Stuttgarter Firma in Unterhaching am Werk

„Park-Abzocke“? Kunde ist wütend über Strafzettel - 30 Euro obendrauf nach Einkauf

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Auf solchen Tafeln werden Kunden im Unterhachinger Gewerbegebiet detailliert auf die Parkscheiben-Pflicht hingewiesen

Mit dem Auto zum Einkaufen? An sich sollte das kein Problem sein. Doch in Teilen des Unterhachinger Gewerbegebiets am Grünwalder Weg lauern Tücken.

Unterhaching – „Zeit fürs Wesentliche“: Unter diesem Motto preist die bundesweit agierende „Park & Control GmbH“ aus Stuttgart auf ihrer Webseite „professionelle Parkraumlösungen“ an, damit Läden sich „aufs Kerngeschäft konzentrieren“ können. Etwaigen Falschparkern auf der Spur ist die Firma in Unterhaching im Bereich des Karl-Hermanns-Wegs und des Grimmerwegs, wo sich diverse Geschäfte angesiedelt haben: Asmo-Küchen, Fressnapf, Dänisches Bettenlager; Shoes4you, Deichmann, Bienen-Apotheke, mister*lady, Alnatura sowie die Kleidungsläden Adler und Takko. Kostenlose Kundenparkplätze gibt es reichlich, aber: Wer keine Parkscheibe einlegt, wird zur Kasse gebeten.

Widerspruch gegen die Zahlungsaufforderung ohne Erfolg

Diese unliebsame Erfahrung hat Deni Nakaten aus Taufkirchen gemacht, als er kürzlich ein Paar Schuhe kaufen wollte. Weil zur „Tatzeit“ um 12.55 Uhr der Parkplatz nahezu leer war, verzichtete der Taufkirchner auf die Parkscheibe. Und bekam prompt die teure Quittung: Unter der „Vorgangsnummer 21986466“ monierte die Park & Control GmbH einen „Park- bzw. Benutzungsverstoß auf der Parkierungsanlage“ und verlangt seitdem eine Vertragsstrafe in Höhe von 30 Euro.

Ein Vorgang, der Deni Nakaten auf die Palme bringt. Denn: „Ich war zur fraglichen Uhrzeit nachweislich Kunde, kann das anhand meiner Einkaufsrechnung belegen. Aus meiner Sicht liegt deshalb kein Benutzungsverstoß vor – die Parkplätze sind ja für Kunden da. Und der war ich.“

30 Euro Strafe, obwohl er Kunde war

Also legte er Widerspruch ein gegen die Zahlungsaufforderung. Ohne Erfolg, die Parkkontrolleure aus Stuttgart verlangen die 30 Euro. Eine Summe, auf die in den AGBs an den Einfahrten zum Parkplatz hingewiesen wird – allerdings auf großen blauen Tafeln in klitzekleiner Schrift. „Aus dem Auto heraus nicht leserlich“, moniert Deni Nakaten, dem es zudem ums Prinzip geht: „Ich finde es unverschämt, dass ich 30 Euro bezahlen soll, obwohl ich nachweislich Kunde war. Das kann ich nicht nachvollziehen.“

Auch ans Schuhgeschäft, wo er eingekauft hatte, wandte sich der Taufkirchner, erhielt aber keine nennenswerte Hilfe. Man sei nur Mieter der Geschäftsräume, die Parkraumüberwachung sei vom Eigentümer veranlasst worden. Tun könne das Schuhgeschäft also nichts, hieß es. Und, wörtlich: „Für Ihren speziellen Fall wünschen wir Ihnen alles Gute!“ Deni Nakaten empfindet das als „merkwürdiges Verhalten: Mir viel Glück zu wünschen, mehr aber auch nicht.“

Aus dem Rathaus heißt es: „Uns sind die Hände gebunden“

Im Unterhachinger Rathaus sind Fälle wie die von Deni Nakaten durchaus bekannt. Früher hätten offenbar Pendler, die zum 750 Meter entfernten S-Bahnhof Taufkirchen wollten, ihre Autos regelmäßig den ganzen Tag

über auf den Kundenparkplätzen abgestellt. „Das war die Initialzündung, eine Parkraumüberwachung einzuschalten“, sagt Rathaus-Sprecher Simon Hötzl auf Nachfrage des Münchner Merkur. Allerdings sei diese Initiative vom Vermieter der Gewerbefläche ausgegangen, nicht von der Gemeinde: „Uns sind die Hände gebunden – da es sich um Privatgrund handelt, können wir nichts tun.“

Rechtlich sei diese Praxis an sich „nicht zu beanstanden“, aber trotzdem „ein sensibles Feld“ wegen der möglicherweise (zu) schlecht erkennbaren AGBs. Inzwischen freilich weist die Park & Control GmbH geradezu inflationär auf die Parkscheibenpflicht und eine maximale Parkdauer von drei Stunden hin.

Park & Control GmbH bleibt hart

Deni Nakaten hat als Kompromiss angeboten, die sieben Euro Verwaltungsgebühr zu übernehmen – die Park & Control GmbH indes bleibt hart und teilte mit, dass sich „auch nach nochmaliger Überprüfung der Sachlage für uns kein anderer Sachverhalt ergeben hat“.

Verärgerten Kunden wie Deni Nakaten gibt Simon Hötzl aus Sicht der Gemeinde grundsätzlich zwei Ratschläge: „Erstens gibt es eine einfache Lösung – immer eine Parkscheibe einlegen und sich insofern regelkonform zu verhalten. Zweitens gäbe es sicher auch andere Formen der Parkraumkontrolle – um dies zu erwirken, müsste aber Druck von den Geschäften auf den Vermieter ausgehen, der „Park & Control“ engagiert hat. Je mehr Kunden sich in den jeweiligen Geschäften beschweren, desto eher werden sie Gehör finden.“

Schon im Oktober 2017 hatte im Gemeinderat übrigens Grünen-Chefin Claudia Köhler vor „Park-Abzocke“ gewarnt und dies als „geschäftsschädigende Methoden“ kritisiert. Die würden schlimmstenfalls zum Bumerang, wenn verärgerte Kunden bestimmte Geschäfte in Zukunft meiden und dies den Einzelhandel in Unterhaching schwäche.

Klar, Einparken ist oft nicht so leicht - wenn die Lücke eng ist oder die Verkehrssituation knifflig. Und wenn nicht? Wir präsentieren: den vielleicht schlechtesten Parker Deutschlands. Aufgenommen vom Fürstenfeldbrucker Tagblatt. 

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