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Unwetter-Spitzenreiter Starnberg: Meiste Blitzeinschläge deutschlandweit - Experte erklärt Phänomen

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Von: Tobias Gmach

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Blitze über dem Starnberger Kirchplatz und dem Landkreis waren 2021 besonders häufig. Alleine im Juni gab es 14 Gewittertage.
Blitze über dem Starnberger Kirchplatz und dem Landkreis waren 2021 besonders häufig. Alleine im Juni gab es 14 Gewittertage. © Michael Stürzer

Nirgendwo anders in Deutschland schlugen 2021 im Verhältnis zur Fläche so viele Blitze ein wie im Landkreis Starnberg – insgesamt waren es 3714. Das Alpenvorland dominiert in dieser Statistik naturgemäß.

Landkreis – Der Landkreis Starnberg war im vergangenen Jahr Deutschlands Blitzhochburg. Das meldet der Blitz-Informationsdienst von Siemens (BLIDS). Starnberg liegt in der Statistik mit 7,6 Einschlägen pro Quadratkilometer deutlich vor Augsburg und dem Bodenseekreis (beide etwa 5,9). Die Nachbarkreise Weilheim-Schongau und Bad Tölz-Wolfratshausen sind auf den Rängen sechs und zehn zu finden.

Unwetter im Jahr 2021: Bundesweit die meisten Blitzeinschläge in Starnberg

„2021 war gegenüber den Vorjahren wieder deutlich niederschlagsreicher bei dennoch hohen Temperaturen vor allem im Juni. Damit waren die Grundvoraussetzungen für Gewitter – Feuchtigkeit und heiße Temperaturen – vorhanden“, sagt BLIDS-Leiter Stephan Thern. „In Starnberg und Umgebung gab es 43 Gewittertage, davon allein 14 im Juni.“ Und insgesamt 3714 Blitzeinschläge registrierte Siemens, das für die umfangreiche Gesamtstatistik auf die Daten von rund 160 Messstationen in Europa zurückgreift.

Thern beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Funkenentladung. Er weiß, dass schon mal ein Fünftel der bundesweit im Jahr gemessenen Blitze an einem einzigen Tag einschlagen. 2021 waren es immerhin zehn Prozent – am 29. Juni, insgesamt mehr als 45 000. Thern weiß auch, dass die alpennahen oberbayerischen Landkreise oft vorne mit dabei sind.

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Schließlich bleiben die Gewitterwolken gerne an den Bergen hängen, das feucht-warme Klima im Sommer sorgt für ideale Blitz-Bedingungen. Starnberg steht nun im vierten Jahr in Folge in den Top 20 der rund 400 kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland. Der Kreis Garmisch-Partenkirchen führt sogar eine langfristige Tabelle vor Weilheim-Schongau an – wenn man die Jahre 2010 bis 2019 im Durchschnitt betrachtet.

Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdiensts von Siemens, 
hier an einer Messstation.
Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdiensts von Siemens, hier an einer Messstation. © Uli Deck/Siemens AG

Wenn es im vergangenen Jahr so viele Blitzschläge im Fünfseenland gab, muss es auch mehr Blitzschäden gegeben haben. Das bestätigt Thern auf Nachfrage. Zahlen und Beispiele dazu liegen ihm aber nicht vor. Er sagt allerdings: „Wir können helfen festzustellen, ob ein Blitzeinschlag einen Schaden oder Ausfall verursacht hat.“ Ein häufiges Szenario: Versicherungen rufen bei Siemens an, um zu erfragen, ob tatsächlich ein Blitz verantwortlich war – für den aufs Auto gestürzten Baum, für den kaputten Herd, Fernseher oder Internet-Router.

Blitzhaupstadt Starnberg: Wohnhaus fängt Feuer - Große Fichte von Blitz getroffen

Joachim Swatosch von der Württembergischen, der seit 41 Jahren in Höhenrain eine Agentur betreibt, hat erst kürzlich wieder zwei Blitz-Schadensfälle reguliert. „Aber im Vergleich zu den sonstigen Unwetterschäden durch Hagel oder Überschwemmung sind sie verschwindend gering“, sagt er. Auf mehr als 15 Fälle im Jahr komme er nicht. „Aber das ist eine Momentaufnahme, das kann sich vom einen auf den anderen Tag ändern.“ Siegfried Klaschik, Allianz-Vertreter in Starnberg, klingt ähnlich: „Wenn es fünf bis zehn Fälle sind, sind es viele.“ Er gibt zu bedenken, dass gerade neuere Häuser gut gegen Blitzeinschläge geschützt sind.

Und doch passiert immer wieder etwas, so wie heuer am Abend des 5. Mai gleich an zwei Orten im Landkreis. In Krailling fing der Dachstuhl eines Wohnhauses nach einem Blitzschlag Feuer, am Steinberg in Gilching wurde eine große Fichte vom Blitz getroffen und drohte zeitweise auf benachbarte Wohnhäuser zu stürzen.

„Seit 1991 analysiert Siemens die registrierten Blitze und sendet umgehend Warnhinweise an die Gewitteralarm-Kunden – zum Schutz von Mensch, Tier, Technik und Infrastruktur“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Kunden seien neben den Versicherern etwa Wetterdienste, Industrieunternehmen aller Branchen sowie Betreiber von Stromnetzen, Sportanlagen und Feuerwehren. Auch Dienstleister, die vor Gewitter warnen, wie Sirenenhersteller, nutzen die Daten von BLIDS.

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