“Ging zu wie auf dem Highway“

Notbremsung wegen Betonplatten auf Gleis: Drei Kinder als Täter festgestellt - Polizei komplett verblüfft

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An dieser Stelle hat der Unbekannte die Abdeckplatte entfernt.

Vor zwei Wochen wurden in Unterschleißheim Betonplatten auf Bahngleise gelegt Sie machten eine Notbremsung nötig. Jetzt wurden die Täter ermittelt - es sind noch Kinder.

Update vom 28. März 2019, 11.55 Uhr: Durch Überwachungsmaßnahmen und den Einsatz besonderer technischer Hilfsmittel an der Tatortörtlichkeit konnten am 19. März drei Kinder erkannt werden, die Steine auf die Schienen legten. Bei den weiteren Ermittlungen gelang es, die drei, die in der Nähe wohnen, zu identifizieren. Mittlerweile gab es mit den einmal zehn und zweimal zwölf Jahre alten Schülern im Beisein ihrer Erziehungsberechtigten Präventionsgespräche zu den Gefahren im Bahnbetrieb. Es stellte sich heraus, dass sich die drei nicht bewusst waren, in welche konkrete Gefahr sie sich begeben hatten.

Ausgewertete Bilder vom 19. März zeigten, dass einer der drei beim Steine auflegen inmitten der beiden Gleisstränge saß. Alle drei zeigten sich einsichtig und versprachen, auch unter dem Eindruck der ihnen gezeigten Bilder, derartiges künftig zu unterlassen. Zwei der drei „Tatverdächtigen“ räumten ein, für die Vorfälle am 8. und 9. März verantwortlich gewesen zu sein. Als die Eltern von den Geschehnissen erfuhren, waren sie von der „Freizeitgestaltung“ ihrer Jungs überrascht; ob der sich ausgesetzten Gefahren sogar sichtlich entsetzt!

Die drei Kinder sind noch strafunmündig, können wir für ihr Verhalten nicht bestraft werden. Trotzdem kann die Deutsche Bahn von den Erziehungsberechtigten ihr entstandene Kosten auf zivilrechtlichem Wege einfordern. Überrascht waren auch die ermittelnden Bundespolizisten bei der Auswertung der Überwachungsbilder: „Unfassbar, teilweise ging es an dem wilden Bahnübergang zu wie auf einem Highway“ lauteten ihre Erkenntnisse. Die Deutsche Bahn hat in Gesprächen mit der Bundespolizei in Aussicht gestellt, die Stelle mit Grünzeug zu „verbauen“ um diesen Trampelpfad zu entschärfen. Die Bundespolizei möchte sich insbesondere auch bei den Anwohnern bedanken, die zum Teil Hinweise auf mögliche Tatverdächtige gaben bzw. bei jenen, die die Verbauung technischer Hilfsmittel unterstützten.

Die Münchner Bundespolizei weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Bahnanlagen nur an den dazu vorgesehenen Stellen überschritten werden dürfen. An der Stelle zwischen Unter- und Oberschleißheim ist es weniger eine Abkürzung für S-Bahn-Reisende, sondern vielmehr eine beliebte Strecke für Jogger und Hundebesitzer. Seien Sie als Erwachsene Vorbild, denn Kinder können die Gefahren des Bahnbetriebes selbst meist nicht einschätzen.

Unterschleißheim - Gegen 16.15 Uhr erkannte der Triebfahrzeugführer des Regionalexpresses, der von Nürnberg Richtung München unterwegs war, zwischen Unter- und Oberschleißheim eine auf den Gleisen liegende Betonplatte. Er leitete eine Schnellbremsung ein. Der Zug, in dem sich rund 200 Reisende befanden, überfuhr das Hindernis und kam erst rund 400 Meter dahinter zum Stehen. Laut Bundespolizei wurde niemand verletzt.

Betonplatte auf Gleise gelegt: Erhebliche Verzögerungen im Fahrtenablauf

Nach ersten Erkenntnissen legte ein bislang unbekannter Täter eine Abdeckplatte eines Kabelschachtes auf das Gleis. Die Bahnstrecke Regensburg-München war in beiden Richtungen für rund eine Stunde für den kompletten Bahnverkehr gesperrt. Dadurch kam zu erheblichen Behinderungen, unter anderem auch im S-Bahnverkehr der S1. Der Unfallzug konnte zum S-Bahnhaltepunkt Oberschleißheim fahren. Dort mussten alle Reisenden den Regionalexpress verlassen und ihre Fahrt mit anderen Zügen fortsetzen.

Unbekannter gefährdet Bahnpassagiere: Polizei ermittelt

Die Beschädigungen am Zug sind derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen. Ebenso die Höhe des Sachschadens. Der Ereignisort liegt direkt an einem „wilden“ Bahnübergang, am Südrand von Unterschleißheim in direkter Nähe zu Hochhäusern, der stark genutzt wird. Bereits am Freitag hatte ein Zug gegen 15 Uhr an der selben Örtlichkeit eine Betonplatte überfahren. Der Zug wurde nicht beschädigt. Er konnte seine Fahrt fortsetzen. In beiden Fällen wurden Ermittlungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet.

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kah

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