Derbe Beschimpfungen und aggressives Verhalten

“Ich bin Satan und sauge dir das Blut raus“ - Stadtbekannter Verwirrter vor Gericht

„Gaudikrankenschwester“, „Mehlwurm“, „Flittchen“ – mit diesen Beschimpfungen hält Karl D. (57) die Bürger in der Amperstadt seit Jahren auf Trab. Nun prüft das Münchner Landgericht II, ob er dauerhaft in einer Psychiatrie sollte.

Fürstenfeldbruck– Am zweiten Prozesstag gab es Einblicke in skurrile Vorfälle, bei denen Karl D. Polizisten, Sozialarbeiter und seine Ehefrau bedroht, angegriffen und heftig beschimpft haben sowie Schnittlauchbrezen und 237 Postkarten geklaut haben soll. 

„Ich pass dich ab, wenn du hier rausgehst, hacke dir die Arme ab, enthaupte dich. Ich bin Satan und sauge dir das Blut raus“ - Im Zentrum der Verhandlung stand ein Vorfall von Mai 2014, bei dem Karl D. in der Brucker Obdachlosenunterkunft Teestube zwei dort tätige Sozialarbeiterinnen zu Tode geängstigt haben soll. „Er kam schon säuerlich rein“, sagt Romina R.. Weil ihn ein anderer Klient der Caritas-Teestube geschlagen haben und die Einrichtungsleiterin ihm aber nicht geholfen haben soll, rastete er damals aus. Er beschimpfte die Frauen und drohte, sie zu töten. Als eine von ihnen in ihr Büro floh und sich dort aus Angst vor D. einschloss, hämmerte er gegen die Scheibe, beschimpfte sie und schrie etwa zwanzig Mal „Ich töte dich“.

Polizeiauto vollgespuckt

„Teilweise hab ich schon einen Vogel“, gibt D. vor Gericht zu, als er mit den Vorwürfen konfrontiert wird. Dass sich seine Gemütslage wegen einer schizoaffektiven Störung schlagartig ändern kann, zeigte sich auch im Sitzungssaal. Saß D. im ersten Teil der Verhandlung zusammengekauert und fast schon unbeteiligt da, fährt er bei der Zeugenaussage einer jungen Polizistin, die ihn nach dem Vorfall im Mai 2014 festnahm, im zweiten Teil auf: „Eine Frau ist nur Mittel zum Zweck und hat nichts zu melden“. Die junge Gesetzeshüterin berichtet, dass D. auf der Polizeiwache in Fürstenfeldbruck bereits gut bekannt sei, er ihre Kollegin bei der Festnahme als „fette Ossischlampe“ beschimpft und ihr selbst „verschiedenste Mordfantasien“ mitgeteilt hätte. D. hätte dann das Polizeiauto vollgespuckt. Es musste für 115 Euro gereinigt werden.

Auch bei der Verlesung anderer Taten durch den vorsitzenden Richter regt sich D. auf. 2010 hatte er eine Schnittlauchbreze von einem Bäcker mitgenommen ohne zu bezahlen, 2013 bei einem Kiosk am Münchner Ostbahnhof drei Zeitschriften, ein Buch und 237 Postkarten mit gehen lassen. Der damals arbeitslose Mann, der für die Diebstähle mit verhältnismäßig hohen Geldstrafen belegt wurde, begründet seine Taten damit, dass er selbst bestohlen worden sei und jetzt einfach „zurückklaue“. Zuletzt aber wurde der 57-Jährige auch handgreiflich – gegen einen Bundespolizisten und eine Mitarbeiterin der Brucker Volkshochschule.

Julia Traut

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