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„Bayernweit kein Einzelfall“: Einer der ältesten Vereine steht vor dem Aus

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Notizzettel auf Laptop, Ende
Der Veteranenverein in Günzlhofen steht vor dem Aus. (Symbolbild) © KTH/Imago Images

Der Veteranen- und Kameradenverein findet keine Nachfolger für den Vorstand. Damit steht einer der ältesten Vereine Günzlhofens vor dem Aus.

Günzlhofen – Einer der ältesten Vereine in Günzlhofen steht vor dem Aus. Der Veteranen- und Kameradenverein, 1893 gegründet, wird sich vermutlich auflösen müssen. Denn es findet sich niemand für den Vorsitz.

Verein steht vor dem Aus: „Bayernweit kein Einzelfall“

Bei der letzten Jahresversammlung im April waren nur zehn Mitglieder anwesend, die Hälfte davon zählt zur Vorstandschaft. Lutz Rosenbaum übt das Amt des Vorsitzenden seit knapp eineinhalb Jahren kommissarisch aus. Er hatte den Posten des Vizes verlassen und die Chefposition eingenommen, nachdem der bisherige Vorsitzende Ernst Sigl plötzlich verstorben war. „Dass ich das aus beruflichen Gründen nicht länger machen kann, hatte ich mehrfach mitgeteilt“, sagt Rosenbaum.

Doch im April fand sich wieder kein Vorstand, wie auch bei nur zehn Anwesenden – der Verein, der einst Krieger- und Veteranenverein hieß, hat übrigens mehr als 100 Mitglieder. Nun steht die Auflösung bevor.

„Das ist bayernweit kein Einzelfall, heißt es aus der Bezirksebene“, berichtet Rosenbaum. „Doch im Landkreis wären wir der erste Veteranenverein, der sich auflöst.“ Er befürchtet, dass der Verein „dem Tode geweiht ist“. Doch gerade jetzt, so Rosenbaum, wäre es wichtig, diesen Verein und seine Traditionen weiter zu pflegen.

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Verein mit Wurzeln im 19. Jahrhundert: Frieden im Fokus

Heuer, bei der Fronleichnamsprozession, war es so, dass der Verein mit seinen Fahnen nicht dabei war. „Das hätte einen Aha-Effekt nach sich ziehen können“, sagt Rosenbaum. Doch es kam keine einzige Reaktion darauf, warum die Veteranen nicht teilgenommen haben.

Gegründet wurden solche Vereine, die oft die Bezeichnung „Krieger“, „Soldaten“ oder „Veteranen“ im Namen führen, nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870. Inzwischen zählt der Bayerische Soldatenbund als Dachverband an die 1000 Vereine. In Wildspoldsried im Allgäu versucht man zum Beispiel gerade, den Verein wiederzubeleben. Ob das gelingt, wird sich zeigen. Dort will man verstärkt junge Mitglieder gewinnen, der Schwerpunkt der Vereinsarbeit könnte künftig auf der Flüchtlingshilfe liegen. Denn gerade das Thema Frieden rückt seit Beginn des Krieges in der Ukraine in den Fokus.

Letzte Versammlung des Vereins? Wende scheint unwahrscheinlich

Für Ende Juli plant Rosenbaum nun eine weitere Versammlung – womöglich die letzte des Vereins. Jedes Mitglied wird persönlich angeschrieben und eingeladen. Findet sich dann erneut kein Vorsitzender, löst sich der Verein auf. Das Vereinsvermögen wird dann treuhänderisch von der Gemeinde Oberschweinbach verwaltet – für zwei Jahre. Innerhalb dieser Zeit könnte der Verein wiederbelebt werden. Sollte das nicht der Fall sein, wird das Geld gemeinnützig innerhalb des Ortes verwendet.

Rosenbaum hatte bereits im Lindwurmkurier, dem gemeindlichen Mitteilungsblatt, informiert, wie es um den Verein bestellt ist und an die Bürger appelliert. „Es wäre schon mehr als traurig, wenn die Fahnen unseres Vereins zusammengerollt in einem Speicher verrotten müssten“, schrieb er. Es sei schwer vorstellbar, dass der Fortbestand des Vereins, daran scheitert, dass es seitens der Mitglieder an Interesse und Einsatzbereitschaft mangele. Doch an eine Wende kurz vor der Vereinsauflösung glaubt er eigentlich selbst nicht mehr.

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