Unfall wegen Restalkohols: Retter wird zum Todesfahrer

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Jonas H. starb bei dem tragischen Unfall

Landsberg - Philipp E. rettet einem Freund mit einer beherzten Erste-Hilfe-Aktion das Leben. Ein Jahr später verursacht der junge Mann einen Verkehrsunfall, bei dem ausgerechnet dieser Freund zu Tode kommt.

Philipp E. ließ das Auto immer stehen, wenn er trank. So auch in der Nacht auf den 27. Juli 2010. Mit Freunden feiert er im Kauferinger Nachtclub „Schön & Wild“ seinen 19. Geburtstag - er trinkt etliche Biere, wie viele, daran wird er sich später nicht erinnern. Gegen halb vier Uhr geht er zu Fuß heim. Nach drei Stunden Schlaf steht er am nächsten Morgen auf und setzt sich ans Steuer seines Autos. Doch in seinem Körper befindet sich Restalkohol - über 1,5 Promille, das stellt die Polizei später fest.

Wie immer nimmt Philipp E. an diesem Tag zwei gute Freunde, die wie er eine Ausbildung bei der Bundeswehr in Penzing machen, aber keinen Führerschein haben, in seinem Auto mit - einen 18-Jährigen und den 17 Jahre alten Jonas H. Auf der Straße nach Epfenhausen verliert Philipp E. in einer Linkskurve die Kontrolle über seinen Fiat und gerät ins Schleudern. Der Wagen prallt gegen ein entgegenkommendes Fahrzeug und dann mit dem Heck gegen ein zweites Auto. Jonas H., der unangeschnallt auf dem Rücksitz des Fiat sitzt, erleidet so schwere Verletzungen, dass er am nächsten Tag im Krankenhaus stirbt.

Philipp E., inzwischen 19 Jahre alt, musste sich jetzt wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs vor dem Jugendschöffengericht Landsberg verantworten. Dort wird schnell klar, dass der junge Mann unter den Geschehnissen vom 27. Juli immer noch enorm leidet. Blass und unter Tränen berichtet er stockend von dem tragischen Vorfall. Er habe sich „eigentlich ganz gut gefühlt“ an dem Morgen nach der Party-Nacht und an den Restalkohol gar nicht gedacht. Bei der Verhandlung stellt sich heraus: Bei dem Unfall hat Philipp mit Jonas einen guten Freund verloren - dem er ein gutes Jahr zuvor das Leben gerettet hat.

Jonas hatte bei einer Messerstecherei in der Kauferinger Kiesgrube einen tiefen Stich in den Oberschenkel abbekommen. Philipp reagierte vorbildlich: Er band das Bein mit seinem Gürtel ab und verhinderte damit vermutlich, dass der Verletzte an Ort und Stelle verblutete.

Heute ist der 19-Jährige ein gebrochener Mensch. Nach dem Unfall zog er sich völlig zurück, mied den Kontakt mit anderen. Eine dringend benötigte Psychotherapie werde er demnächst beginnen, erklärte Verteidiger Joachim Feller.

Philipp E. möchte sich an den Grabpflegekosten beteiligen und bot den beiden anderen Fahrerinnen, die bei dem Unfall ebenfalls verletzt wurden, Schmerzensgeld an. Diese lehnten ab - beide hegen keinen Groll gegen den jungen Mann. „Er tut mir Leid. Mein eigener Sohn hatte an der gleichen Stelle auch schon einen Unfall. Er hatte Glück, dass niemand ihm entgegen kam und niemand mit im Auto saß“, erklärte eine der beiden, eine 49-Jährige aus Geretshausen.

Der Unfallsachverständige erklärte, der 19-Jährige müsse mit einem Tempo zwischen 90 und 101 Stundenkilometern unterwegs gewesen sein - einer Geschwindigkeit, die die fragliche Kurve durchaus vertrage, vorausgesetzt der Fahrer sei konzentriert. Das Auto habe keine technischen Mängel gehabt.

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten schließlich zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Der Führerschein, der nach dem Unfall eingezogen wurde, bleibt noch für weitere zwei Jahre und drei Monate weg. Außerdem muss der 19-Jährige 1500 Euro an ein Therapiezentrum für Verkehrsopfer zahlen. Das Gericht verzichtete auf eine Gefängnisstrafe: „Damit ist niemandem gedient“, sagte Richter Alexander Kessler zu dem 19-Jährigen. „Ihr Leiden ist Abschreckung genug.“

Ulrike Osman

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