegangen. Gott sei Dank habe ich alles richtig gemacht und mich rechtzeitig geduckt.“

Kurze Zeit später sei eine Frau an der Fahrertür gestanden und habe ihn angesprochen, berichtet Manfred Lechner. „Wir haben miteinander geredet, dann sind auch schon Feuerwehr und Polizei gekommen.“ Mit seinen Händen hat der Lkw-Fahrer die Steine und Brocken nach rechts zur Beifahrertür gereicht, wo ein Feuerwehrmann die Steine nach draußen wirft. Nach und nach kommt Manfred Lechner frei und kann seine Beine wieder bewegen. Währenddessen öffnet weitere Feuerwehrleute die Fahrertür mit einem Spreitzer und heben anschließend den Lastwagenfahrer nach draußen und legen ihn auf eine Krankenliege.

Der Poinger wird ins Klinikum Fürstenfeldbruck gebracht, etwa vier Stunden nach dem Unfall steht seine Familie am Krankenbett, seine Frau und seine vier Kinder. „Meine Frau hat am Anfang, nachdem sie von dem Unfall gehört hat, aber noch nichts Genaueres wusste, Todesängste ausgestanden“, erzählt Manfred Lechner. Wie durch ein Wunder hat sich der 54-Jährige keine schweren Verletzungen zugezogen, „nur ein paar Schürfwunden, und der Rücken ist gestaucht“. Jetzt will er sich zwei, drei Wochen zu Hause erholen und den Rücken auf Vordermann bringen. Auch die Psyche brauche erstmal Ruhe, „es war ja doch ein traumatisches Ereignis.“ Welche Gedanken denn jetzt, zwei Tage nach dem Unfall, durch den Kopf schießen, wenn er die Fotos vom zertrümmerten Haus und vom Lastwagen in den Zeitungen sehe? „Ich bin froh, instinktiv das Richtige gemacht zu haben. Jetzt werde ich zwei Mal im Jahr Geburtstag feiern!“

Armin Rösl

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