Unglaublicher Zufall

Ehering nach 25 Jahren wieder aufgetaucht

Haar - 25 Jahre lang vermisste Bärbel nach einem Wohnungsputz ihren Ehering. Doch eines Tages klingelte das Telefon und der Ring war wieder da. Aufgetaucht auf kuriose Weise.

Eigentlich hatte sie sich ja nur auf einen längeren Krankenhausaufenthalt vorbereitet, wollte alles picobello hinterlassen. Und dann war der Ehering weg. Der Ring, den sie immer noch trug, obwohl ihr Ehemann bereits 15 Jahre zuvor verstorben war. „Meine Theorie war, dass der Ring beim Ausziehen vom nassen Putzhandschuh hängengeblieben war und ich ihn mit dem Putzwasser ausgekippt habe.“ Und dann war der Ring eben weg. Für immer. Diese Theorie hatte Bestand – fast 25 Jahre lang. Doch nun muss die Geschichte noch einmal neu überdacht werden. Denn: Der Ring ist wieder da.

Begonnen hatte alles im August 1960: Damals war Bärbel mit süßen 20 Jahren aus dem Allgäu nach Haar gekommen. Krankenschwester wollte sie werden. Allerdings lernte sie nicht nur die Pflege kennen, sondern sehr schnell auch einen jungen Pfleger lieben. Sebastian lief ihr an Kirchweih über den Weg und gerade ein Jahr später traten die beiden vor den Traualtar. Am 14. September 1961 heirateten sie kirchlich in Ottobeuren – ihrer Heimat. Doch das Schicksal ließ ihnen nicht allzu viel Zeit: Keine zwölf Jahre später verstarb Sebastian völlig überraschend. Der Ring blieb an Bärbels Finger, auch wenn sie mit einem anderen Mann ihr zweites Glück fand. Geheiratet hat sie nicht noch einmal. Und dann verlor sie dieses Andenken an ihren ersten Mann – „im Oktober 88“, erinnert sie sich noch ganz genau. Immer noch bekommt sie glasige Augen, wenn sie über diesen Verlust spricht. Ganz vergessen hatte die heute 73-Jährige den Ring nie, aber man müsse auch mal abschließen, sagt sie.

Dann kam der Tag im April dieses Jahres. Anna, ebenfalls ehemalige Schwester an der Haarer Klinik, war gerade in ihrem Schrebergarten beschäftigt. Seit zwei Jahren hat sie dieses Stückchen Erde angepachtet – im „Pflegergarten“, nahe der Krankenhauspforte. Mit einer ihrer Töchter hatte sie gerade überlegt, wo Zwiebeln, wo Kartoffeln, wo Gurken wachsen sollen, als sie plötzlich auf der Erde – mitten im Beet – etwas glitzern sah. „Eigentlich war es ein bewölkter Tag, aber da hat mal kurz die Sonne rausgeblinzelt“, erinnert sich Anna. Sie fischte das funkelnde Stück heraus. Es war ein goldener Ring. Mit Gravur. „Sebastian 14.9.61“ las sie. Und schnell kam sie auf eine Idee: Sebastian hieß der verstorbene Mann ihrer langjährigen Kollegin und Freundin Bärbel. Von der Tochter ihrer Freundin hatte sie vor vielen Jahren von dem Verlust des Eheringes erfahren, und wie betrübt die Mutter darüber gewesen wäre.

So griff Anna zum Telefonhörer. „Ich hab sie gefragt, wann sie eigentlich geheiratet hat“, erzählt die Gartlerin schmunzelnd. Ihre Freundin konnte sich auf diese Frage natürlich keinen Reim machen, teilte das Datum aber mit. „Dann hab ich deinen Ehering gefunden“, sagte Anna. Bärbel war baff. Und überglücklich. „Sie hat als erstes gesagt: Von welchem Stern kommt der denn her?“ Und auch Anna ist glücklich. „Ist das nicht ein toller Zufall? Da findet man so einen Ring – und weiß auch noch, wem der gehört!“

Doch wie kommt der Ring in Annas Beet? Der Lebensgefährte von Bärbel ist ein Hobbygärtner. Über 20 Jahre hat Manfred die Beete an der Leibstraße bewirtschaftet.

Dann gab der heute 76-Jährige seine Beete ab – allerdings noch nicht an Anna, sondern an einen anderen Hobbygärtner. Erst nach dessen Tod übernahm die Krankenschwester den Garten. Jetzt gibt es eine neue Theorie zum Ringverlust: Wahrscheinlich sei er 1988 im Kompost gelandet. „Den hab ich immer unter die Beete gemischt“, erklärt Manfred. Und warum ist er dann fast 25 Jahre lang nicht aufgetaucht? „Anna hat wohl mal so richtig ordentlich umgegraben“, sagt Manfred lachend. Den Ring hat Anna schön poliert, schön verpackt und dann ihrer Freundin im Rahmen einer Mozartmesse der Chorvereinigung in der Klinik- Kirche St. Raphael zurückgegeben. „Ich konnte mich kaum mehr auf das schöne Konzert konzentrieren, so gerührt war ich“, sagt Bärbel. Es wäre „eine Neuvermählung mit dem Ring“ gewesen. Den trägt sie jetzt natürlich wieder. Allerdings nun an der linken Hand. Vielleicht, weil er da dem Herzen noch näher ist.

Claudia Erl

Die irrsten wahren Geschichten der Welt

Die irrsten wahren Geschichten der Welt

Auch interessant

Meistgelesen

Hohenlindenerin kämpft mit weichen Bandagen
Hohenlindenerin kämpft mit weichen Bandagen
Münchner Wirt übernimmt Traditionsgaststätte
Münchner Wirt übernimmt Traditionsgaststätte
Schwerer Unfall auf der Flughafentangente: Skoda kracht in Mercedes 
Schwerer Unfall auf der Flughafentangente: Skoda kracht in Mercedes 
Supermarkt stellt diesen ganz besonderen Kühlschrank auf - und wird dafür gefeiert
Supermarkt stellt diesen ganz besonderen Kühlschrank auf - und wird dafür gefeiert

Kommentare