Sie lebte 13 Tage mit der Leiche

Mutter-Mörderin: Schulden als Tatmotiv?

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Hinter dieser Wohnungstür lebte Tine K. (Foto) 13 Tage lang mit ihrer ermordeten Mutter Karin K. (70)

Unterhaching - Waren Schulden das Motiv? Eine 40-Jährige lebte fast zwei Wochen neben ihrer Mutter, die von ihr erdrosselt wurde. Immer mehr unfassbare Details zu der Tat werden bekannt.

Sie lebte 13 Tage neben ihrer toten Mutter! Die Unterhachingerin Tine K. (40) ist am Samstag festgenommen worden, nachdem Polizisten die Leiche von Karin K. (70) entdeckt hatten. Der entscheidende Hinweis kam von Nachbarin Brigitte T. (Name geändert).

Die beiden waren Freundinnen von frühester Jugend an und hatten fast täglich Kontakt. Brigitte T. machte sich die größten Sorgen, als sie ihre Freundin telefonisch nicht mehr erreichen konnte. Sie schrieb ihr sogar einen kurzen Brief („Bitte melde Dich!“), den sie persönlich in den Briefkasten in der Fasanenstraße steckte. Am nächsten Tag war der Umschlag weg, doch die Freundin meldete sich trotzdem nicht. Da rief Brigitte T. am Samstag bei der Polizei an: „Ich habe den Zweitschlüssel, aber ich trau mich da nicht allein hinein.“ Eine Polizeistreife begleitete sie. In der Zweizimmerwohnung dann der Schock. Karin K. war schon zwei Wochen tot – ermordet von der eigenen Tochter Tine K. (40), einer ehemals erfolgreichen Münchner Fotografin und Buchautorin.

Die Polizisten hatten geklingelt und gerufen. Doch in der Wohnung rührte sich nichts. Schließlich schloss Brigitte T. die Tür auf – und erschrak. Im Flur erschien plötzlich Tine! Wo denn ihre Mutter sei, wollten die Polizisten wissen. „Im Krankenhaus. Es geht ihr ganz gut“, antwortete sie kühl. Ein Rückruf in der Klinik ergab: Dort liegt keine Patientin Karin K. Da wurden die Beamten energisch: „Wir möchten jetzt doch mal in die Wohnung schauen“, verlangten sie. Als sie auf die geschlossene Wohnzimmertür zugingen, breitete Tine K. hilflos die Arme aus und sagte: „Ich muss Ihnen etwas sagen.“ Dann legte sie ein umfassendes Geständnis ab.

Angeblich bereits am 9. Februar – das deckt sich auch mit den Ergebnissen der Obduktion – erdrosselte Tine K. ihre Mutter im Wohnzimmer mit einer Plastik-Wäscheleine. Dann ließ sie die Leiche dort einfach liegen. Was der Auslöser für diese Wahnsinnstat war und wie die beiden Frauen zueinander standen, ist noch nicht ganz klar. Das Mutter-Tochter-Verhältnis war allerdings schwer belastet durch Tine K.’s desolate finanzielle Lage, mit der sie ihre Mutter in existenzielle Nöte stürzte (siehe Text unten). Gegenüber Beamten der Mordkommission gab Tine K. an, dass sie sich nach der Ermordung ihrer Mutter in den Tod stürzen wollte. Doch dann habe sie der Mut verlassen und sie kehrte wieder zurück in die kleine Wohnung. Zurück zu der toten Mutter – unfähig, sich irgendwo Hilfe zu holen. 13 schreckliche Tage lang.

Nach Ansicht von Staatsanwalt Peter Preuß erfüllt die Tat alle Kriterien eines heimtückischen Mordes, mit dem die arglose Mutter zu keinem Zeitpunkt habe rechnen können. Tine K. sitzt auch wegen des Verdachts des Mordes in U-Haft. Nicht ganz auszuschließen ist nach Einschätzung von Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission, ein geplanter, erweiterter Suizid der psychisch offensichtlich schwer angeschlagenen Tine K., die sich mit Selbstmordgedanken trug und ihre Mutter nicht finanziell ruiniert zurücklassen wollte.

Dorita Plange, Jacob Mell

Schulden als Tatmotiv?

Karin K. (70) war in jungen Jahren eine Schönheit. Sie heiratete jedoch nie. Als gelernte Versicherungskauffrau und spätere Verkäuferin bei einem Juwelier am Marienplatz war sie in der Lage, ihr Kind allein aufzuziehen. Und sie war sehr stolz auf ihre Tine: Die war eine gute Fotografin geworden, arbeitete als Fotochefin bei zwei großen Männer- bzw. Modemagazinen, schrieb Kochbücher und machte sich mit einer Fotoagentur im Lehel selbstständig.

Im fünften Stock dieses Hauses in der Fasanenstraße in Unterhaching lebten Mutter und Tochter sehr zurückgezogen.

Doch das war auch der Anfang vom Ende: Die Agentur ging pleite. Tine musste ihre Wohnung aufgeben und zog vor einigen Jahren zur Mutter in deren Zwei-Zimmer-Eigentumswohnung nach Unterhaching. Doch die Gläubiger verlangten von ihr Geld. Um der verzweifelten Tochter zu helfen, willigte Karin K. ein, ihre kleine Eigentumswohnung in der Fasanenstraße mit einer Grundschuld von 25 000 Euro zu belasten. Tine versprach, die Raten zu zahlen. Zu spät merkte die Mutter, dass ihre Tochter diese jedoch nicht bezahlt und sie hintergangen hatte. Da drohte bereits die Zwangsversteigerung. Karin K. fiel aus allen Wolken, lebte sie doch selbst nur von einer kleinen Rente. Im letzten Moment sprang schließlich Karin K.‘s Jugendfreundin ein. Sie zahlte die 25 000 Euro und rettete den Frauen damit die Wohnung. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter war danach allerdings sehr angespannt – das Mordmotiv?

jac/dop

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