„Ich wurde von einer älteren Dame beobachtet“

Unfassbar: Parkrempler hinterlässt skurrilen Zettel

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Ohne Name und Adresse hinterließ ein Unbekannter diesen Zettel im Auto von René Kessay. Der Weilheimer sagt: „Das ist zwar nett gemeint, aber optimal ist was anderes.“

Ein Radfahrer, der das Auto von René Kessay versehentlich verkratzt hat, warf ihm eine Nachricht durchs Dachfenster. Da jedoch Name und Adresse fehlen, hilft ihm diese nur wenig.

Weilheim – René Kessay, 28, staunte nicht schlecht. Als der Weilheimer am Samstagmorgen unweit des „Netto“-Parkplatzes in sein Auto stieg, entdeckte er auf dem Beifahrersitz einen Zettel. Jemand musste ihn durch das gekippte Dachfenster eingeworfen haben. Die handgeschriebene Botschaft darauf – skurril. „Hallo lieber Autofahrer, leider bin ich mit meinem Fahrrad an deinem Auto hängen geblieben. Ich wurde von einer älteren Dame beobachtet. Bitte zeig mich nicht an. Ich hoffe, der Schaden ist nicht zu hoch. Es tut mir leid.“ Name und Adresse – Fehlanzeige.

Ist das ein Scherz?

„Ich wusste erst einmal gar nicht, ob das ein Scherz oder ernst ist“, sagt Kessay. Doch beim Rundgang um seinen BMW sah er tatsächlich zwei Kratzer – auch wenn diese nur bei sehr genauer Betrachtung auffielen. „Ohne den Zettel hätte ich sie vielleicht gar nicht bemerkt“, räumt Kessay ein. Doch wie klein die Kratzer auch sein mögen: Will Kessay den Lackschaden beheben, wird es womöglich teuer. Besonders ärgerlich: Sein Auto ist geleast, die Schrammen Schrammen sein zu lassen, ist für ihn also nicht möglich.

Warum der Unbekannte seinen Namen nicht hinterlassen hat, ist für Kessay ein Rätsel. „Normalerweise hat jeder eine Haftpflichtversicherung, die den Schaden übernimmt“, betont er. „Und selbst wenn nicht – man kann über so was doch immer reden und auf eine Lösung kommen, die für beide passt“. Kessay spekuliert, dass es sich um einen Schüler handelt, der „einfach Bammel hat, es seinen Eltern zu sagen“.

Lieber zahlen, als hochgestuft zu werden

Stand jetzt ist Kessay der Gelackmeierte. „Wenn sich niemand mehr meldet, muss ich alles selbst bezahlen.“ Seine eigene Versicherung geltend zu machen und daraufhin beim Beitragssatz hochgestuft zu werden, möchte er nicht. „Das kommt mir auf Dauer wahrscheinlich noch teurer.“

Dass es sich bei einer Unfallflucht – und nichts anderes ist es in diesem Fall – um keinen Kavaliersdelikt handelt, stellt Jürgen Thalmeier, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd klar: „Das ist eine Straftat.“ Auch wenn auf dem Zettel im Auto Name und Adresse gestanden hätten, wäre der Radfahrer nicht aus dem Schneider. „Diesen Fehler machen viele.“ Richtigerweise müsse man zunächst eine „angemessene Zeit“ auf den Fahrer des Autos warten. Kommt dieser nicht, ist die Polizei zu verständigen – und auf das Eintreffen der Beamten zu warten. „Sie müssen die Personalien überprüfen, am Telefon kann man ja viel erzählen“, sagt Thalmeier. Um im Nachhinein nicht sogar einen größeren Schaden bezahlen zu müssen, als man verursacht hat, rät er dazu, ein Foto des angefahrenen Autos zu machen.

Unfallfluchten im Landkreis

Unfallfluchten von sogenannten Parkremplern sind im Landkreis keine Seltenheit. Das zeigen die Statistiken. 206 zählt die Polizei Weilheim im Jahr 2017, heuer sind es bisher – den September nicht eingerechnet – 122. Die Aufklärungsquote liegt bei rund 33 Prozent (2017: 28 Prozent). In Penzberg wurden 2018 gar 50 Prozent der 64 bisherigen Fälle aufgeklärt. 2017 waren es noch rund 33 Prozent bei 113 Fluchten. Im Bereich der Polizei Schongau machten sich 2017 244 Menschen nach einem Parkunfall aus dem Staub, heuer waren es im ersten Halbjahr 128. Auf die Schliche kamen die Beamten 43 Prozent der Täter (2017: 31 Prozent). Eine Erklärung für den Anstieg der Aufklärungsquoten hat Eugen Pogorel von der Polizei Weilheim: „Die Zeugen werden immer aufmerksamer.“

Kessay hofft nach wie vor auf ein positives Ende seiner kuriosen Unfallgeschichte. „Wenn der Radfahrer diesen Bericht liest, soll er sich doch bitte bei mir melden“, betont er. Seine Telefonnummer lautet: 0152/34231315. Eine Anzeige habe der Unbekannte dann nicht zu befürchten.

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