Vater fast geköpft - Sohn (13) rettet ihm das Leben

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Raphael (li.) rettete seinem Vater das Leben. Sein Bruder Martin zeigt einen Modellhelicopter ähnlichen Typs wie beim tragischen Unglück. Foto: Stefan Rossmann

Grafing - Es hätte ein schöner Nachmittag werden sollen: Ein Vater und seine beiden Söhne beim Hubschrauber-Modellfliegen. Dann passierte das Unglück. Ein Rotorblatt trifft den Vater am Hals, durchtrennt Speiseröhre und Schlagadern. Jetzt ging es um sein Leben. Die ganze Geschichte

Dass der Grafinger seine schwere Verletzung überlebte, verdankt er seinem Sohn Raphael, der am Montag dafür im Antiquarium der Münchner Residenz öffentlich ausgezeichnet wird.

So hatte sich das Unglück damals abgespielt: Vater Stephan und seine beiden Söhne Raphael (13) und Martin (11) sind an einem Samstagnachmittag im April vergangenen Jahres mit einem Freund zwischen Mattenhofen und Haslach unterwegs. Sie haben mächtig Spaß und lassen große Modellhubschrauber fliegen.

„Mein Spezl hatte schon alles zusammengepackt, es war die letzte Flugminute“, berichtet der selbständige Metallbaufachmann. „Ich hab mich zurückgebeugt und dabei einen Fehler gemacht.“ Der Hubschrauber bekommt in der Luft einen falschen Steuerbefehl. „Der ist mit 140 Stundenkilometer voll auf mich drauf“, schildert der Grafinger die schlimmsten Sekunden seines Lebens. Die Rotorblätter treffen den Hals des Vaters, der dabei um ein Haar buchstäblich geköpft wird.

Dass der Mann noch lebt, hat er seinem Sohn Raphael zu verdanken, der als 13-Jähriger beim Anblick des lebensgefährlich verletzten Vaters die Nerven bewahrt. Der zweite Erwachsene, der die Familie begleitet, ist angesichts der dramatischen Situation zu keiner Handlung mehr fähig. „Der hatte so einen gewaltigen Schock, der konnte nicht mal mehr telefonieren“, berichtet der inzwischen wieder genesene Vater.

Die Familie hat ein Handy dabei. Der 13-Jährige versucht einen Notruf abzusetzen. Kein Empfang. Der Bub weiß: Nur schnelle Hilfe kann seinen Papa retten, der im Gras liegt und starken Blutverlust hat. „Luft habe ich nur mehr durch den Schnitt im Hals bekommen“, schildert der Grafinger seine Situation. „Er hat geistesgegenwärtig reagiert und ist in Richtung Glonn gelaufen, bis er Empfang hatte“, berichtet der Vater über seinen Sohn. Raphael läuft, während er telefoniert, dem Rettungswagen zwei Kilometer entgegen, springt ins Fahrzeug und lotst die Helfer zur Unglücksstelle, wo fast zeitgleich auch der Rettungshubschrauber eintrifft. „Über eine Stunde hab’ ich dort noch gelegen, weil sie sich nicht sicher waren, ob ich transportfähig bin.“

Am Montag wird der junge Lebensretter im Antiquarium der Münchner Residenz für seinen Mut geehrt. Ministerpräsident Horst Seehofer wird ihm die Hand schütteln und ihm die Christophorus-Medaille überreichen, die an Personen verliehen wird, „die eine Rettungstat unter besonders schwierigen Umständen durchgeführt haben“.

Raphael hat seinem Vater das Leben gerettet. Was folgte, waren langwierige Operationen, der Selbständige kämpft sich zurück ins Leben. „Das Schlucken fällt mir noch schwer, mein Gesicht ist taub, ich habe Zähne verloren“, berichtet der Gerettete nach einem Jahr. Seine Metallbau-Firma will er wieder aufbauen. „Das war alles ein Jahr lang eingefroren“. Jetzt will er seinen Betrieb wieder fortführen.

Den Unglückshubschrauber gibt es nicht mehr. Er ist zerstört. „Aber ich habe einen vom gleichen Typ“, berichtet der Grafinger. Denn das Modellhelicopterfliegen hat er nicht aufgegeben. „Das ist wie beim Motorradfahren“, sagt der Vater und lacht. „Da hört man auch nicht damit auf, weil es einen mal geschmissen hat."

Michael Seeholzer

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