Augenzeugen in Angst

Video: Güterzug quert B 15 bei offenen Schranken

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Keine Gefahr, die Bahn: Der Güterzug fährt über den B 15-Bahnübergang, obwohl die Schranken geöffnet sind und keine Warnlichter blinken.

In Dorfen ist am Bahnübergang der B 15 ein Güterzug bei geöffneten Schranken durchgefahren. Augenzeugen gerieten in Angst und glaubten an ein gefährliche Situation. Doch der Vorfall ist laut Aussagen der Bahn harmlos.

Dorfen - Josef Schmederer hat das Bild bis heute im Kopf. Mit seinem Oldtimer-Traktor Massey Ferguson fuhr der 64-jährige Rentner am Freitagabend kurz nach 18 Uhr auf der Bundesstraße 15 den Hausmehringer Berg hinab. Zu dem Zeitpunkt herrschte reger Verkehr auf der B 15. Doch da die Bahnschranken offen standen, gab es keinen der sonst üblichen Staus an der Stelle. Schmederer war ungefähr noch 20 Meter vom Bahnübergang entfernt, als die vor ihm fahrenden Autos plötzlich abbremsten. Der Dorfener hörte daraufhin ein lautes Hupen. Kurz später querte ein langer, unter anderem mit Autos und Holzstämmen beladener Güterzug den Bahnübergang. Da weder die Schranken geschlossen, noch die Warnlichter über den Andreaskreuzen blinkten, war für Schmederer klar: hier läuft etwas schief. Er griff nach seinem Handy und konnte einen Teil des durchfahrenden Zuges auf Video festhalten.

Fordern einen Bahntunnel für Dorfen: Josef Schmederer (r.) und BI-Sprecher Georg Brandhuber.

Die Deutsche Bahn hat gestern den Vorfall bestätigt, gleichzeitig aber darauf hingewiesen, dass zu keinem Zeitpunkt Menschen in Gefahr gewesen seien. Zum fraglichen Zeitpunkt habe es in der Tat eine kurzfristige Bahnübergangsstörung gegeben, so ein Bahnsprecher. Der Fahrdienstleiter habe daraufhin mit dem Lokführer Kontakt aufgenommen und diesem nach den einschlägigen Regeln der Eisenbahn-Betriebsordnung den „Befehl 8“ gegeben. Dieser besage, dass sich der Zug nur in Schrittgeschwindigkeit und bremsbereit nähern dürfe und vor dem Bahnübergang anhalten müsse. Erst nach Abgabe sogenannter „Achtungspfiffe“ dürfe der Zug dann langsam den Bahnübergang queren.

Das Video Schmederers allerdings zeigt, dass der Zug wesentlich schneller als nur in Schrittgeschwindigkeit unterwegs war. Daher glaubt der Dorfener, dass die Situation keineswegs so ungefährlich war, wie dies die Bahn darstelle. Für den Rentner steht daher fest, dass die Forderungen der Bürgerinitiative nach einer Tieferlegung der Gleise vollauf gerechtfertigt seien. Es gehe beim anstehenden zweigleisigen Bahnausbau München-Mühldorf nicht nur um städteplanerische Aspekte, sondern vor allem auch um die Sicherheit.

Das untermauert auch Georg Brandhuber, der Gründer und Sprecher der Bürgerinitiative. „Die Bahn gehört in den Tunnel, dann gibt es keine überirdischen Gefahrenquellen mehr“, fordert er.

Der Vorfall auf der vielbefahrenen Bahnstrecke ist kein Einzelfall. 2015 rauschten innerhalb weniger Wochen sechs Mal Züge mit über 100 Stundenkilometer durch Wasentegernbach – und jedesmal standen die Bahnschranken offen. Dass auch damals niemand zu Schaden kam, ist fast unglaublich. Wütende Bewohner machten schließlich der Bahn mächtig Druck, auch über Politiker. Die DB Netze installierten Monate später eine elektromagnetische Überwachungsanlage

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