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„Ich war nie ein Oligarch“: Usmanow äußert sich erstmals persönlich zu seiner Zeit am Tegernsee

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Von: Franziska Konrad

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Fühlte sich heimisch am Tegernsee: Alisher Usmanow, hier in der Egerner Bucht.
Fühlte sich heimisch am Tegernsee: Alisher Usmanow, hier in der Egerner Bucht. © Georg Hilgemann

Durch den Ukraine-Krieg und die EU-Sanktionen geriet Alisher Usmanow in die Schlagzeilen. Nun hat sich der Oligarch mit Wohnsitz in Rottach-Egern erstmals persönlich geäußert.

Rottach-Egern – Viel wurde zuletzt über ihn geschrieben. Er sei Wladimir Putins Lieblingsoligarch mit engen Beziehungen zum russischen Präsidenten. Vertraut mit Geldflüssen, avancierte er mit etwa 16 Milliarden Dollar Vermögen zu einem der reichsten Männer Russlands. Mit Putins Angriffskrieg auf die Ukraine wurde ihm das alles zum Verhängnis: Usmanow landete auf der EU-Sanktionsliste. Sein Zweitwohnsitz in Rottach-Egern ist für ihn seither unerreichbar – und das bedaure er ausdrücklich, heißt es in einem persönlichen Statement des 68-Jährigen.

Nach EU-Sanktionen: Zweitwohnsitz am Tegernsee für Oligarch Usmanow unerreichbar

In seinen schriftlichen Antworten auf einen Fragenkatalog schildert Usmanow auch seine Sicht der Dinge und stellt klar: „Ich war nie ein Oligarch.“ Er habe sich nie an der Privatisierung von Staatseigentum beteiligt. Seine Interessen seien anderer Natur, nachdem er sich „aus dem Geschäft“ zurückgezogen habe. „In den letzten 15 Jahren habe ich einen erheblichen Teil meines Vermögens – nämlich Milliarden von Dollar – für philanthropische Zwecke eingesetzt und damit Projekte in den Bereichen Kultur, Sport, Soziales, Umwelt und Gesundheit auf der ganzen Welt unterstützt“, sagt der Wahl-Rottacher.

Oligarch Usmanow klagt auf Freigabe seines Vermögens

Doch an seinem Feriensitz am Tegernsee kam davon wohl zuletzt nichts an. Im Gegenteil: Die Handwerksfirmen, die an der Fertigstellung seiner „mit ehrlich verdientem Geld erworbenen“ Villa in der Forellenstraße noch im März werkelten, warten seitdem auf die Begleichung ihrer Rechnungen.

Es soll um mehr als 100 000 Euro gehen, weswegen die Arbeiten eingestellt wurden. „Ich bedauere, dass die Firmen nicht bezahlt werden können, aber das ist nicht meine Schuld“, rechtfertigt sich Usmanow, dessen Geldflüsse wegen der EU-Sanktionen in Europa gesperrt sind. Er versichert aber: „Was immer ich rechtlich tun kann, um die Sanktionen aufzuheben, werde ich tun.“ Inzwischen klagt er mit drei anderen russischen Milliardären am Europäischen Gerichtshof (EuGH) auf Freigabe seines Vermögens.

Das Gerechteste, was die hiesige Gemeinde tun kann, ist zu erkennen, dass ich kein Feind, sondern ein Freund bin.

Oligarch Alisher Usmanow

Derweil habe die Gemeinde Rottach-Egern „ein unfertiges und leer stehendes Geisterhaus, das noch auf öffentliche Kosten instandgehalten werden muss“, so der 68-Jährige gebürtige Usbeke, der in seinen Antworten keinen Zweifel daran lässt, dass ihm das Tegernseer Tal am Herzen liegt: „Das Gerechteste, was die hiesige Gemeinde tun kann, ist zu erkennen, dass ich kein Feind, sondern ein Freund bin.“

Feinde hatte der Milliardär wohl auch wenige am Tegernsee. Viele lebten jahrelang sehr gut von seinen Aufträgen und Bestellungen, ob als Personal, Handwerker, Verwalter seiner vier Immobilien oder Gastronom. Vor allem zum nahen Luxushotel Überfahrt fühlte er sich hingezogen. Nach eigenen Angaben traf er hier 2011 auch Russlands Ex-Präsident Michail Gorbatschow, der dort mit seiner Tochter Irina speiste. Sie besaß seinerzeit das nahe Hubertus-Schlößl.

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Oligarch Usmanow am Tegernsee: Dauergast im Hotel Überfahrt

Auch sonst hielt es Usmanow mit der Überfahrt, „wo ich Zimmer mietete wie andere Gäste auch“. Sein Fahrdienst mit Luxuskarossen holte von dort ständig seine Lieblingsspeisen. „Manchmal trank ich dort nach einem Spaziergang ein Bier mit Freunden. Dinge eben, die ich liebe.“

Der Zauber dieses einzigartigen Ortes Rottach-Egern ist, dass ich mich wie zu Hause in Usbekistan gefühlt habe.

Oligarch Alisher Usmanow

Rottach-Egern hatte er 2008 erstmals nach einer Augenoperation in München besucht. „Der Zauber dieses einzigartigen Ortes Rottach-Egern ist, dass ich mich wie zu Hause in Usbekistan gefühlt habe“, sagt Usmanow. Mit den Gipfeln seiner Heimat könne der Wallberg zwar nicht mithalten, aber „ich habe es geliebt, den Drachenfliegern dort oben beim Start zuzusehen – ich war fasziniert“.

Und er sei diesem Ort und „natürlich seinen Bewohnern sehr dankbar für das Glück, das ich erfahren habe und das ich hoffentlich in Zukunft wieder erleben werde“. Angesichts von Putins Vernichtungsfeldzug gegen die Ukraine dürfte dies allerdings noch Jahre dauern. VON KLAUS WIENDL

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