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Hagelsturm zieht Spur der Verwüstung durch Landkreis - „Habe so etwas noch nicht erlebt“

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Von: Klaus-Maria Mehr

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Zerschmetterte Scheiben, Dellen an Autos und vollgelaufene Keller: Das Hagelunwetter am Donnerstagabend hat in Oberau eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.

Oberau – Peter Fink kann es immer noch nicht fassen: Erst Anfang der Woche hatte er in seiner Gärtnerei in Oberau einen Hagelschaden zu beklagen. Rund 60 Scheiben waren zu Bruch gegangen. Der Unternehmer fackelte nicht lange und baute eigenhändig neue Gläser ein. Doch kurz darauf am Donnerstag wurde die Traditionsfirma erneut von einem Unwetter heimgesucht – allerdings diesmal von einem wesentlich heftigeren.

Oberau: Gärtnermeister steht nach Unwetter vor Scherbenhaufen

Die bittere Bilanz: Fast alle Scheiben der Gewächshäuser, schätzungsweise 500 bis 600, wurden zerstört – ein Alptraum. „Das war massiv, alles hin“, sagt Fink. Auch die Pflanzen im Freien, ob nun Sträucher und Stauden, wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. „Das sieht aus, als ob jemand mit dem Maschinengewehr reingeschossen hätte.“ Jetzt muss sich ein Gutachter der Versicherung der Sache annehmen. Der Gärtnermeister bleibt zuversichtlich: „Das kann man alles ersetzen. Das Leben geht weiter.“ Alle Informationen zum aktuellen Wetter gibt es in unserem Wetter-Ticker für Bayern.

Der Oberauer Gärtnermeister Peter Fink blickt auf seine zerstörten Gewächshäuser.
Der Oberauer Gärtnermeister Peter Fink blickt auf seine zerstörten Gewächshäuser. © Thomas Sehr

Als am frühen Donnerstagabend eine Gewitterfront über den bayerischen Alpenraum hinwegzog, erwischte es Oberau besonders stark (wir berichteten). Gegen 17 Uhr entlud sich ein mächtiges Hagelunwetter über der rund 3200 Einwohner starken Loisach-Gemeinde. Betroffen davon war auch – etwas abgeschwächter – der Ortsteil Garmisch.

In Oberau hämmerten etwa 20 Minuten lang die mitunter mehr als golfballgroßen Eiskörner gegen alles, was sich ihnen in den Weg stellte – und richteten einen gewaltigen Schaden an. Eine konkrete Summe ist zwar nicht bekannt, aber Wiederaufbau und Reparaturen dürften ordentlich ins Geld gehen. Das einzig Positive: Verletzt wurde offenbar niemand.

Sturm richtet erhebliche Schäden in ganz Oberau an

„Ich habe sowas noch nicht erlebt“, berichtet Feuerwehr-Kommandant Florian Schindlbeck. Seinen Angaben zufolge wurden reihenweise Fenster, vorwiegend auf den Dächern, demoliert – auch an größeren Immobilien wie der Langmatz-Werkhalle, der Pfarrkirche, der Schule und der Turnhalle. Wer sein Auto nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen können, wird sich an die Versicherung wenden müssen. Denn der Hagel hinterließ unzählige Dellen, es brachen sogar ganze Windschutzscheiben.

Hagelkörner so dick wie Tischtennisbälle und flutartiger Regen suchten Oberau am Donnerstagabend heim.
Hagelkörner so dick wie Tischtennisbälle und flutartiger Regen suchten Oberau am Donnerstagabend heim. © Dominik Bartl

Die örtliche Feuerwehr, die Unterstützung von ihren Kollegen aus Farchant und Partenkirchen erhielt, war stundenlang unterwegs. Etwa um offene Fenster provisorisch mit Planen abzudichten. Schindlbeck zählte 30 Einsätze, die die rund 70 Kräfte absolvierten. Erst am späten Abend war für sie Feierabend.

Am darauffolgenden Freitag mussten Rest- und Aufräumarbeiten erledigt werden. Die Pumpen liefen ununterbrochen. So drang das Wasser in die Aldi-Filiale ein. Und in der Unterführung für Fußgänger und Radfahrer an der Bundesstraße stand es zwei Meter tief. Doch die Oberauer lassen sich auch in Extremsituationen nicht unterkriegen: „Da hält der ganze Ort zusammen“, berichtet Schindlbeck.

Nach Hagel-Schauer in Garmisch: Feuerwehr stundenlang beschäftigt

Die Feuerwehr Garmisch musste mit 30 Mann 27-mal ausrücken, wie Kommandant Peter Gröbl berichtet. Dass es in kurzer Zeit so heftig hagelt, sei für ihn neu gewesen. Auch Gröbls Mannschaft war mehrere Stunden damit beschäftigt, die Folgen des Unwetters zu beseitigen. Zu ihren Einsatzorten zählte auch das Einkaufszentrum GEP, wo ein Plexiglas-Dach dem heftigen Niederschlag nicht standhielt.

Wie die Polizei mitteilt, musste sogar der Tunnel Farchant kurzzeitig gesperrt werden, da Verkehrsteilnehmern den Röhren Schutz suchten.

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