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„Will weg von billig, billig, billig“: Oberbayer (25) plant Unverpacktladen - mit speziellem Konzept

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Von: Elke Robert

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Michael Wühr setzt seine Idee aus der Vor-Coronazeit um und hofft, bald seinen Unverpacktladen öffnen zu können.
Michael Wühr setzt seine Idee aus der Vor-Coronazeit um und hofft, bald seinen Unverpacktladen öffnen zu können. © Hans-Helmut Herold/Collage

Zwei Stichworte sind Michael Wühr wichtig: Nachhaltigkeit und plastikfrei. Der Schongauer möchte mitten in der Altstadt einen Unverpacktladen eröffnen, aber sein Konzept beinhaltet noch mehr.

Schongau – „Hier entsteht etwas ganz Besonderes“ steht in großen Lettern am Schaufenster am Marienplatz in Schongau. Nachdem Franz Köpf sein Elektro-Geschäft dort geschlossen hatte, standen die Räumlichkeiten lange leer, zuletzt hatte die Marienapotheke dort ein Testzentrum betrieben. Nun ist Michael Wühr dabei, endlich eine Idee aus der Vor-Corona-Zeit umzusetzen, die er auch schon beim Schongauer Wirtschaftsempfang 2021 vorgestellt hatte: den Unverpacktladen „Herr Lose“ samt Café.

Bald Unverpacktladen in Schongau: Sortiment soll weitgehend lose an Kunden abgegeben werden

Wie der Name schon sagt, soll das gesamte Sortiment – zumindest fast – lose an den Kunden abgegeben werden, also ohne Umverpackung. Vermieden werden soll damit nicht nur Verpackungsmüll, durch den bewussten, gezielten Einkauf könne auch der Lebensmittelabfall verringert werden. „Ich will weg von billig, billig, billig“, erklärt der Schongauer, der sich selbst scherzhaft einen „kleinen Weltverbesserer“ nennt.

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Ihm habe das Konzept der Unverpacktläden schon immer gut gefallen, das nicht nur in großen Städten gut läuft, sondern mittlerweile auch in kleinen Städten angekommen sei – warum also nicht auch in Schongau. Die Kunden bringen ihre leeren Verpackungen selbst mit, das Leergewicht wird am Ende an der Kasse wieder abgezogen. Notfalls stellt Wühr Mehrweggläser zur Verfügung.

Neuer Unverpacktladen: Gründer will „weltweit den Plastikmüll verbannen“

„Ich habe die Vision, weltweit den Plastikmüll zu verbannen“, so der 25-Jährige, der nach dem Abitur zunächst begonnen hatte, Landwirtschaft zu studieren, das Studium aber abbrach. Der leidenschaftliche Musiker – Wühr spielt Tenorhorn und Posaune in der Schongauer Stadtkapelle – entschied sich stattdessen für eine Ausbildung im Musikhaus Kirstein als Groß- und Außenhandelskaufmann.

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Daniela Puzzovio sei die richtige Ansprechpartnerin gewesen bei der Stadt, die Vizebürgermeisterin habe den Kontakt zum Vermieter hergestellt, der sehr aufgeschlossen sei, was sein Vorhaben anbelangt. „Er findet die Idee super“, freut sich Wühr. „Und ehe ich michs versah, hatte ich unterschrieben.“

Eröffnung von Unverpacktladen verschiebt sich weit in Herbst hinein

So schnell, wie es sich der Schongauer vorstellt, geht es nun letztlich doch nicht, statt der angedachten Eröffnung noch im September könne es eventuell November werden, schätzt er. Noch sind die Handwerker dabei, die 240 Quadratmeter-Fläche in das Laden-Café zu verwandeln. „Der Trockenbauer ist langsam durch, der Installateur auch, aber der Elektriker hat noch viel zu machen“, zählt Wühr auf. Immer wieder gebe es Lieferschwierigkeiten, jetzt geht es vor allem noch um die Einrichtung und die Elektrogeräte wie Kühlschränke und die Theken.

Das Vorhaben ist groß: Vorne im Eingangsbereich sollen 20 Sitzplätze entstehen. Dann folgen eine Käsetheke, Snacks und Trockengebäck. Anbieten will er nur Produkte, die Biostandards einhalten mit hoher Qualität, eine reine Biozertifizierung sei aber erst einmal zu aufwendig. Vegetarische und vegane Produkte will er ebenso präsentieren wie eine Auswahl an Obst- und Gemüsesorten, aber keine eigene Wurst- oder Fleischtheke. Dafür will er Dinge des täglichen Bedarfs in die Regale stellen, „ich will nicht, dass es an irgendetwas fehlt und dass man nochmal fahren muss“.

Unverpacktladen: Nachhaltigkeitsgedanke steht im Vordergrund

Im Vordergrund stehe immer der Nachhaltigkeitsgedanke. „Ich möchte das Bewusstsein wecken, wie wichtig es ist, sich um die Umwelt zu kümmern.“ Hochwertige Lebensmittel aus der Region Bayern und Teilen Österreichs sollen es sein. Ganz besondere Sachen wie die Eiernudeln vom Hof der Eltern und des Großvaters Honig hat er ebenfalls im Auge.

In Peiting gab es für ein Jahr den Unverpacktladen „Liaba ohne“

Ladenfläche ist zu groß, ein Raum wird abgetrennt zum Beispiel für Seminare

Die Ladenfläche selbst sei erst einmal viel zu groß, schätzt der junge Unternehmer. Ein Raum hinten wird daher abgetrennt und mit einem Beamer ausgestattet. Dort könnten Schulungen oder Seminare abgehalten werden, am liebsten etwas, was thematisch zum Unverpacktladen passt.

Außerdem ist im Erdgeschoss Platz fürs Lager. Im Untergeschoss gibt es Raum fürs Büro und das Personal, denn ganz allein geht es im Laden nicht. Bis zur Eröffnung will Wühr ein kleines Team um sich haben. „Vielleicht brauche ich in der Startphase Unterstützung von Familie und Freunden, aber ich will schauen, möglichst bald unabhängig zu sein.“

Noch ein Plus für die Nahversorgung in Schongau

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