Unfassbar: Hitler immer noch Ehrenbürger von Kirchseeon

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Adolf Hitler bei der Zeitungslektüre.

Kirchseeon - „Wir sind alle für bunt statt braun. Wir haben aber immer noch braune Ehrenbürger!“ Die Kirchseeoner Heimatforscherin Dagmar Kramer will, dass der Gemeinderat Adolf Hitler, Paul von Hindenburg und Franz Xaver Ritter von Epp die 1933 verliehene Ehrenbürgerwürde abspricht.

Das soll am 28. März geschehen. Bürgermeister Udo Ockel (CSU) hat das Begehren der Kirchseeoner Ortschronistin auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung gesetzt.

Kramer hält als Beweis der Ehrenbürgerschaft ein Dankschreiben von Hitler, Ritter von Epp und Hindenburg in Händen. Bei Adolf Hitler weiß jeder, um wen es sich handelt. Bei Paul von Hindenburg weiß man, dass er Reichspräsident war. Aber nicht jeder weiß, dass er das so genannte Ermächtigungsgesetz unterschrieben hat, das die Nationalsozialisten an die Macht brachte. Ritter von Epp kennt kaum einer: Er war Hitlers erster Reichsstatthalter. In Bayern.

Dass Hitler immer noch Ehrenbürger der Marktgemeinde sei, hat Kramer schon vor Jahren von einer inzwischen verstorbenen Kirchseeonerin erfahren. Und 1989, als Kramer die Jubiläumschronik zur Markterhebung schrieb, hatte sie eben erst erste Unterlagen aus der Nazi-Zeit gefunden. Der damalige Bürgermeister Konrad Hollerith habe gesagt, dass da was da sein müßte. „Ich hatte ja nix gehabt“, erinnert sich Kramer an damals.

Schülerinnen und Schüler einer neunten Klasse des Kirchseeoner Gymnasiums haben die „Geschichte“ im Januar dieses Jahres ausgegraben. Mit Hilfe von Kramer. Die hatte der Klasse für den Geschichtsunterricht rund 50 Ordner übergeben, die sie 1990 „verstaubt auf dem Schulspeicher“ gefunden hatte. In einem dieser Ordnern fanden die Schüler „ganz hinten“ das besagte Dankschreiben. „Da haben bei denen die Glocken geläutet“, erinnert sich die Heimatforscherin. „Die Kinder waren entsetzt!“

Kramer ging gleich zu Bürgermeister Udo Ockel ins Rathaus. Wann, wenn nicht jetzt, müsse etwas unternommen werden, sagte sie sich. Der Rathauschef geht davon aus, dass der Tagesordnungspunkt „in Minutenschnelle durchgewunken wird“. Schon viele Kommunen hätten nach Bekanntwerden solcher Ehrenbürgerschaften, die ja mit dem Tod erlöschen, eine „demonstrative Distanzierung“ vorgenommen. „Ich hoffe drauf, dass es nicht so große Diskussionen geben wird.“ Das Datum der Gemeinderatssitzung am Montag in einer Woche passt auf jeden Fall: Es war auch ein 28. März, als die Gemeinde die Ehrungen ausgesprochen hat.

Von Eberhard Rienth

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