Sperrung auf S4- und S6-Strecke – wann kommt Schienenersatzverkehr?

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Verkauft sich der Alpenverein an Toyota?

München - Gerade hat man die Führungskrise bewältigt, schon droht neuer Streit im Alpenverein: In einem Schreiben des Dachverbands werden die Sektionen aufgefordert, gemeinsame Sache mit Toyota zu machen.

Das interne Papier, das unserer Zeitung vorliegt, sorgt für Sprengkraft. Der Zeitpunkt könnte kaum schlechter sein. Monatelang steckte der Deutsche Alpenverein in einer Führungskrise. Gleichzeitig wurde der Zank um die Ideale des riesigen Verbands immer lauter. Viele Mitglieder fürchten den Ausverkauf der Berge. Vize-Präsident Ulrich Kühnl bezeichnete den eigenen Verband als „ADAC der Alpen“ und trat anschließend zurück.

Ausgerechnet in diese hitzige Debatte platzte ein Schreiben der Geschäftsstelle, das jetzt für neuen Ärger sorgt. In dem Brief wird den Basisgruppen vorgeschlagen, Aktionen mit dem örtlichen Toyota-Händler zu starten. Beispiele: eine „mehrjährige Sponsoring-Partnerschaft“, die „Auslage von Toyota Broschüren in der Sektionsgeschäftsstelle“ oder das Verteilen von „Werbemitteln“ in der Kletterhalle. Man könne auch einfach gemeinsam einen Baum pflanzen, lautet ein weiterer Vorschlag.

Viele an der Basis wollen da nicht mitspielen: „Ich habe das Schreiben kopfschüttelnd in den Papierkorb geworfen. Und da gehört’s auch hin“, kommentiert Peter Rosner, Sektionsleiter in Miesbach. Naturschutz und Autohersteller, findet er, „das passt nicht zusammen“. Auch Günther Manstorfer, Vorstand der Münchner Sektion, plant nicht, dem Vorschlag von oben Folge zu leisten. „Wir fördern Bus und Bahn“, stellt er klar. „Wir waren sprachlos, als wir den Brief bekamen“, berichtet Martin Pfund, der die Sektion in Bad Tölz leitet. „Der DAV ist eine Umweltschutzorganisation – das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit.“

„Auch diese Herrschaften fahren vermutlich nicht mit der Bahn zum Berg“, reagiert DAV-Hauptgeschäftsführer Thomas Urban auf die Kritik. Die Kooperation mit Toyota bestehe seit 2008. Natürlich zahle der Autohersteller dafür. Und natürlich sei das Werbung. „Aber Werbung mit einem guten Gewissen.“

Urban sieht das so: Ein Großteil der Mitglieder fahre nunmal mit dem Auto in die Berge. „Wenn sie das tun, dann bitte mit einem möglichst umweltverträglichen Modell.“ Da Toyota auf diesem Gebiet angeblich führend sei, sei gegen eine Kooperation nichts einzuwenden. Mit dem Geld könne man zudem Projekte für den Naturschutz finanzieren.

Und so findet sich auf der Internetseite des DAV exakt der gleiche Toyota-Werbetext, wie er auch auf der Homepage des Herstellers steht. Alles kein Problem? „Hier wird das Vertrauen der Mitglieder missbraucht“, ärgert sich Martin Pfund aus Bad Tölz. Werbung und Kooperationen gehörten sauber getrennt, alles andere sei unseriös.

Der Sektions-Chef wollte eine Erklärung, schrieb einen Brief an die Geschäftsstelle. „Auf meine Fragen ist Herr Urban aber nicht eingegangen“, sagt Pfund enttäuscht. Für nähere Informationen, so lautete die Antwort, „sollte ich auf der Toyota-Homepage nachschauen“.

Thomas Schmidt

Rubriklistenbild: © dpa

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