Am Pfingstmontag

Sturm über Ammersee: Segler harren während Hagelsturm auf Boot aus - Schutzbezug rettet sie

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Der Münchner Alex Beck flüchtete sich unter den Schutzbezug seiner Segelyacht – und verlor auch bei Hagel den Humor nicht.

An Land konnten sie nicht, an Bord schützte sie nur eine Plane: Segler Alex Beck harrte mit seiner Frau eine Stunde lang im Hagelsturm auf seinem Boot aus. Er kritisiert die späte Sturmwarnung am Ammersee.

Herrsching– Reißt die Kette an der Boje? Kippt das Boot jetzt gleich? Und: Wann hört es endlich auf? Diese Fragen schießen Alex Beck durch den Kopf, als am späten Montagnachmittag die Welt unterzugehen scheint. Seit 19 Jahren segelt der Münchner am Ammersee, aber solche Wellen hat er dort noch nie erlebt. Sie werfen die Segelyacht, Typ Melges 24, hin und her. Das fast acht Meter lange Boot tanzt zwischen den Wassermassen. Gerade noch haben es Beck und seine Frau Nina geschafft, die Persenning über die Yacht zu werfen. „Mit viel Gewalt“, sagt der 46-Jährige. Nur der Schutzbezug trennt das Paar vom Golfball-Hagel, der vom Himmel donnert. Unter der Plane drückt es Eiswürfel in den Innenraum, einmal steckt Beck kurz den Kopf raus – und wird am rechten Auge getroffen. Sein erster Gedanke: „Ich dachte, ich habe eine Platzwunde.“

Unwetter fegt über Ammersee: „Unglaublich“ und „beängstigend“

„Unglaublich“ und „beängstigend“: Diese Worte sagt Alex Beck immer wieder, wenn er von seinem Pfingstmontag erzählt. Eine Stunde lang harrten die beiden Segler aus, hörten die laut-knallenden Schläge des Wassers, bis sie endlich mit dem Beiboot am Herrschinger Seewinkel an Land gehen konnten. Becks Fazit: „Es war die beste Entscheidung, auf dem Boot zu bleiben.“

Segler sehen Warnungen kritisch: „Wenn es wirklich ernst wird, bleiben sie dann aus“

Eine andere Entscheidung kann er nicht verstehen: Die sieben Warnleuchten rund um den Ammersee gingen seiner Meinung nach zu spät an. „Oft wird bei strahlendem Sonnenschein gewarnt – auch wenn abzusehen ist, dass es ruhig bleibt“, sagt Beck. „Und wenn es wirklich ernst wird, bleiben sie dann aus.“ Die Sturmwarnungen sähen viele Segler kritisch: „Wenn man sich nur noch auf Apps verlässt, sagt das doch schon alles.“ Welche Auswirkungen das Unwetter in Teilen des Landkreis Starnberg hatte, können Sie auf Merkur.de nachlesen.

Weltuntergangsstimmung herrschte am Montag über dem Ammersee.

Die Warnleuchten blinkten am Montag bereits ab 7 Uhr morgens 40 Mal pro Minute. Das berichtet Wolfgang Müller, Sprecher des zuständigen Landratsamts Landsberg. Allerdings habe der Deutsche Wetterdienst die Sturmvorwarnung gegen 9 Uhr wieder zurückgenommen. Ab 16.23 Uhr seien die Leuchten dann wieder aktiv gewesen – die Rettungsleitstelle in Fürstenfeldbruck hatte eine Hauptwarnung (90 Blinker in der Minute) ausgegeben. „So hatte jeder 50 Minuten Zeit, um ans Ufer zu kommen, bevor es richtig losging“, sagt Müller. „Ich sehe keinen Vorwurf, dem wir uns erwehren müssten.“

Unwetter mit Hagel und Sturm zieht über Ammersee: Segler stecken auf Boot fest

Leicht einzuschätzen war das Unwetter am Montag definitiv nicht – laut Segler Beck „raste es daher“. Er habe am Vorabend sämtliche Info-Apps gecheckt, mit dem Ausmaß des Hagelsturms aber nicht gerechnet. Den Becks reichte die Zeit zumindest, um sich zur Boje bei Herrsching zu retten. Einigen anderen gelang das nicht: Die Wasserwachten mussten am Montag auf dem Ammersee in kurzer Zeit zu mehr als 20 Einsätzen ausrücken, sie retteten mehrere unterkühlte Segler. Alex und Nina Beck haben nach eigener Aussage übrigens nicht gefroren: „Dafür war die Aufregung zu groß.“

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