Mädchen aus Foto-Lovestory beschimpft

Lohhof-Zicken aus "Bravo Girl": So sind sie wirklich

Unterschleißheim - Sandra Ittlinger und Yanina Weiland sind rund um Lohhof so etwas wie Stars. Die Foto-Lovestory in "Bravo Girl" machte es möglich. Doch der Ruhm ist nicht nur positiv behaftet.

Dass dieser Typ in Kempten Sandra kürzlich „bitch" nannte, ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Bei jedem Turnier kommen sie an, die Volleyball-Kollegen, manchmal ein Heft der „Bravo Girl" in der Hand. Dann kommen die nicht zitierfähigen Sprüche.

Und das Stigma, das schlimme, es reicht ja noch viel weiter. „Wir haben schon Angst, dass uns kleine Kinder in der U-Bahn beschimpfen, weil wir die Bösen waren“, sagt Sandra im Scherz - aber auch ein wenig genervt. Das Fiese: Niemand hat sie vorher gewarnt.

Das Stigma? Die Bösen? Für Klarheit sorgt das Magazin „Bravo Girl“, Heft Nummer 15, Rubrik: Foto-Lovestory. Sandra Ittlinger und Yanina Weiland, beide Volleyballerinnen beim SV Lohhof, beide 18, sind darin zu sehen. Zum Titel „Er liebt mich, er liebt mich nicht“ intrigieren sie mit, sagen wir, ausdrucksstarker Mimik frontal in die Kamera. Das Shooting war schon im Mai, vermittelt durch Roland Höfer vom Bayerischen Volleyball-Verband. Nicht irgendwo, sondern mitten auf dem Center-Court am Herrschinger Seewinkel, unter den Blicken zahlloser Volleyballer. Dass das schnell die Runde machte, darf nicht wundern. „Lustig war’s, aber auch ein bisschen peinlich“, sagt Yanina.

Lassen wir uns kurz auf die „story“ ein: Da gibt’s das nette „girl“, Nadja, das auf einen „heißen boy“, Alex, steht. Sie treffen sich bei einem Beach-Turnier. Dumm nur, dass da auch unsere zwei fiesen „bitches“ - so werden sie nunmal genannt - auftauchen, derer eine, unsere Yanina, alias Mara, die Ex des „boys“ ist. Darauf wird „voll krass abgelästert“ und intrigiert. Am Ende wird alles gut. Alex gesteht Nadja seine Liebe, sie küssen sich, und Mara muss - Sprechblase: „grrr“ - angenervt zusehen.

Flache Handlung, schnell erzählt. Nicht gerade das, was die 18-Jährigen selbst noch lesen würden. Aber warum nicht mitmachen? Es würde ein einfacher Nachmittag werden. Auf dem Center-Court würden sie eh sein, wegen eines Turniers. Dann: „Schnell ein paar Fotos, 150 Euro kassieren und gut“, sagt Sandra. Denkste. Aus dem Turnier flogen sie tags zuvor schon raus, fuhren also extra wegen des Shootings nach Herrsching. Und blieben da, den ganzen Nachmittag.

Erst das Schminken, von dessen Ergebnis Yanina nicht ganz angetan war: „Wir sahen aus, als wären wir in den Schminktopf gefallen.“ Dann warten, zuschauen - erstmal kamen die netten „girls“ aufs Foto. Zeit, kurz in die Bücher zu schauen, denn die beiden Lohhofer Volleyballerinnen hatten tags drauf mündliche Abitur-Prüfungen. Die eine Sport, die andere Spanisch. Und dann, ja dann waren sie an der Reihe. Die Geschichte kannten sie nur ganz grob, die Texte, die sie im Heft in die Sprechblase zicken, schon gar nicht. Nachgedichtet von der „Bravo“-Redaktion. Aber egal, wer braucht schon Text. Beim Fotoroman kommt’s auf die Bilder an.

Die entstanden so: Einer aus dem Foto-Team zeigte den Mädels, was sie zu tun hatten. Hand vor den Mund, Augen aufgerissen: Überraschung. Arme über Kreuz, dösiger Schattenblick: Arroganz. Der andere knipste. Eine der größten Herausforderungen für die beiden: nicht zu lachen. „Ich musste mich ganz schön zusammenreißen“, sagt Yanina. Vor den ganzen Zuschauern, den wartenden Teams, die ganz gerne ihr Turnier weitergespielt hätten. „Zwischendurch waren wir ganz schön angepisst“, sagt Yanina. Der gefühlte Höhepunkt: Als sie dem Lustobjekt Alex einen Kuss auf die Wange drücken musste. War jetzt nicht unangenehm. Oder ums mit Sandra zu sagen: „Ach, keine Ahnung, wir haben’s einfach gemacht.“

Der erste Blick ins fertige Heft trieb beiden nicht gerade die Schamesröte ins Gesicht. Aber wundern mussten sie sich schon. Dass kleine Mädels darin Worte wie „Schlampe“ lesen. Egal. Ein bisschen Werbung für den Volleyball, höchst erfreute Mütter, die sich das Heft nach Erscheinen sofort kauften und seither rumreichen. Mit dem Abi lief’s auch. Und sagen wir so: Spätestens, wenn sie sich zum Studium nach Berlin verkrümeln, dürfte das Stigma, das schlimme, ein Ende haben.

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