Verschuldeter Zocker begeht 14 Raubüberfälle

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Landkreis - Seine Spielsucht hat aus einem Kaufmann in gehobener Stellung einen Serien-Verbrecher werden lassen. Seit Montag muss sich der so genannte Drogeriemarkt-Räuber vor dem Landgericht München II verantworten.

Dem geständigen 40-Jährigen droht eine Haftstrafe von bis zu 12 Jahren.

Eigentlich ging es Ralf K. so richtig gut. Er war Abteilungsleiter in einem renommierten Münchner Modegeschäft, er hatte eine Freundin, einen Hund und eine schöne Wohnung. Doch dann wurde der 40-Jährige seiner Partnerin überdrüssig, er brauchte sie aber weiterhin als Hundesitterin. Um sich von der Situation abzulenken, begann er zu spielen.

Das war der Anfang vom Ende. Ralf K. brauchte immer mehr Geld. Er griff in die Firmenkasse, unterschlug insgesamt 110 000 Euro. Er wurde gefeuert, versuchte sich erfolglos als Energydrink-Vertreter. Einen Tag vor Silvester 2009 überfiel er schließlich mit vorgehaltener Schreckschusswaffe einen Supermarkt in Maisach und erbeutete knapp 16 000 Euro. Bis zum November 2010 sollte er insgesamt 130 000 Euro ergaunern.

Der Angeklagte sei nicht der brutale und gewaltbereite Täter, als den ihn die Anklage beschreibe, sagte die Verteidigung beim Prozessauftakt. Er habe sich in eine Lebenssituation manövriert, aus der er nicht mehr herausgefunden habe. Einmal will der Mann schon vor der Polizei in seinem Wohnort Gröbenzell gestanden haben, um sich zu stellen. Doch dann fehlte ihm der Mut dazu.

Nach seinem letzten Überfall auf einen Drogeriemarkt in Puchheim (Beute 12 000 Euro) flüchtete er bis nach Berlin. Er hatte aber den Fehler begangen, vor dem Überfall zu spät seine Maske überzuziehen. Von einer Überwachungskamera wurde er gefilmt, fortan gab es ein Phantombild. Als die Beamten in Berlin klingelten, machte er ahnungslos die Tür auf – er hatte Pizza bestellt und den Boten erwartet. Stattdessen klickten die Handschellen. Anschließend legte der 40-Jährige ein umfassendes Geständnis ab.

In der Verhandlung hinterließ er einen äußerst weinerlichen Eindruck. „Ich konnte nicht zugeben, dass ich gescheitert war.“ Seine aktuelle Partnerin wie auch die Familie ahnten nichts von seinem beruflichen Absturz und der Kriminalität. „Ich schämte mich zu Tode, ich wollte niemanden um Hilfe bitten.“ Da kam er auf die Idee mit den Überfällen. Die Schreckschusspistole besaß er angeblich schon seit einigen Jahren. Dass er den Verkäuferinnen, denen er bei Geschäftsschluss jeweils aufgelauert hatte, einen Riesenschreck einjagte, schien ihn weniger zu belasten. Der Prozess dauert an.

wal

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