Ordnung zu schaffen, ist ihr Beruf geworden

Eine Frau räumt im Speckgürtel auf

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Veronica Zapp aus Gräfelfing hat das Organisieren von Häusern und Wohnungen zu ihrem Beruf gemacht.

Eine Gräfelfingerin hat das Aufräumen zum Beruf gemacht: Veronica Zapp unterstützt Frauen dabei, Ordnung und System in die eigenen vier Wände zu bringen. Ein Hausbesuch.

Gräfelfing – Zuerst müssen die fünf Wasserkästen raus. Dann der Raclette-Ofen, der schon ein paar Wochen auf dem grau gefliesten Fußboden darauf wartet, aufgeräumt zu werden. Und eine große Papiertüte gefüllt mit bunten Papiertüten. „Was stört Dich denn am meisten in Deiner Speisekammer?“, fragt Veronica Zapp beim Blick in den kleinen Raum, und Gina Maschek muss nicht lange überlegen: „Ich hätte gern wieder einen freien Durchgang.“

Veronica Zapp, 39, bietet einen Service an, der sich Home Organizing nennt und nichts anderes meint als: professionelles Aufräumen und Organisieren. Dabei wird ausgemistet, sortiert und im Idealfall ein System etabliert, mit dem die Ordnung langfristig erhalten bleibt. Seit Ende 2017 ist die Gräfelfingerin (Kreis München) als Aufräumerin im Münchner Umland aktiv. Was die meisten Kinder hassen, hat sich zur Leidenschaft Erwachsener gemausert. Ein aufgeräumtes, aufs Nötigste reduziertes Zuhause liegt im Trend.

Mit System: Die Aufräumerin zeigt Gina Maschek, wie sie platzsparend Kleidung wie T-Shirts verstauen kann.

Zapp besucht Kundinnen und hilft, ein System in die eigenen vier Wände zu bringen. „Jede glaubt, sie hätte die schlimmste Wohnung“, sagt die zweifache Mama und lacht. Dabei seien ihr bisher keine „schlimmen“ Wohnungen untergekommen. Die Kundinnen – meist sind es berufstätige Mütter – buchen sie für einzelne Räume oder das ganze Haus. „Ich helfe auch vor oder nach Umzügen“, erzählt sie. „Manchmal werde ich dazu gerufen, wenn ein Angehöriger gestorben ist und es darum geht, zu entscheiden, was man aufhebt und was man weg gibt.“

Zapp hat ein entspanntes Verhältnis zum Ausmisten

So unterschiedlich die Einsatzfelder, so unterschiedlich die Herangehensweise. Vor ein paar Jahren brachte sich die Politikwissenschaftlerin selbst Aufräum-Techniken bei. Manches macht sie nach der Methode von Marie Kondo, einer japanischen Bestseller-Autorin, deren Aufräumshow ein weltweiter Hit ist. Anders als Kondo pflegt Zapp aber ein entspanntes Verhältnis zum Ausmisten. „Ich habe mich selbst nach dem Umzug mit der Familie von vielen Dingen getrennt“, sagt sie. „Ich überrede aber keine meiner Kundinnen dazu, Dinge wegzuwerfen, die sie nicht wegwerfen wollen.“

Es gehe nicht darum, dass alles ordentlich aussehen muss. Zapp, die ihren Kundinnen absolute Diskretion zusichert, versucht, so viel wie möglich über die Frauen herauszufinden, um jeder eine passende Lösung anzubieten. „Man muss seine Sachen nicht nur leicht finden können, die Leute sollen sich auch wohlfühlen.“

Damit sich Gina Maschek in ihrem Haus in Gräfelfing noch wohler fühlt, arbeitet sich die Aufräumerin Richtung Regal vor: Hier lagert die Hausapotheke der Familie mit drei Kindern vom Kindergarten- bis zum Grundschulalter. In mehreren weißen Plastikschalen stapeln sich die Hustensaftflaschen, Fieberzäpfchen und Lutschtabletten. Die Frauen räumen gemeinsam aus, sortieren abgelaufene Medikamente aus. Was nicht mehr gebraucht wird, kommt fein säuberlich getrennt in den Müll – in vielen Landkreisen dürfen Altmedikamente, die nicht als gefährliche Abfälle gelten, in die Restmülltonne.

Auch das gehört zum Service: Veronica Zapp entsorgt so viel, wie in ihr Auto passt. Mistet sie mit Kundinnen Kleiderschränke aus, bringt sie auf Wunsch die Klamotten auch zum Spenden. „Ich habe meine Anlaufstellen“, erklärt sie. „Decken und Handtücher nimmt das Tierheim zum Beispiel gern. Kitas freuen sich über Wechselklamotten für die Kleinen.“

Ganz billig ist die Unterstützung von Veronica Zapp nicht: Eine Einzelsession bestehend aus vier Stunden kostet 250 Euro. Bucht man ein Paket mit mehreren Sitzungen, gibt es Rabatt. Die Erstbegehung sowie Anfahrt und Entsorgung sind inklusive. Im Moment betreut sie Kunden in einem Umkreis von 20 Kilometern um ihren Wohnort. Vielen geht es wie Gina Maschek: „Natürlich kann man allein aufräumen. Es hilft aber ungemein, wenn man unterstützt wird.“

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