Seine Schätze sind weg

Vermieter lässt falschen Keller räumen: Puchheimer ist fassungslos

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Fassungslos: Jörg Bosse (60) in seinem leeren Kellerabteil.

Jörg Bosse kann es immer noch nicht fassen. Alles, was er liebte und sammelte, ist weg. Sein Kellerabteil in Puchheim wurde ausgeräumt – ohne dass er davon wusste. Wie konnte das eigentlich passieren?

München -  „Es ist so traurig, das war mein Leben, das jetzt andere ausgeschlachtet haben“, sagt der 60-jährige Lagerarbeiter aus Puchheim. Wie es dazu kommen konnte, ist schier unglaublich...

„Das waren wertvolle Sachen: Modelleisenbahnteile, 200 Wagons, 50 Loks, darunter sehr teure Sammlerstücke wie eine Sonderausgabe der Adler-Lok in einer Mahagonikiste mit Zinnfiguren“, zählt Bosse auf. Zudem rund 170 Schallplatten, Briefe, Tonbänder, 300 Dias, 70 Super-8-Filme, zwei Fahrräder, ein Fahrradanhänger, Kochplatten, ein Plattenspieler, zwei Lautsprecher, Computerteile und und und. Jörg Bosse schätzt den Schaden auf 7000 bis 8000 Euro.

Alles ist weg! Auch die Sonderedition einer Mini-Eisenbahn in einer Mahagonikiste.

So viele Erinnerungen sind einfach weg

Mindestens ebenso schlimm ist für ihn aber der Verlust all seiner Erinnerungen – die Filme, die seine Kinder zeigen, als sie noch klein waren, die Briefe aus seiner Jugend, seine Sammlung von Elvis-Platten. Wie das alles verschwinden konnte, das kann er bis heute nicht begreifen. „Der Keller muss im vergangenen Jahr so um die Weihnachtszeit ausgeräumt worden sein, ohne dass ich das mitbekam“, sagt Bosse. Zuletzt war er in den Keller gegangen, um die Fahrräder dort einzusperren. Als er dann im Januar etwas aus seinen Kisten holen wollte, bekam der 60-Jährige einen Riesenschreck: Die drei Vorhängeschlösser an der Türe waren aufgebrochen, der Raum leer!

Wie konnte das nur passieren?

Der einfache Grund: eine Verwechslung. Seine Vermieterin hatte eigentlich das Kellerabteil einer anderen Mieterin räumen lassen wollen, doch die Abteile wurden verwechselt – und so wurde der Keller von Jörg Bosse geräumt! Für ihn unbegreiflich: „Die Arbeiter der Entrümplungsfirma hätten einfach schauen müssen, wessen Name auf den Kisten steht, und sofort hätten sie erkannt, dass ein Fehler vorliegt.“

Wie es genau zu der Verwechslung kam, das konnte auch der Anwalt von Bosse nicht herausfinden. Die Vermieterin, eine Gesellschaft namens Vonovia, laut Homepage das größte Wohnungsunternehmen Deutschlands, gibt hierzu keine Auskunft. Auch der tz nicht, jedenfalls nicht bis Redaktionsschluss für diese Ausgabe.

Zuletzt hatte Jörg Bosse von der Vonovia 2000 Euro als Entschädigung angeboten bekommen. Viel zu wenig, findet Bosse: „Ich denke, die Sachen sind auf einem Flohmarkt gelandet oder über das Internet verkauft worden. Irgendwer hat den großen Reibach gemacht, während ich jeden Cent zweimal umdrehen muss, um mit meinem Gehalt als Zeitarbeiter über die Runden zu kommen.“ An ein Weihnachtswunder, dass die Sachen doch wieder auftauchen, glaubt er nicht mehr.

Schaden muss ersetzt werden

Darf der Vermieter einfach so einen Keller aufbrechen und ausräumen? „Nein, das darf er ebenso wenig wie einfach eine vermietete Wohnung aufbrechen“, sagt Mieterschützerin Anja Franz vom Mieterverein München. Liegt, wie im Fall Bosse, eine Verwechslung vor, ist der Vermieter zum Ersatz der Schäden verpflichtet. Bei den verschwundenen Sachen, die im Keller lagerten, muss er deren Wert ersetzen.

Das Problem in solchen Fällen ist nicht die Rechtslage, sondern der Beweis, weiß Franz. „Man braucht Belege, Quittungen, Fotos, Zeugen und Wertgutachten.“

Allerdings: Im vorliegenden Fall sei Fahrlässigkeit seitens der Vermieterin im Spiel, denn der Keller war zugesperrt und ein Blick auf die mit Namen versehenen Kisten hätte gereicht, um festzustellen, dass es der Keller von Jörg Bosse ist und nicht der, der geräumt werden sollte. „Es wäre angebracht, dass die Vermieterin ohne Gerichtsverfahren für den Schaden aufkommt“, sagt die Mieterschützerin. Bosse wäre doppelt bestraft, wenn er jetzt auch noch klagen müsste.

Susanne Sasse

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