Vor den Toren Münchens

Dieses Einkaufszentrum stirbt einen langsamen Tod

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Ein wenig Leben haucht dem Einkaufszentrum unter anderem der Edeka-Markt ein. Doch im April ist damit Schluss

Mitten in Unterschleißheim stirbt das Einkaufszentrum einen langsamen Tod. Für ältere Menschen, die auf einen Supermarkt im Zentrum der Stadt angewiesen sind, könnte das zum Problem werden.

Unterschleißheim – Das Ablaufdatum für die Nahversorgung mitten in Unterschleißheim naht. Edeka schließt seine Filiale im heruntergewirtschafteten Isar-Amper-Einkaufszentrum (IAZ) Ende April. Damit verlieren die Anwohner rund um das Rathaus die letzte Möglichkeit, in unmittelbarer Nähe alle Lebensmittel des täglichen Bedarfs in einem Markt zu kaufen. Ob in der kurzen Zeit ein neuer Einzelhändler gefunden werden kann, ist derzeit unklar.

Es herrscht Stillstand im Herzen Unterschleißheims. Bürgermeister Christoph Böck (SPD) weiß, wie bedeutend der Standort ist – für die Einwohner, aber auch für den Ruf der größten Stadt des Landkreises. Er will zusammen mit dem IAZ-Investor und -Miteigentümer, dem Grünwalder Unternehmen „Rock Capital“, eine Zwischenlösung suchen für die Nahversorgung im Zentrum, bis das neue Einkaufszentrum steht. Laut „Rock Capital“ werden bereits intensive Gespräche mit anderen Nahversorgern geführt. Böck sagt, ob ein möglicher Nachfolger die gleichen Räume nutzt wie jetzt Edeka oder woanders unterkommt, sei abzuwarten. Und auch, ob man überhaupt jemanden finde. „Aber wir wollen nichts unversucht lassen.“

Ein echtes Problem für ältere Menschen

Insbesondere für ältere Menschen, die im Zentrum wohnen, wäre es ein schwerer Verlust. Sie sind auf einen Supermarkt in Zentrumsnähe angewiesen. Penny, Aldi, Lidl, Kaufland, sie alle befinden sich eher am Stadtrand und sind damit schlecht zu Fuß zu erreichen. Zwar erwägt man vonseiten der Stadt, auf dem Esso-Gelände in der Bezirksstraße ein Gebäude mit Einzelhandel und Wohnungen zu errichten. Das Projekt befindet sich allerdings noch in den Kinderschuhen – ein Stadtratsbeschluss fehlt. Die Umsetzung dauert daher noch Jahre.

„Das ist ein echtes Problem“, sagt die Seniorenbeauftragte der Stadt, Sonja Lehnert. Wer kein Auto hat, muss mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Einkaufen fahren. Bei zehn Fahrten im Monat sei man fast 30 Euro los, sagt Lehnert. Zu viel etwa für Rentner, die monatlich nicht mehr als 800 Euro zur Verfügung haben, findet sie. Lehnert fordert: „Eine Zwischenlösung für die täglichen Grundbedürfnisse muss her.“ Etwa ein kleiner Laden, in dem man Dinge wie Milch oder Klopapier kaufen kann.

Edeka wollte schon lange raus aus dem IAZ

Dass Edeka irgendwann dichtmachen wird, war klar. Der Einzelhändler wollte bereits vor einigen Jahren raus aus dem ungeliebten IAZ. Im Frühsommer 2016 hatte Böck Edeka dazu bewegen können, die Schließung der Filiale zu verschieben – auch weil der Eigentümer der Flächen weniger Miete verlangte. Doch diesmal ist ihm das nicht geglückt – trotz „eindrücklichen Appells“ an Edeka, wie Böck sagt. Ein Grund könnte gewesen sein, dass sich beim Einkaufszentrum nichts verbessert hat. Die meisten Geschäftsinhaber sind weg. Geblieben ist der Leerstand. Das einst belebte Einkaufszentrum verfällt mehr und mehr.

Im sozialen Netzwerk Facebook wird die Schließung von Edeka in der Unterschleißheim-Gruppe rege diskutiert. Klaus Bujok. der Initiator der Gruppe, schreibt: „War doch abzuwarten. Zu alt, überall Leerstand und defizitär. Aus kaufmännischer Sicht bleibt doch nur die Schließung. Schlimm, aber nicht zu ändern. Vielleicht wird das IAZ jetzt endlich erneuert.“

Das Isar-Amper-Einkaufszentrum (IAZ) in Unterschleißheim stirbt einen langsamen Tod. In vielen Geschäften sind längst die Lichter ausgegangen, sind die Schaufenster schon lange leer geräumt.

Gleichwohl fehlt derzeit die Vorstellung, wie das IAZ und damit auch Unterschleißheims Mitte, einmal aussehen sollen. Zwei Eigentümer im IAZ und „Rock Capital“ können sich bisher nicht über einen Verkauf einigen. Das Immobilien-Unternehmen aus Grünwald will seine Pläne erst vorlegen, wenn alle alten Mieter und Eigentümer draußen sind. „Einen Bauantrag für die neue Planung können wir erst dann offiziell bei der Stadt einreichen, wenn wir Eigentümer des gesamten Objekts geworden sind“, so Christian Lealahabumrung, Geschäftsführer von „Rock Capital“.

Was wird aus dem Postgrundstück?

Hinzu kommt: Die Stadt möchte das gesamte Areal neugestalten. Dazu zählt auch das Postgrundstück. Es gehört Robert Müller, Inhaber der Rathaus-Apotheke. Theoretisch könnten sich er und „Rock Capital“ in die Quere kommen, zum Beispiel, wenn beide einen Lebensmittelmarkt planen. Lealahabumrung sagt, er könne sich eine gemeinsame Planung mit dem Postgrundstück gut vorstellen. „Dort könnte aus unserer Sicht ein Ärzte- und Gesundheitshaus entstehen.“ Bürgermeister Böck nimmt beide Eigentümer in die Pflicht. „Es braucht jetzt Zusammenarbeit, um eine gemeinsame Lösung zu finden“, sagt er. Die Gesamtplanung wolle man nun konkret angehen.

Auf Facebook gerät auch Böck in die Kritik. Vor dem Hintergrund, dass sich die Verhandlungen zwischen „Rock Capital“ und den verbliebenen Eigentümern schon so lange ziehen, ist von einer „niemals endenden Geschichte“ die Rede. Böck hingegen sagt, die Neugestaltung gehe nicht von heute auf morgen. Immerhin versuche man gerade, den „Geburtsfehler des IAZ“ zu beheben. Dieser sei gewesen, ein Einkaufszentrum mit 70 Eigentümern zu bauen. „Wie soll man sich da einigen?“

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Mega-Mall: Das ist das größte Einkaufszentrum der Welt

Video: Glomex

Lesen Sie hier: Warum beim Einkaufszentrum in der Lindenpassage in Taufkirchen Stillstand herrscht.

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