Starkregen, Sturmböen, Hagel

Schweres Unwetter über Kreis Dachau: „Sturmjäger“ aus Holland reisen an -  „echt unglaublich“

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In Karlsfeld waren die Hagelkörner bis zu vier Zentimeter groß. 

Ein schweres Unwetter mit Sturmböen, Starkregen und Hagel hat am Montag im Landkreis Dachau Schäden angerichtet, darunter Überflutungen, umgestürzte Bäume und zerstörte Felder.

  • Ein schweres Unwetter ist am Pfingstsonntag über Bayern gezogen.
  • Starkregen und Hagel sorgten im Landkreis Dachau für überflutete Straßen und Schaden.

Update, 11. Juni, 15 Uhr: 

Das schwere Unwetter, das am Montagabend über den südlichen Landkreis Dachau gezogen ist, hat vor allem in Karlsfeld Schäden angerichtet. Bis zu vier Zentimeter große Hagelkörner verwüsteten Gärten und landwirtschaftliche Felder. Wie groß der Schaden beispielsweise bei den Erdbeeren ist, kann Landwirt Wolfgang Offenbeck noch nicht abschätzen. Die Freiwillige Feuerwehr Karlsfeld rückte nach dem Unwetter 16 Mal aus.

Ein Großteil der Einsätze waren überflutete Straßen, weil vom Hagel herabgeschlagene Blätter die Gullis verstopften, wie Thomas Theil, Pressesprecher der Feuerwehr Karlsfeld, mitteilt. Vor allem der Bereich Leinor-, Wehrstaudenstraße sowie westlich der Bahn waren betroffen. „Wir machten die Laubfangkörbe wieder frei, so konnte das Wasser ablaufen“, erklärt Theil. Im Friedhofsweg, auf Höhe des Sanddornwegs brach ein etwa 20 Zentimeter dicker Ast ab und stürzte auf den Gehweg, genau wie nahe der Bäckerei Ihle. Mit der Motorsäge zerkleinerten die Helfer der Feuerwehr die Äste und machten so den Weg wieder frei. Zudem schnitten sie von der Drehleiter auf weitere Morsche Äste ab. Außerdem meldete die Leitstelle einen Baum, der in der Birkenstraße auf ein Brückengeländer stürzte und drohte die Würm anzustauen. Doch die Feuerwehr rückte mit Kran und Wechsellader an. „Wir konnten den Baum schnell beseitigen“, so Theil. 

Wolfgang Offenbeck vom Beerengarten Rothschwaige hat „so einen heftigen Hagel bei uns noch nicht erlebt“. Auf seinen Feldern seien „auf allen Flächen gewisse Schäden festzustellen“. Bei den Erdbeeren etwa lasse sich erst in ein paar Tagen erkennen, wie groß der Schaden ist. Sehr betroffen sei auch die Himbeeren, hier habe der Hagel Stengel abgeschlagen. Auch bei den Heidelbeeren seien zerstörte Blüten zu sehen, in rund vier Wochen sind die Beeren eigentlich reif. Die Erdbeerernte läuft seit wenigen Tagen, „es sind auch Leute da, die selbst pflücken“, wie Offenbeck gestern berichtet. Noch ist der Schaden an den Früchten frisch, an den Druckstellen könnte aber Fäulnis entstehen – und erst dann könne er erkennen, wie hoch die Einbußen der Ernte sind. Immerhin habe er keinen Totalschaden, wie Kollegen in Germering, Puchheim oder Feldmoching.

Dort schlug das Unwetter heftiger zu: Das THW Dachau wurde in der Nacht zu Dienstag gegen 1.30 Uhr mit fünf Notdächern für beschädigte Gebäude nach Germering alarmiert. Erst am frühen Morgen ging es für die freiwilligen Helfer wieder nach Hause.

Landkreis – Gegen 18 Uhr zog das Unwetter „großflächig über den südlichen Landkreis Dachau hinweg“, wie Christian Fischer, Wetterexperte aus Markt Indersdorf, erklärte. „Grob gesagt südlich der Amper war der Hagel zum Teil sehr schadensträchtig“, so Fischer. Die Hagelkörner hatten eine Größe bis zu vier Zentimetern Durchmesser. Laut Fischer war die Lage am Montagabend „äußerst gefährlich. Es war sehr viel Energie da, und wir hatten eine extrem starke Windscherung. Bei dieser Superzelle hätte durchaus auch ein Tornado entstehen können“.

Unwetter im Landkreis Dachau: Schäden noch nicht absehbar

Welches Ausmaß die Schäden nach dem Unwetter im Landkreis haben, war gestern Abend noch nicht abzusehen. Die Feuerwehr Karlsfeld beispielsweise meldete nach dem Unwetter mehrere Einsätze. Ein Bericht folgt.

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Sturmjäger im Landkreis Dachau unterwegs, um Unwetter zu fotografieren

Christian Fischer war im Landkreis unterwegs, auf der Suche nach dem besten Platz, um das näherkommende Unwetter zu fotografieren. Er stand auf einem Feld westlich von Bergkirchen, als plötzlich ein Auto neben ihm hielt, wie er berichtet: Stormchaser, also „Sturmjäger“ aus Holland. „Die sind nur wegen dieser Wettersituation nach Bayern gefahren“, berichtet der Wetterexperte. „Echt unglaublich.“

Kaputte Autos und zersplitterte Fensterscheiben - in Sekunden hatte das Unwetter in München und dem Umland eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Doch wer zahlt den Schaden?

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