Ärger für Birker Burschen in Unterhaching

„Ich war schockiert“: Grillfeier an Karfreitag direkt neben Friedhof abgehalten

+
In Sicht- und Riechweite der Urnengräber auf dem Unterhachinger Friedhof liegt die Wachhütte der Birken Burschen. Deren Steckerlfischgrillen am Karfreitag hat nicht jedem Friedhofsbesucher behagt. 

Rund 200 Besucher kamen am Karfreitag zum Steckerlfischgrillen der Birker Burschen in Unterhaching. Eine Veranstaltung, die aber nicht jedem gefiel: Besucher des unmittelbar angrenzenden Friedhofs fühlten sich massiv in ihrer Karfreitagsruhe gestört.

Unterhaching - „Ich war schockiert“, schildert Klaus Genthe gegenüber dem Münchner Merkur seine Empfindungen. Der 60-jährige Unterhachinger hatte an Karfreitag gegen 11.30 Uhr die Urnengräber seiner Eltern und Schwiegereltern besucht, die keine 30 Meter von der 2016 zunächst illegal errichteten und erst nachträglich legalisierten Wachhütte liegt.

Von Ruhe, wie sie zu Karfreitag als einem der neun „stillen Tage“, die es pro Jahr in Bayern gibt, sei nicht zu spüren gewesen. „Dass Blasmusik aus allen Rohren schallt, der Grill zum Himmel stinkt und der Alkohol in Ruhe fließt, ist für mich weder nachzuvollziehen noch akzeptabel“, sagt der Friedhofsbesucher. „Solch ein Radau direkt neben den Gräbern – dann kann man den Karfreitag auch gleich abschaffen.“

Feier neben Friedhof: Unterhachinger Burschen-Chef verteidigt Vorgehen

Der Burschenchef Franz Maier (27) indes betont, die Veranstaltung sei mit dem Pfarrer abgesprochen gewesen, „denn Steckerlfisch liegt im Rahmen der Tradition“. Dass der Wind ausgerechnet am Karfreitag wehte, dass er die Grillrauchschwaden über den Friedhof trieb, „dafür konnten wir nichts“. Zum Thema Musikbeschallung sagt Maier, man habe etwa zwei Stunden lang „einen Radiosender mit kirchlicher Blasmusik“ laufen lassen, diese dann aber abgeschaltet, weil sie von den Feiernden selbst „als störend empfunden wurde“.

Was die Belange von Friedhofsbesuchern angeht: „Es lag uns natürlich nicht daran, jemanden zu stören, sondern mit der Veranstaltung Brauchtum zu pflegen, damit Unterhaching nicht zur Schlafstadt wird“, sagt Maier. Eine ältere Dame sei sogar vom Friedhof zur Burschenveranstaltung gekommen, „und sie hatte eine wahnsinnige Freude bei uns“.

Ärger nach Feier an Karfreitag: Rathaussprecher bleibt unparteiisch

Im Rathaus zeigt Rathaussprecher Simon Hötzl Verständnis für beide Seiten. Falls die Kritik „keine Einzelmeinung“ bleibe und weitere Unterhachinger die Feier „als ungebührlich“ wahrgenommen hätten, werde die Kommune Rücksprache mit dem Burschenverein halten. Hötzl sagt aber auch: „Fischbraten an Karfreitag ist eine alte Tradition, und die Frage, wann Musik traditionell ist und wann nicht mehr, fällt in einen Graubereich.“ Sein Fazit: „Tradition ist nicht immer leise.“ Auch nicht am an sich stillen Karfreitag.

Im Zuge seiner Kritik warf Klaus Genthe auch die Frage nach dem Standort der Hütte, die er als „Chalet“ bezeichnete, auf. „Wie lange ist eigentlich die Hüttenbelagerung des Burschenvereins direkt am Zaun des Friedhofs überhaupt noch genehmigt?“, will er wissen. Und legt damit den Finger in eine verfahrenstechnische Wunde.

Unerwünschte Karfreitags-Feier: Ärger in Unterhaching hat lange Vorgeschichte

Zur Vorgeschichte: 2016 hatte der Burschenverein die Hütte zur Maibaumbewachung errichtet – ohne Genehmigung. Von „Schwarzbau“ war in den kommunalen Gremien die Rede, erst nachträglich ebnete die Gemeinde den Weg zu einer Legalisierung des 72-Quadratmeter-Baus: Offiziell beantragt wurde ein „Stuhllager für den Friedhof“, erläutert Hötzl; durchs Landratsamt sei dieser Bauantrag „bis heute noch nicht abschließend genehmigt“.

Der Deal zwischen Gemeinde und Burschenverein entstand, weil die Kommune tatsächlich Lager-Engpässe bei größeren Beerdigungen habe. Im Gegenzug habe man dem Burschenverein, der beim Bauen ja in Vorleistung getreten war, das Recht eingeräumt, dieses Stuhllager „hin und wieder für eigene Veranstaltungen im Rahmen der Traditionspflege zu nutzen“, sagt Hötzl.

Der Burschenverein beteuert, die Hütte wirklich nur als Lager zu nutzen für Veranstaltungen wie die Sonnwendfeier. Bloß einmal im Jahr gebe es einen „Hüttenzauber“, ansonsten müsse auch bei Schlechtwetter draußen gefeiert werden, was Franz Maier „brutal schade“ findet und sich eigentlich eine bessere Bleibe wünscht. Der 27-Jährige weiß aber auch: „Eine tausendprozentige Lösung ist im dicht besiedelten Unterhaching kaum zu realisieren.“

Lesen Sie auch: Illegale Techno-Party von Polizei beendet

Ebenfalls für Ärger sorgte eine Techno-Party in Neuried in der Nacht auf Karfreitag. Rund 400 Gäste waren zu der gut organisierten- aber leider nicht genehmigten - Veranstaltung erschienen.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Großeinsatz an der Isar: Retter suchen Wasser nach vermisster Person ab
Großeinsatz an der Isar: Retter suchen Wasser nach vermisster Person ab
Baumstamm erschlägt Mann – Angehörige findet seine Leiche
Baumstamm erschlägt Mann – Angehörige findet seine Leiche
Aktion sorgt für Entsetzen: Bauhof-Mitarbeiter bohrt Löcher in Skulptur - er meinte es nur gut
Aktion sorgt für Entsetzen: Bauhof-Mitarbeiter bohrt Löcher in Skulptur - er meinte es nur gut
„Eine Welt bricht zusammen“: Familie plötzlich obdachlos
„Eine Welt bricht zusammen“: Familie plötzlich obdachlos

Kommentare