Schneechaos in Bayern hält an

“Wir leben nicht in Süditalien“  - Anwohner komplett genervt vom schlechten Räumdienst

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Die Räumdienste im Landkreis sind rund um die Uhr im Einsatz. 

Die Winterdienste kommen im Landkreis München kaum mit dem Räumen hinterher. Viele Bürger beschweren sich über tagelang verschneite Straßen und verschüttete Zufahrten.

Landkreis – Nicht geräumte Nebenstraßen, mit Schnee verstopfte Einfahrten, kaum mehr als solche erkennbare Zebrastreifen: Alltag aktuell im Landkreis München, wo die Winterdienste permanent durch die Kommunen pflügen und trotzdem die Schneemassen nicht überall in den Griff bekommen. Das zeigt allein die Umfrage auf unserer Facebook-Seite, aber auch in den Rathäusern häufen sich die Beschwerden. Zwei Beispiele aus Neubiberg und Unterhaching veranschaulichen die matschige Herausforderung aus unterschiedlichen Perspektiven.

Unterhaching: Erster Schneepflug sonntags erst am Vormittag

Total unzufrieden ist Werner Kießling aus Unterhaching mit dem Winterdienst in Unterhaching. 

In Unterhaching wollte Werner Kießling (79) am Sonntag seine Frau zum Frühdienst ins Krankenhaus fahren. Die Einfahrt auf seinem Grundstück in der Vorlandstraße hatte er bis 5.45 Uhr geräumt, doch weiter kam er nicht – und blieb mit seinem Auto in den Schneemassen stecken. „Wir mussten das Auto erst freischaufeln“, berichtet der Unterhachinger. Auch um 8 Uhr sei noch kein Schneepflug gefahren, erst am Vormittag. Danach übrigens musste Kießling weitere 45 Minuten schaufeln, weil die Schneeberge in seiner Einfahrt gelandet waren. Seit 1965 wohnt Kießling in der kleinen Nebenstraße, sein Eindruck: Beim Winterdienst habe sich „ein gewisser Schlendrian“ eingeschlichen.

Genervte Anwohner: Kaum geräumte Straßen bei bis zu 40 Zentimetern Neuschnee

Von „totalem Chaos“ spricht Eduard Joß aus Neubiberg. Seit 1993 lebt der 62-Jährige in der Zillestraße – die sei am Samstag einmal provisorisch und ansonsten an all den Schneefalltagen nicht geräumt worden. „In der Summe sind da seit Freitag 30 bis 40 Zentimeter zusammengekommen. Mittlerweile sind so viele rutschige Spurrillen entstanden, dass die Autos nicht mehr aneinander vorbeifahren können“, sagt Joß. Ihn ärgert besonders, dass die Gemeinde ihre Bürger ermahnt, zwischen 7 und 20 Uhr auf privaten Gehwegen zur Schneeschaufel zu greifen, selbst aber öffentliche Straßen nicht räumt. Dass in kurzer Zeit viel Schnee gefallen ist, weiß der Neubiberger, doch er findet: „Das ist für die Räumdienste nichts Neues, wir leben schließlich nicht in Süditalien.“

Neubiberg: Bürgermeister verspricht Besserung, bittet aber auch um Nachsicht

Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U) zeigt Verständnis für den Unmut, „bei uns im Rathaus laufen die Telefone heiß“. Mangels eines geeigneten eigenen Fuhrparks habe die Gemeinde den Winterdienst schon seit über zehn Jahren an Fremdfirmen ausgelagert, alle zwei Jahre erfolge die Beauftragung neu. „Die Leistungen für die Fremddienstleister sind eigentlich genau definiert. Wenn etwas nicht läuft, erfahren wir davon aber erst im Rahmen von Beschwerden“, sagt Heyland. „Wir werden jetzt klären: Wie kann man den Winterdienst beschleunigen?“ Der eigene Bauhof dagegen habe kommunale Geh- und Radwege „sehr gut geräumt“. In einem Punkt bittet Heyland um mehr Toleranz: „Was wir nicht verhindern können, ist, dass ein Räumfahrzeug eine Einfahrt mit Schnee zuschiebt.“

Unterhachinger Gemeinde sagt: Wir tun unser Bestes

Rathaus-Sprecher Simon Hötzl weist diesen Vorwurf zurück: Alle 15 Mitarbeiter des Baubetriebshofs, inklusive Leiter Klaus Tränkler, seien im Dauereinsatz, zusätzlich habe die Gemeinde drei Subunternehmen engagiert. „Wir schauen, dass wir alles so schnell wie möglich freiräumen“, sagt Hötzl, „aber Witterung ist Witterung.“ Insbesondere der Temperaturanstieg am Sonntag, als sich der Pulverschnee in tonnenschwere Pappschneeberge verwandelte, habe eine ungeheure Herausforderung dargestellt. „Die Schwierigkeit lag zuletzt darin: Wohin mit all dem Schnee?“

Im Vergleich zu den Straßenverhältnissen in München, betont Hötzl, sei Unterhaching „sehr gut aufgestellt“. Und was die Prioritätensetzung angeht: „Zuerst kommen Hauptverkehrsstraßen dran sowie sicherheitsrelevante Bereiche, beispielsweise vor Schulen.“ In der ein oder anderen Nebenstraße indes müsse man eben Geduld haben, „auch wenn wir gerade mit allem, was rollen kann, unseren Winterdienst machen“.

Lesen Sie auch zu dem Thema auf merkur.de* einen Kommentar der Landkreis-Redakteurin Patricia Kania.

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