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Auslöser war der Ukraine-Krieg: Unverpackt-Laden schließt - „Es tut in der Seele weh“

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Von: Felix Herz

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Lebensmittel, Kosmetik, Haushaltswaren: Bei Evi Thoma gibt es alle Produkte ohne Plastikverpackung.
Lebensmittel, Kosmetik, Haushaltswaren: Bei Evi Thoma gibt es alle Produkte ohne Plastikverpackung. © Singer

Der Unverpackt-Laden in Gilching hat den Ausverkauf eingeläutet. Bereits vom Mittwoch an gibt es stark reduzierte Ware aus dem Non-Food-Sektor. Spätestens ab November wird das Geschäft aufgelöst.

Gilching – „Es war mein Traum, und es tut in der Seele weh, wenn es nach so kurzer Zeit zu Ende geht.“ Mitte Juli 2020 hatte Evi Thoma mit Unterstützung ihrer Familie an der Pollinger Straße in Gilching den ersten Unverpackt-Laden in der Region eröffnet, nun steht das Geschäft der 48-Jährigen vor dem Aus.

Unverpackt-Laden in Gilching schließt: „ Es war mein Traum, und es tut in der Seele weh“

Dabei sei der Start überraschend gut gewesen, berichtet die gelernte Arzthelferin. „Die ersten eineinhalb Jahre lief der Laden trotz Corona-Krise weit besser, als ich mir es je erträumt hätte“, erzählt Evi Thoma. „Ich habe das Sortiment erweitert, bekam immer neue Kunden und viel Lob. Ich war guter Dinge, dass ich es geschafft habe.“ Der Dämpfer ließ aber nicht lange auf sich warten. Mit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine am 24. Februar begann auch für Evi Thoma und ihre Familie eine Zeit des Kämpfens.

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„Von heute auf morgen blieb die Kundschaft aus. Ab Ostern ging es rapide abwärts. Lediglich meine Stammkunden blieben mir treu und trugen dazu bei, dass ich bis heute durchgehalten habe“, sagt sie. „Die Verluste kann ich aber nicht mehr auffangen. Ab Januar wäre ich sogar gezwungen, die Preise zu erhöhen, weil seitens der Lieferanten bereits extreme Preiserhöhungen angekündigt wurden.“

Unverpackt-Laden muss zusperren: „Nur noch wenige halten durch“

Evi Thoma weiß, dass sie nicht die Einzige ist, die im Bereich Bio und Unverpackt aufhören muss. „Unser Dachverband hat es schon vor Monaten angekündigt. Nur noch wenige halten durch“, sagt sie. Eine Erklärung zu suchen, sei müßig. „Es beruhigt mich, dass ich weiß, dass wir keine Fehler gemacht haben. In Krisenzeiten, wie wir sie derzeit haben, sparen die Menschen halt als erstes an den Lebensmitteln. Der ganzen Branche geht es nicht gut. Ich bin da keine Ausnahme.“ Es gebe einfach zu viele Krisen auf einmal. „Und mir ist durchaus bewusst, dass man uns Unverpackt-Läden nicht wirklich braucht und auch ohne uns auskommt. Da mache ich mir nix vor.“

Trotz melancholischer Gedanken betont Thomas, nichts zu bereuen. „Im Gegenteil, ich bin sehr dankbar, diese tolle Erfahrung gemacht zu haben. Es war mein Traum, und den habe ich verwirklicht.“ Neben einem verständnisvollen Vermieter habe sie auch eine tolle Familie, die sie immer unterstützt habe. „Jetzt werden wir gemeinsam den Ausverkauf organisieren, dann ausräumen und zum Jahresende endgültig schließen. Und dann suche ich mir wieder einen Job als Arzthelferin.“

Bis dahin hat „Evis – Unverpackt“ mittwochs von 12 bis 18.30 Uhr, donnerstags und freitags von 10 bis 18.30 und samstags von 9 bis 14 Uhr geöffnet. (ph)

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