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Unfall zwingt Pächter der Schlossbrennerei Tegernsee zum Aufgeben – Bräustüberl-Wirt übernimmt

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Von: Gabi Werner

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Die Nachfolge für die Schlossbrennerei ist geregelt: (v.l.) die künftigen Wirtsleute Caterina und Peter Hubert, die scheidende Pächterin Ina Rappenglück sowie Herzogin Anna und Christian Wagner vom Brauhaus.
Die Nachfolge für die Schlossbrennerei ist bereits geregelt: (v.l.) die künftigen Wirtsleute Caterina und Peter Hubert, die scheidende Pächterin Ina Rappenglück sowie Herzogin Anna in Bayern und Christian Wagner vom Tegernseer Brauhaus. © Thomas Plettenberg

Die Rappenglücks verlassen als Pächter die Schlossbrennerei in Tegernsee. Ein schwerer Unfall hat die Träume der Familie dort zunichte gemacht. Die Nachfolge übernimmt der Wirt des benachbarten Bräustüberls.

Tegernsee – Es hatte alles so viel versprechend begonnen. Im Juni 2019 öffnete die Schlossbrennerei, ein Betrieb des Tegernseer Brauhauses, unter der Regie von Sternekoch Johann Rappenglück und seiner Frau Ina die Pforten. Noch im gleichen Jahr zeigte sich der Restaurantführer Gault & Millau voll des Lobes ob der neuen Küche. „Wir haben einen grandiosen Start hingelegt“, sagt Ina Rappenglück rückblickend. Einheimische, die sie als Münchner Gastro-Paar anfangs belächelt hätten, habe man als Stammgäste gewinnen können, sogar die Corona-Lockdowns habe das Restaurant dank des To-Go-Angebots verhältnismäßig gut überstanden. „Das hat uns nicht den Kopf gekostet“, betont die 39-Jährige.

Schwerer Autounfall wirft Pächter der Schlossbrennerei aus der Bahn

Vielmehr war es ein Schicksalsschlag, der die engagierte Familie letztlich zum Aufgeben zwang: Im März dieses Jahres hatte Johann Rappenglück frühmorgens einen schweren Autounfall. In der Folge musste der 40-Jährige mehrfach operiert und zuhause gepflegt werden. „Das hat uns völlig aus der Bahn geworfen“, räumt seine Frau Ina unumwunden ein. Die Heilung sei auch heute bei Weitem noch nicht abgeschlossen, stundenlang in der Küche am Herd stehen – daran sei im Moment gar nicht zu denken.

Ohne Johann Rappenglück fehlte das Herz des Restaurants

Im Herbst sei daher die Entscheidung gereift, die so hoffnungsvollen Zukunftspläne am Tegernsee an den Nagel zu hängen, sich aus dem Betrieb der Schlossbrennerei zurückzuziehen und stattdessen die Gesundheit in den Vordergrund zu stellen. Ohne ihren Mann, so macht Ina Rappenglück deutlich, hätten im Restaurant „Motor und Herz“ gefehlt, das Schiff sei mehr und mehr ins Schlingern geraten. „Wir wollten nicht warten, bis das Schiff untergeht, sondern mit aufrechtem Blick gehen“, sagt die so kämpferisch wirkende Gastronomin und fügt hinzu: „Das war kein Scheitern, sondern höhere Gewalt.“

Herzogliches Brauhaus bietet Bräustüberl-Wirt Hubert die Nachfolge an

Unterstützung erhielt die Familie bei ihrer Entscheidung vom Verpächter, dem herzoglichen Brauhaus. Herzogin Anna in Bayern und Geschäftsführer Christian Wagner waren am Donnerstag zu einem Pressegespräch in die Schlossbrennerei gekommen, um zu schildern, wie es mit dem Traditionsbetrieb zwischen See und Pfarrkirche weitergehen soll.

Dabei griff man auf eine im wahrsten Sinne des Wortes nahe liegende Lösung zurück. Das Brauhaus suchte laut Wagner rasch das Gespräch mit Bräustüberl-Wirt Peter Hubert und dessen Frau Caterina, um ihnen auch die Pacht der benachbarten Schlossbrennerei anzutragen. „Der Qualitätsgedanke ist auch bei Peter Hubert sehr ausgeprägt, er hat bewiesen, dass er eine Gastronomie innerhalb kürzester Zeit beleben kann“, macht Wagner deutlich. Zudem würden sich dank der räumlichen Nähe viele Synergien, etwa beim Personal, nutzen lassen.

Herzogin Anna in Bayern: Nachfolger können „auf sehr guter Ausgangsbasis aufbauen“

Herzogin Anna betonte mit Blick auf die scheidenden Pächter, dass die Nachfolger „auf einer sehr guten Ausgangsbasis aufbauen können“. Das Bräustüberl und die Schlossbrennerei würden sich in ihren Angeboten deutlich unterscheiden und könnten sich daher hervorragend ergänzen. So könne etwa das Restaurant am See ganz andere Veranstaltungen beherbergen als das Bräustüberl.

Peter Hubert über die Schlossbrennerei: „Das ist ein einmalig schönes Objekt“

Vor diesem Hintergrund hat auch das Ehepaar Hubert nicht lange mit der Zusage gezögert. „Das ist ein einmalig schönes Objekt“, schwärmt Peter Hubert über sein künftiges Lokal. Er sei froh, mit dem dortigen Personal eine funktionierende Mannschaft übernehmen zu können. Ein nahtloser Übergang wird es dennoch nicht werden: Bis 31. Dezember läuft der Betrieb in der Schlossbrennerei noch unter der Ägide der Familie Rappenglück, vermutlich wird der 30. Dezember der letzte Öffnungstag sein.

Für eine Wiedereröffnung strebt Hubert den 1. März oder 1. April kommenden Jahres an. „Bis dahin werden wir uns Gedanken machen über ein genaues Konzept“, sagt der Wirt. Die Monate dazwischen seien für die Gastronomie ohnehin eine eher ruhige Zeit. „Da müssen wir nicht schnell, schnell wieder aufmachen“, meint Hubert.

Familie Rappenglück kehrt nach München zurück

Und wie sehen die Zukunftspläne der Familie Rappenglück jetzt aus? Ihr Mann und sie werden zunächst mit den Kindern nach München zurückkehren, berichtet Ina Rappenglück. Wie es beruflich weitergeht, ist noch ungewiss. „Wir haben eigentlich noch keine Pläne.“ gab

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