Öffentlicher Durchgang

"Ab hier ist Privatgrund": Wirbel um dieses Schild

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Ganz schön dreist: die eigenmächtige Beschilderung.

Unterhaching - Ein Schild, das einen über 40 Jahre lang öffentlichen Durchgang plötzlich zum Privatweg deklariert, sorgt für Wirbel im Norden von Unterhaching.

Der Ton ist unfreundlich, die Aktion an sich höchst umstritten: Ein Schild, das einen über 40 Jahre lang öffentlichen Durchgang plötzlich zum Privatweg deklariert, sorgt für Wirbel im Norden von Unterhaching.

Übersehen kann man das Doppel-Schild nicht, denn es steht mitten im Weg. Im Falkenweg. Gelber Untergrund, schwarze Schrift: Das Hauptschild verweist auf einen „Privatweg“ und ergänzt, das „Durchgang und Durchfahrt verboten“ sei.

Das schert viele nicht, sie ignorieren das Schild. Und weil diejenigen, die es aufgestellt haben, offenbar anarchischen Widerstand fürchten, haben sie darunter einen orangefarbenen, wasserfest laminierten Zettel platziert mit diesen – überwiegend in teils sogar gefetteten Versalien gehaltenen – Zusatzhinweisen:

„Dieses Schild zu stehlen ist Diebstahl. Es zu beschädigen ist Sachbeschädigung. Also, einfach akzeptieren und respektieren – ab hier ist Privatgrund.“

Wirklich? Ilse Kääb, die Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Eigenheimbesitzer Fasanenpark, lacht lauthals auf. „Natürlich dürfen die Leute dort durchgehen. Und natürlich ist es nicht erlaubt, diese Schilder dort aufzustellen.“

Der Schilder- und Wegerecht-Disput von Unterhaching: Wer steckt dahinter? Dem Vernehmen nach, so raunen Anwohner, ein vor zwei Jahren zugezogenes Ehepaar. Immobilienmakler mit Überwachungskamera, aber keinem Namensschild an der Haustür. Es geht um ein Wegstück von rund 100 Metern Länge, das an fünf Häusern vorbeizieht, auf der anderen Seite findet sich die Großbaustelle der ehemaligen Fasanenschule.

Ob es einen Anlass gegeben hat dafür, nach über 40 Jahren – so lange existiert der Durchgang schon – plötzlich mit scharfer Wortwahl auf einen angeblichen Privatweg zu pochen? „Nein, die wollen einfach nur ihre Ruhe haben“, erläutert Ilse Kääb. Und zeigt für die Art und Weise, wie dies kommuniziert wird, kein Verständnis: „Dann muss man halt irgendwohin aufs Land ziehen, wo weit und breit kein Mensch ist.“

 In der Sache selbst, betont Kääb, lägen die Schilder-Aufsteller falsch. „Die Siedlung ist so konzipiert, dass es überall Durchgänge wie diesen gibt.“ Das gehe aus den Plänen aus den 60er Jahren eindeutig hervor. Allein ein Schild wie „Durchgang auf auf eigene Gefahr“ sei zulässig, alles andere nicht. Und die aktuelle Konstruktion, an zwei Stellen des Falkenwegs aufgestellt, schon gar nicht. Der baustellenartige und etwas wackelige Ständer stelle nämlich eine Gefahr für die Allgemeinheit dar. „Wenn zum Beispiel eine Mutter mit ihrem Fahrradanhänger stürzt oder nachts jemand über das Schild stolpert“, warnt Kääb, „dann sind die Eigentümer dran.“ Und zwar nicht nur die, die sich als Schilder-Aufsteller betätigt haben, sondern alle aus der Eigentümergemeinschaft.

Einige der Nachbarn sind sowieso stinksauer über die Aktion, die ohne Absprache erfolgte. „Das haben die bei Nacht und Nebel gemacht, keinen Menschen gefragt“, schimpft zum Beispiel Wolfgang Riemerschmid. Er hat Verunsicherung bei der Bevölkerung registriert: „Ältere Leute mit Rollator oder Mütter mit Kinderwagen sind schon umgedreht, weil sie sich nicht getraut haben weiterzugehen.“

Es brodelt im Falkenweg – so sehr, dass sich jetzt die Gemeinde und sogar das Landratsamt mit dem Fall befassen. Laut Rathaussprecher Simon Hötzl sei es „Sache der Gemeinschaft und nicht eines einzelnen, auf der privaten Nutzung zu bestehen“. Ob diese überhaupt rechtlich durchsetzbar sei, werde nun geprüft – auch das jahrzehntelang etablierte Gewohnheitsrecht spiele hier eine Rolle.

 Ilse Kääb hält derlei Überlegungen für viel zu kompliziert. Die Pläne für den Fasanenpark böten keinerlei Rechtsgrundlage für ein Durchgangsverbot, sagt sie. Also müsse das Schild weg – zumal von der mäßig standfesten Konstruktion eine Gefahr für Passanten ausgehen. „Notfalls“, sagt Kääb, „rufe ich halt die Polizei."

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