Behörde schaltet sich ein

Vater prangert an: Massive Missstände an Montessori-Schule

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Geist der Schule: Die Einrichtung folgt einem alternativen pädagogischen Konzept. Beim Unterschleißheimer Faschingsumzug präsentierten die Schüler einen Schul-Geist, den sie selbst gebastelt haben.

Kein Physik- und Religionsunterricht. Aushilfen erfüllen Lehreraufgaben. Ein Vater prangert Chaos an der Montessori-Schule in Unterschleißheim an. Die Schulaufsichtsbehörde stimmt ihm zu.

Unterschleißheim – Die Clara-Grunwald-Montessori Unterschleißheim muss sich einige Kritik gefallen lassen. In einem Bericht der Regierung von Oberbayern ist von „verschiedenen Missständen“ die Rede. Demnach würden etwa pädagogische Hilfskräfte „beträchtliche Anteile des Unterrichts“ halten. Diese seien dazu aber keinesfalls berechtigt. Die Prüferin hat außerdem Defizite in allen Jahrgangsstufen festgestellt, was die Pflichtstunden betreffe. In der siebten Jahrgangsstufe würde die Schule die Fächer Physik, Chemie und Wirtschaft überhaupt nicht anbieten, heißt es in dem Bericht, der dem Münchner Merkur vorliegt. Auch konfessioneller Religionsunterricht, der in Bayern vorgeschrieben ist, fehle im Stundenplan. Mehr als 100 Kinder und Jugendliche lernen in der Einrichtung in gemischten Jahrgangsklassen.

Regierung fordert: Missstände schnellstmöglich beseitigen

Bei der Schule möchte man sich zu den Details des Berichts nicht äußern. Nur so viel: „Wir haben sehr turbulente Zeiten hinter uns“, sagt Charlotte Hirth, die seit einigen Monaten im Vorstand des Trägervereins sitzt. Der Verein habe eine neuen Führungsriege, die Schule eine neue Leiterin. „Wir haben Dinge unreflektiert übernommen. Sind nun aber auf einem guten Weg.“ Man strukturiere intern um und gehe die Dinge im Dialog mit der Regierung an.

Die Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde hat die Schule aufgefordert, konkrete Maßnahmen umzusetzen. In Zusammenarbeit mit der Schule und dem Schulamt werde man darauf hinwirken, „bestehende Missstände schnellstmöglich zu beseitigen“, sagt Regierungspressesprecher Martin Nell auf Anfrage.

Schulschließung? So weit ist es noch lange nicht

Charlotte Hirth ist im Vorstand des Montessori-Vereins.

Es sollen etwa Gruppen zusammengelegt werden, um die Pflichtstunden einzuhalten. Darüber hinaus hat die Schule Kontakt mit Kirchen aufgenommen und Stellen ausgeschrieben, um den Religionsunterricht sicherzustellen. Auf der Homepage findet man eine entsprechende Stellenanzeige. Demnach sucht die Schule nach Religionspädagogen für evangelische und katholische Religion. „Die Regierung von Oberbayern wird diese Maßnahmen zeitnah überprüfen und bei einem weiteren Termin vor Ort kontrollieren“, so Martin Nell. Erst wenn „massive Missstände“ nicht beseitigt würden, könne die Regierung die Schule schließen lassen. „Dies erscheint in diesem Fall aber nicht erforderlich.“

Die Prüferin der Regierung hat die Schule Mitte Januar besucht. Ihre Mängelliste ist lang. Demnach würden montags und mittwochs pädagogische Zweitkräfte verschiedene Klassen mehrere stundenlang unterrichten. Diese dürften aber nur zusätzlich in den Klassen arbeiten. Neben den fehlenden Pflichtstunden gibt es auch Beanstundungen im Bereich Ganztagsangebot. Demnach bezieht die Schule eine staatliche Förderung für zwei offene Ganztagesgruppen bis 16 Uhr. Allerdings hat die Prüferin in den Teilnehmerlisten nur die Hälfte der dafür erforderlichen Schüler gefunden. „Eine etwaige Rückforderung der für die zweite Ganztagsgruppe erhaltenen Fördermittel wird geprüft“, heißt es in dem Bericht. Charlotte Hirth sagt, manche Kritikpunkte, die im Bericht aufgelistet werden, habe man in Rücksprache mit der Regierung bereits entkräften können.

Vater: Unverantwortlich, die Schüler so für den Abschluss vorzubereiten 

Ein Vater ehemaliger Schüler, der bis Juli 2016 im Vorstand saß, hat die Regierung auf die Situation in der Schule aufmerksam gemacht. „Es geht mir darum, dass die Missstände aufgedeckt werden“, sagt der Vater, der anonym bleiben möchte. Den Verantwortlichen der Einrichtungen müsse klar sein, dass sie Lehrpläne einhalten. Es sei unverantwortlich, die Schüler so auf die Abschlussprüfung vorzubereiten. Außerdem zahle er monatlich mehr als 300 Euro für die Privatschule.

Hirth dagegen weist den Vorwurf zurück, dass die Kinder und Jugendlichen nicht richtig auf die Prüfungen vorbereitet würden. Viele Kindern hätten hervorragend abgeschlossen. „Insofern haben wir keine Probleme.“ Außerdem gebe es viele Eltern, die mit der Arbeit der Einrichtung vollkommen zufrieden seien. Das zeigten auch die Bewerberzahlen für die ersten Klassen. Laut Hirth gibt es fast doppelt so viele Interessenten wie Plätze.

Der Vater gleichwohl hat seine Kinder im vergangenen Jahr von der Schule in Unterschleißheim genommen und auf eine andere Montessori-Einrichtung geschickt. Andere Familien hätten dasselbe getan, sagt er. Er sei weiterhin überzeugt von dem pädagogischen Konzept. „Bloß wo Montessori draufsteht, sollte auch Montessori drin sein.“

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