Viele wundern sich über Chaos: Früher hat’s doch auch geschneit!

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Sobald ein bisserl Schnee liegt, durchzieht eine Blechlawine – wie hier am McGraw-Graben – die Stadt.

München - Es ist schon komisch: Seit Wochen weiß der Münchner, dass Winterwetter herrscht. Dann fallen ein paar Flocken – und prompt geht gar nichts mehr auf den Straßen und Schienen.

Nicht nur die älteren Münchner schütteln die Köpfe: Früher hat es doch auch geschneit, und da ging’s doch auch. Die tz begibt sich auf Spurensuche, warum eine moderne Großstadt den Winter einfach nicht in den Griff kriegt.

Wie immer gab es bei Bussen und Trambahnen Verspätungen. „Das liegt meist am Straßenverkehr“, sagt Christian Miehling von der MVG. Denn wenn sich Autos in Kreuzungsbereichen oder auf den Trambahn-Gleisen quer stellen, dann kommt auch die Bahn nicht mehr durch. Und gerade im Winter scheinen mehr Menschen auf das Auto umzusteigen. Bei der S-Bahn führten Weichenstörungen in Röhrmoos (S2) und in Weßling (S8) zum Teil zu stundenlangen Verzögerungen.

Bilder: Lkw auf A9 gekippt

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Auf der Straße kam’s ganz dicke: 40 Kilometer stockender Verkehr auf der A9 von Langenbruck nach Garching, 20 Kilometer zäh auf der A96 zwischen Landsberg und Greifenberg. In München musste die Lerchenauer Straße wegen Glatteis 15 Minuten komplett dicht gemacht werden, die Feldmochinger Straße war eine halbe Stunde gesperrt. Oft waren Unfälle für die Staus verantwortlich: Die Polizei zählte bis 13 Uhr 110 Unfälle mit 18 Verletzte. Auf der A8 kam es in Richtung München zwischen Sulzemoos und Dachau zu insgesamt acht Auffahrunfällen, in die 24 Pkw verwickelt waren. Fünf Personen wurden leicht verletzt. Auch in München kam es bis 12 Uhr zu 56 Unfällen.

Karambolage auf der A8: BMW rast unter Anhänger

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Warum aber dieses Chaos? Der ADAC spricht von der „unheiligen Allianz“, die jeden Verkehr zum Erliegen bringe: Abends feuchte Straßen, nachts ein Überfrieren und schließlich Schnee darauf. Am Sonntag war es bis Mitternacht mit 0 Grad noch mild gewesen, so Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst. Dann peitschte kalte Polarluft mit Schnee nach Bayern. Innerhalb weniger Stunden hatte es minus 6 Grad! Das Ergebnis: Glatteis und darüber eine Schneedecke, die das Eis verdeckte.

Sind die Autofahrer depperter als früher?

Selbst auf den Straßen, auf denen sich keine Unfälle ereigneten, ging es – wie so oft – kaum voran. Sind die Autofahrer etwa depperter als früher? Otto Saalmann, Stauexperte beim ADAC: „Viele sind unsicherer als etwa vor zehn Jahren. Auch weil man wegen des technischen Komforts daran gewöhnt ist, dass das Auto alles regelt – aber bei gewissen Witterungsbedingungen schlittert irgendwann jedes Auto. Dann gerät der Fahrer in Stress.“ Ein weiterer Grund ist das Verkehrsaufkommen: So gab es etwa 1991 nur 27,3 Millionen zugelassene Pkw in Deutschland, heuer sind es 46,6 Millionen.

Am Montag kam laut Saalmann erschwerend hinzu, dass sich die Autofahrer wegen des stündlich ändernden Wetters ständig auf eine neue Oberflächenbeschaffenheit einstellen mussten. Vielerorts war der Winterdienst überfordert. Etwa in und um Erding, wo sich laut Straßenmeisterei hartnäckige Eisplatten dem Streusalz zunächst widersetzten. Auf der A9 war der moderne Straßenbelag schuld: Die Poren sorgen bei Freising dafür, dass der Schall geschluckt wird. „Allerdings versickern auch die Enteisungsmittel regelrecht“, sagt Nikolaus Bischof von der Verkehrspolizei Freising.

In den kommenden Nächten kann das Thermometer auf bis zu minus 15 Grad sinken. Einen Vorteil hat’s: Der Autofahrer kann sich darauf einstellen, dass es glatt bleibt.

NBA/VAM

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