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Nach Klage von Ehepaar: Kuhglockengeläut gehört zum Dorf – Richter machte sich Bild vor Ort

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Von: Rudi Stallein

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Weil es wegen des Gebimmels von Kuhglocken nachts nicht schlafen kann, war ein Greilinger Ehepaar vor Gericht gezogen – vorläufig ohne Erfolg.
Weil es wegen des Gebimmels von Kuhglocken nachts nicht schlafen kann, war ein Greilinger Ehepaar vor Gericht gezogen – vorläufig ohne Erfolg. © dpa

Das Amtsgericht weist eine Klage eines Ehepaars aus Greiling ab, dass in der Nacht seine Ruhe vor Kuhglockengeläut haben möchte. Der Richter machte sich vor Ort selbst ein Bild.

Greiling – Ein Ehepaar in Greiling stört sich am Geläut von Kuhglocken auf einer an ihr Grundstück grenzenden Wiese mitten im Dorf. Deshalb möchten die Eheleute das Gebimmel zwischen 22 und 6 Uhr von der Wiese verbannt wissen. Vor zweieinhalb Jahren trafen sich die Kläger und der beklagte Landwirt zum ersten Mal bei einer Güteverhandlung am Amtsgericht Wolfratshausen. Nun halten die Parteien ein Urteil in Händen: „Die Klage wird abgewiesen.“

Ehepaar verliert vor Gericht: Kuhglockengeläut gehört zum Dorf dazu

Der Rechtsanwalt des Beklagten, der sich durch das Ansinnen des vor einigen Jahres ins Dorf zugezogenen Ehepaars zu einer fast dichterischen Klageerwiderung herausgefordert sah, hatte es schon zu Beginn des Streits in Reimform auf den Punkt gebracht: „Kuhglocken, die gab’s in Greiling immer schon. Und haben deswegen eine lange Tradition. Und wenn man aus der Stadt aufs Land rauszieht, dann weiß man, dass es Kuh und Kalb und Glocken gibt.“

Das bekam er nun schwarz auf weiß in Juristendeutsch bestätigt. Richter Dominik Sauter, der sich am 20. September vor Ort selbst ein Bild von der Geräuschkulisse gemacht hatte, hob in seiner Urteilsbegründung hervor, dass bei seiner Entscheidung auch das konkrete Umfeld eine Rolle gespielt habe. Schon bei der Anfahrt zum Ortstermin sei ihm aufgefallen, dass sich im Dorf sowie am Dorfrand in der Nähe von Wohnbebauung Weiden befinden, auf denen deutlich größere Kühe in größerer Zahl mit deutlich größeren Kuhglocken grasten, als sie auf der streitgegenständlichen Wiese vorgefunden worden seien.

„Der Ort ist erkennbar landwirtschaftlich geprägt. Dies ist bereits auf einer kurzen Durchfahrt mit dem Auto ersichtlich und ist erst recht für jedermann ersichtlich, der in diesen Ort zieht und sich daher üblicherweise noch viel gründlicher und häufiger mit den dortigen Umständen beschäftigt“, stellt der Richter fest. „Wenn Kühe mit Glocken in Greiling nicht grundsätzlich sozialadäquat wären, so wären sie das wohl in kaum einem bayerischen Dorf mehr. Davon ist aber nicht auszugehen.“

„Bei geschlossenem Fenster waren die Glocken überhaupt nicht mehr zu hören“

Fünf Kälber im Alter zwischen vier und sechs Monaten, von denen vier Kälber Glocken trugen, hatte der Richter bei seinem Ortstermin vorgefunden. Draußen, am Zaun seien die Glocken deutlich vernehmbar gewesen. Aber man habe sich in normaler Lautstärke unterhalten können. „Ein kleines Stück leiser“ seien die Glocken vom Balkon des klägerischen Hauses wahrgenommen worden. Im Schlafzimmer sei die Geräuschkulisse „bei geöffnetem Fenster ähnlich wie auf dem Balkon, allerdings wiederum etwas leiser“ gewesen. „Bei geschlossenem Fenster waren die Glocken überhaupt nicht mehr zu hören.“

Die Kläger, darauf hatte seinerzeit Rechtsanwalt Andreas Sander verwiesen, „können sich dem Lärm nicht entziehen, können nachts nicht schlafen und riskieren gesundheitliche Schäden.“ Unbenommen sei, dass die Kläger die Geräusche als störend empfinden und sie deshalb subjektiv womöglich besonders stark wahrnehmen würden. Für den geltend gemachten Anspruch komme es aber „auf einen verständigen Durchschnittsmenschen in der konkreten örtlichen Situation an.“

Grenzwert von 5 Dezibel meist unterschritten

Bereits ein Jahr zuvor, im Sommer 2021 war ein Sachverständigengutachten erstellt worden. Während der drei Wochen, in denen die Geräuschimmission an der Weide gemessen wurde, war es nur in einer Nacht für die Dauer von etwa 30 Minuten durch Kuhglockengeräusche zu einer Überschreitung des Grenzwertes um 5 Dezibel gekommen. Ansonsten seien die Werte tagsüber und nachts durchgehend unterschritten worden. Das Gericht kam zu dem Schluss: „Hier liegt nur eine unwesentliche Beeinträchtigung vor.“ Mithin sei die Lärmimmission durch die Kuhglocken von den Klägern gemäß Paragraph 906 Absatz 1 BGB zu dulden. Gegen das Urteil können die Kläger noch Berufung einlegen.

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