Ein Film, der ans Herz geht

OEZ-Amoklauf: Unterhachinger Schüler drehen Doku-Drama

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Die Unterhachinger Filmemacher v.l. Paul Schweller, Leon Golz, Alexander Spöri, Luca Zug und Julian Heiß.

Unterhaching - Eine Reihe junger Filmemacher aus Unterhaching dreht eine Dokumentation über den Amoklauf am OEZ im vergangenen Sommer. Auch Angehörige der Opfer kommen zu Wort.

Sie werde das „nie abhaken können“, sagt Margareta Zabergja. Beim Amoklauf am 22. Juli 2016 ist ihr Bruder Dimo von David S. vor dem Olympia-Einkaufszentrum erschossen worden. „Ich will, dass das nie in Vergessenheit gerät“, sagt Margareta Zabergja. Aufgezeichnet haben diese Worte Unterhachinger Filmemacher. Auch sie wollen, dass die Tat, dass die Opfer im Gedächtnis bleiben. „Unvergessen“ soll ihr Dokumentarfilm heißen – über die Menschen, die bei dem Amoklauf ihr Leben verloren haben.

Die meisten Opfer waren noch sehr jung – etwa so alt wie Alex Spöri, Luca Zug, Julian Heiß, Colin Maidment, Paul Schweller und Leon Golz. Die sechs Schüler aus Unterhaching haben sich auch deshalb zu der Dokumentation entschlossen. „Wegen unseres Alters haben wir eine besondere Sicht auf die Verstorbenen“, sagt Regisseur Luca Zug (16). „Unsere Generation hat ähnliche Ziele, ähnliche Leben.“

Der Ring der Erinnerung: Das ist das Denkmal für die Amoklauf-Opfer

Nach drei Monaten Recherche und zahlreichen Vorgesprächen sind die Schüler im Moment mitten in der Drehphase. In nachgestellten Szenen will das Filmteam die Leben der Verstorbenen nachzeichnen. Dazu arbeiten sie mit Schauspielern des Residenztheaters zusammen. Außerdem führen die Jungs Interviews mit Angehörigen und Helfern.
Und am wichtigsten sei den Jugendlichen dann auch das Gespräch mit Margareta Zabergja gewesen. Dieses Interview ging den jungen Filmemachern doch sehr nahe.

Dinos Schwester Margareta spricht jetzt in einem Dokufilm.

Kameramann Paul Schweller erzählt, dass Margareta Zabergja bei manchen Fragen zögerte, bevor sie antworten konnte. „Da ist mir ganz anders geworden“, sagt Paul. Trotzdem: Einen „Tränendrüsenfilm“ wollen die Schüler nicht machen. Unterstützung bekommen die Jugendlichen von Sponsoren, vom Medienzentrum München, wo sie sich Kameras und Mikrofone ausleihen können. Und von Filmer Rodney Sewell, der ihnen sein Studio zur Verfügung stellt. Im Sommer soll der Film fertig sein. Die Jungs wollen das „Doku-Drama“, wie sie das Projekt nennen, bei der Gedenkfeier zum Jahrestag des Amoklaufs zeigen. 

Mit einem Film über Lehrer fing alles an

Obwohl die Schüler gerade mal zwischen 15 und 17 Jahren alt sind, machen sie schon seit mehreren Jahren zusammen Filme. Mit einem Abschiedsfilm für ihre Grundschullehrerin fing alles an, weitere Projekte folgten. Die Jungs haben keine Angst vor schwierigen Themen: Dokus über die NSA, das Bildungssystem und das Attentat von Olympia 1972 haben sie schon veröffentlicht. Das Team tritt unter dem Namen MovieJam als Produktionsfirma auf. Die Aufgaben vom Produzenten über den Regisseur bis zum Kameramann haben sie sich aufgeteilt: Sie produzieren den gesamten Film selbstständig. Gedreht und geschnitten wird nach der Schule und, wenn es sein muss, auch mal zur Unterrichtszeit. Alle haben Praktika bei Produktionsfirmen absolviert, doch das meiste haben sie sich selbst beigebracht.

Dimo Zabergja wurde beim Amoklauf erschossen.

Amoklauf am OEZ: Viele fragen immer noch nach dem Warum

Judith Issig

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