Werkstatt geplündert

Zimmerer lebt nach Einbruch mit der Angst

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Fast alles aus den Regalen und von den Tischen haben die Einbrecher aus der Werkstatt des Zimmerers mitgenommen.

Unterbiberg - Nach dem Einbruch in seine Zimmerei dominiert die Angst Wolfgang Trellingers Tage. Die Diebe stahlen alle Maschinen, die er zum Arbeiten braucht. Jetzt den Kopf in den Sand zu stecken, kommt für den Unterbiberger Handwerker aber nicht in Frage.

Morgens um 6 Uhr parkt Wolfgang Trellinger sein Auto auf dem Vorplatz seiner Zimmerei. Der 56-Jährige lässt das Licht im Wagen brennen, bis der Bewegungsmelder am Haus angeht. „Ich habe jeden Tag Angst, dass jemand hinter mir steht“, sagt er. In der Nacht von Samstag auf Sonntag war in seinen Betrieb eingebrochen worden (wir berichteten). Als der Handwerker am Sonntagmorgen zu seiner Zimmerei in der Schönswetterstraße fuhr, sah er bereits aus der Ferne, dass etwas nicht stimmt. Die Tür stand offen. An einen Einbruch dachte Trellinger aber nicht. „Habe ich gestern vergessen, die Tür zu schließen?“, ratterte es in seinem Kopf. Am Eingang angekommen, sah der Zimmerer dann, dass das Türschloss aufgebrochen wurde; als er die Werkstatt betrat, stand er in einem leeren Raum. Vor lauter Schock fiel Trellinger die Telefonnummer der Polizei nicht ein. „Ich habe fünf Minuten gebraucht, bis ich die 110 richtig ins Handy getippt habe“, sagt er. Die Täter gingen rabiat zu Werke. Zuerst brachen sie mit einer Spitzhacke das Schloss eines Feuerwehr-Containers, der hinter der Zimmerer steht, auf. In diesem Container fanden die Einbrecher einen Bolzenschneider; mit diesem haben sie dann Trellingers Schloss geknackt und bedienten sich kräftig am Inventar. „Es ist so gut wie nichts mehr da“, sagt der Zimmerer, der den Betrieb vor 20 Jahren von seinem Vater übernommen hat. Etwa 30 Maschinen und Geräte, darunter Kreissägen, Nagelmaschinen und Akkubohrer, im Wert von 27 000 Euro haben die Einbrecher aus dem Betrieb getragen. „Die Kriminalpolizei macht mir wenig Hoffnung, dass sie die Täter schnappt“, sagt Trellinger. Sie hätten sich mit Sicherheit längst ins Ausland abgesetzt. Er vermutet, dass eine Bande aus Osteuropa zugeschlagen hat. Diese Erkenntnis macht Trellinger zwar wütend, er spürt „Hass gegen diese Verbrecher“; Sie hilft ihm aber nicht weiter. Von der Versicherung bekommt der Zimmerer keinen Cent, denn sein Betrieb ist ein Holzschuppen, den man nicht diebstahlsicher absperren kann. „Meine Schwester leiht mir jetzt 10 000 Euro, damit ich mir zumindest die Maschinen kaufen kann, die ich dringend brauche.“ Da er mit anderen Zimmerern zusammenarbeitet, schlittert er nicht direkt in den Ruin, sondern kann weiterarbeiten. Kollegen leihen ihm jetzt Arbeitswerkzeug, ein befreundeter Elektriker aus Unterbiberg bietet Trellinger sogar an, eine Alarmanlage einzurichten. Emotionale Stütze sind seine Ehefrau und die beiden 13 und 16 Jahre alten Söhne. Diese allumgreifende Solidarität gibt Trellinger Kraft, jetzt um den Fortbestand seiner Zimmerei zu kämpfen. „Es wird schon irgendwie weitergehen.“

Veronika Jordan

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