Viel Aufregung um nackte Tatsachen

Die Nackerten sorgen in Isen für Aufregung

Isen – Dass sich nackte Schauspieler auf Bühnen in Großstädten wie Berlin und München tummeln, ist nichts Ungewöhnliches mehr. Nackerte auf einer Laienbühne auf dem Land hingegen schon.

In Isen sorgt derzeit das Rockmusical „Vita Semper“ mit nackten Tatsachen für Aufsehen.

Das Musical von Susanne Fehmer und Albert Zimmerer, auf die Bühne vom Theaterverein Isen gebracht, dreht sich um den alten Menschheitstraum der ewigen Jugend. Gezeigt wird die Kehrseite des Jugendwahns: Langeweile, Ereignislosigkeit und Verfall von Moral. Letzteres wird von der Punkband „Kuriositätenpuff“ dargestellt: sie rocken nackt auf der Bühne.

Wer deswegen aber einen Sturm der Entrüstung erwartet, wurde bislang enttäuscht. Der Großteil der Zuschauer gröhlte angesichts der nackten Tatsachen. Nur einige Zuschauer zeigten sich nach der Vorführung „über die bedenkenlose Zurschaustellung männlicher Geschlechtsorgane“ empört. Vor allem deshalb, weil im Publikum auch Kinder saßen.

Die Frage, ob die Nackerten in dem Musical dramaturgisch notwendig waren, beantworten die Theatermacher mit Ja. Sie wollten zeigen, wie die Moral der Unsterblichen den Bach hinuntergeht, erklärt dazu Albert Zimmerer.

Emotionslos sieht die Isener Kulturreferentin Eva Pfennig die Nackerten: „Es war unnötig, aber die Punkband wollte wohl provozieren. Die Szene war aber nicht obszön, ich habe das daher auch nicht als Skandal empfunden.“ Auch Bürgermeister Siegfried Fischer sieht keinen Grund, „sich großartig zu empören“. Zwar ist auch der Gemeindechef der Meinung, dass sich die Theatermacher die „Nacktszenen hätten sparen können“, aber das falle wohl in die „künstlerische Freiheit“.

Pfarrer Josef Kriechbaumer hat das Stück selbst nicht gesehen. Er findet Nackerte auf einer Laienbühne „nicht unbedingt das Ideale“, will sonst aber zu dem „Schmarrn“ nichts sagen.

In Isen scheint man aus der Vergangenheit klug geworden zu sein. Vor Jahren sorgte die Künstlerin Dorothea Seror, die heute in München lebt, für einen handfesten Skandal. Sie malte damals die Isener Wappenfigur „Eirine“, eine Meerjungfrau, nackt. Ein Sturm der Entrüstung brach über die Künstlerin herein. In der Folge gab es einen langen Streit über künstlerische Freiheit, Anstand, Sitte und Moral. Aber die, das zeigt das Rockmusical „Vita Semper“, ist ja den Bach hinuntergegangen...

Anton Renner

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