Frührentner vor Gericht

Mann füllt Urin in Wasserflaschen des Nachbarn

Dachau - Ein Frührentner (51) aus Dachau hat in seiner Wohnanlage Angst und Schrecken verbreitet. Er schlug Nachbarn, füllte Urin in Wasserflaschen, ließ Luft aus Autoreifen und hängte pornografische Bilder auf.

Der Dachauer, der an einer chronischen paranoiden Schizophrenie leidet, ist seit Oktober im Isar-Amper-Klinikum untergebracht. Seit Mittwoch steht er vor dem Landgericht München II. Bei den 16 Vorwürfen geht Staatsanwalt Sven Caspers von zumindest verminderter Schuldfähigkeit aus, bei zwei weiteren Taten von Schuldunfähigkeit.

Verteidigerin Berna Behmoaram meinte, es sei zu einfach, zu sagen, dass der 51-Jährige paranoide Schizophrenie habe und alkoholkrank sei. Er habe den Tag „auf gut deutsch versandelt“. Er habe nichts gearbeitet, stattdessen Computer gespielt und getrunken, sowie Paulchen-Panther-Collagen gebastelt und im Haus aufgehängt. „Es war ein verzweifelter Versuch der Kontaktaufnahme.“ Doch er sei als seltsam empfunden und ausgegrenzt worden. „Er ist unglücklich vereinsamt.“ Mit dem Einzug einer neuen Nachbarin, in die sich der Dachauer verliebte, sei die Sache eskaliert. Er habe „ungeschickte Versuche der Kontaktaufnahme“ unternommen. Die anderen hätten sich eingemischt - er habe sich ungerecht behandelt gefühlt.

Die einzelnen Vorwürfe räumte der Dachauer im Großen und Ganzen ein. Der erste Vorwurf stammt vom 8. November 2013, als er Urin in die Flaschen des Mineralwasserkastens eines Nachbarn füllte, der diesen in der Tiefgarage stehen hatte. Der Nachbar trank das Wasser und bekam Bauchschmerzen und Atemnot. Die Untersuchung ergab, dass das Wasser mit Fäkalstreptokokken und einer weiteren Bakterienart verseucht war.

Sein Motiv: Er habe den Nachbarn und seine Frau demütigen wollen. Sie hätten ihn nämlich angeschwärzt, dass er zuviel Bier trinke. „Die sollen sich um ihre eigenen Getränke kümmern“, sagte er. Die Nachbarn hätten auch ständig betrieben, dass er nach Haar komme. „Das ist nicht richtig. Ich gehöre nicht nach Haar, weil mir nix fehlt.“ Bei der Nachfrage, ob er nun krank sei oder nicht, meinte der Dachauer: Wenn es um seine Frührente gehe, sei er krank, wenn es um seine Unterbringung in Haar gehe, nicht.

Zwei Tage nach der Urin-Attacke soll er eine Bierflasche nach einem Nachbarn geworfen haben, der gerade noch rechtzeitig die Tür zumachte, so dass die Flasche gegen die Tür donnerte. Das rechtfertigte der Frührentner so: Der Nachbar habe ihm zuerst Deo ins Gesicht gesprüht, das er für Pfefferspray gehalten habe. Deshalb habe er die Flasche in die Wohnung werfen, ihn aber nicht treffen wollen.

Es folgten zahlreiche weitere Taten. Zuletzt stand der Rentner am 23. August 2014 in der Früh schwarz vermummt und mit einer Axt vor einem Nachtclub in Dachau und schlug damit gegen die Tür. So mancher fürchtete um sein Leben. Es handelte sich um eine Racheaktion, sagte er, weil er zuvor des Lokals verwiesen worden war. Der Prozess dauert an.

(Nina Gut)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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