Besondere Schwere der Schuld

Lebenslänglich! Dachauer Todesschütze verurteilt

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Der Dachauer Todesschütze Rudolf U. muss lebenslang ins Gefängnis.

München - Die Tat löste am 11. Januar bundesweit Entsetzen aus: Ein Angeklagter tötet im Amtsgericht Dachau einen jungen Staatsanwalt. Nun ist der 55-jährige Todesschütze verurteilt worden.

Mit diesem Urteil hat der Todesschütze von Dachau rechnen müssen: lebenslange Haft! Rudolf U. (55), der am 11. Januar im dortigen Amtsgericht den Staatsanwalt Tilman T. kaltblütig niederknallte und anschließend auf den Richter feuerte, blieb bei der Urteilsverkündung am Donnerstag völlig stumm. Auch als Vorsitzender Richter Martin Rieder jenen Satz verkündete, den alle verurteilten Mörder fürchten: „Die Schuld wiegt besonders schwer!“

Mit der besonderen Schuldschwere nahm das Gericht dem Angeklagten die Möglichkeit, nach 15 Jahren Haft einen Antrag auf Entlassung stellen zu können. Die Angehörigen des Mordopfers nahmen das Urteil mit Erleichterung auf.

„Er hat unermessliches Leid über die Familie gebracht“, sagte Richter Martin Rieder in seiner Urteilsbegründung. „Der rechthaberische, starrsinnige und querulatorische Angeklagte“, so Rieder weiter, „hat sich eine eigene Rechtswelt errichtet, in der er immer Recht und alle anderen stets Unrecht hatten.“ Weil Rudolf U. sich in Prozessen ungerecht behandelt fühlte, habe er sich an der Justiz rächen wollen. Rieder: „Aus seiner Aversion gegen die Justiz wurde schließlich blanker Hass.“

Die Tat hat der Angeklagte längere Zeit vorbereitet. Dabei war es ihm egal, wer sein Opfer wird. „Staatsanwalt T. kannte den Angeklagten nicht“, führte Rieder aus. Es hätte jeden anderen von der Staatsanwaltschaft München II auch treffen können. Tilman T. war ein Zufallsopfer. Rieder: „Es war ein sinnloser Tod.“

Dass der Mörder den Amtsrichter Lukas N. verfehlte, sei nur einem glücklichen Zufall zu verdanken. Der Richter konnte gerade noch unterm Tisch Deckung nehmen, ebenfalls der Protokollführer und die Verteidigerin des Angeklagten. Der Täter schoss weiter. Selbst als zwei Zeugen den Schützen überwältigten, konnte dieser noch dreimal abdrücken. Zum Glück verfehlten die Kugeln ihr Ziel. Diese Schüsse wertete das Gericht als dreifachen versuchten Mord. Richter Rieder: „Der Täter setzte sich in krasser Eigensucht über das Lebensrecht anderer hinweg.“

Harte Worte, die der beidseitig beinamputierte Angeklagte von seinem Krankenbett aus verfolgte. Diesmal sagte er kein Wort, sondern schloss immer wieder die Augen. Er hatte im Laufe des Prozesses erklärt, dass er im Gefängnis sterben will.

Bluttat in Dachau: Staatsanwalt (31) stirbt

Eberhard Unfried

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