Drama um Vielseitigkeitsreiter

Hans-Heinrich H.: Sein Pferd kehrte allein zum Hof zurück

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Nach einem Sturz in die Moosach kam Hans-Heinrich H. ums Leben.

Freising - Tragisches Ende eine Reitunfalls im Freisinger Moos! Hans-Heinrich H. (57) ist am Montag nicht mehr von einem Ausritt zurückgekehrt. Der deutschlandweit bekannte Vielseitigkeitsreiter war in die Moosach gestürzt und tödlich verunglückt.

Es ist Montagmorgen, als Hans-Heinrich H. (57) sein Pferd sattelt. Draußen nieselt es leicht. Doch der erfolgreiche Sportler, der in der Gemeinde Neufahrn einen eigenen Reitstall betreibt, will sich seinen Ausritt vom Wetter nicht vermiesen lassen. Nein, hunderte Male war er schon bei Regen unterwegs. Als Vielseitigkeitsreiter ist er das gewohnt. Und so steigt Heiner, wie ihn seine Freunde nennen, auf und galoppiert über Feldwege Richtung Freising – die Moosach entlang. Es ist sein letzter Ausritt. Gut drei Stunden später kehrt sein Pferd alleine zum Reiterhof zurück – und Heiner H. ist tot.

Das Drama an der Moosach schockt die gesamte Reiterszene. Denn Heiner H. kennt hier jeder. Seit gut 50 Jahren betreibt seine Familie den bekannten Hof zwischen Freising und Neufahrn. Im Jahre 2009 gewann der beliebte Sportler unter anderem die oberbayerischen Senioren-Meisterschaft im Vielseitigkeitsreiten. „Er war ein unglaublich guter Reiter“, sagte ein Familienfreund gegenüber der tz. „Dass er nun plötzlich nicht mehr lebt, ist für uns alle ein Schock.“

Hans-Heinrich H. (57).

Was war nur genau passiert? Als das Pferd Montagmittag plötzlich alleine vor dem Stall steht, alarmiert Ehefrau Renate sofort die Polizei. Eine groß angelegte Suchaktion läuft an. Rund 50 Retter marschieren los, um nach ihm zu suchen. Auch die Rettungshundestaffel und die Wasserwacht sind im Einsatz. Vielleicht liegt der Bayer ja irgendwo verletzt im Unterholz! Das Problem ist: Die Gegend rund um die Moosach ist dicht mit Bäumen und Büschen bewachsen, vielerorts gibt es kaum ein Durchkommen.

Um kurz vor 15 Uhr finden die Einsatzkräfte dann eine erste Spur – direkt am Flussufer: Hufabdrücke im Schlamm. Die Suche wird auf diesen Bereich eingeengt. Wenig später dann die traurige Gewissheit: Heiners Leiche liegt im hüfthohen Wasser der Moosach. Jede Hilfe kommt zu spät.

War der dreifache Vater mit seinem Pferd durch den Fluss galoppiert und dabei schwer gestürzt? Tatsache ist: Vielseitigkeitsreiter trainieren genau diese Aktion, da sie in Wettkämpfen oft gefordert wird. Aber: Heiner H. hatte keine schweren äußerlich sichtbaren Verletzungen – also keine Kopfwunde beispielsweise. Ein Helm wurde am Unfallort übrigens nicht gefunden. Hatte er keinen auf oder war dieser von der Strömung fortgeschwemmt worden? Ein Rätsel! Vielleicht hatte der 57-Jährige aber auch einen Schwächeanfall und fiel dann bewusstlos in das seichte Wasser. „Wir wissen auf jeden Fall, dass hier kein Fremdverschulden vorliegt“, so ein Polizeisprecher zur tz. Heißt: Es wird somit keine Obduktion der Leiche geben und es wird vielleicht nie zu klären sein, was genau geschah.

Die Trauer um den Sport-Reiter, der auch bei internationalen Springturnieren Erfolge feierte, ist groß: Heiner H. wurde von vielen bewundert, war wegen seiner Hilfsbereitschaft überall beliebt. Und er war ein Kämpfer. „Im Jahre 2007 wurde er von einem Pferd direkt ins Genick getreten“, erzählt ein Freund. „Das war eine schwere Zeit. Er war schwer verletzt, musste für lange Zeit ins Krankenhaus.“

Viele glaubten damals, der Vater von drei erwachsenen Kindern werde nie wieder auf einem Pferd sitzen können. „Doch er kämpfte sich zurück, trainierte wie wild.“ Mit Erfolg. Nach der Genesung bestritt der leidenschaftliche Pferdenarr wieder Turniere. Alles war wieder in Ordnung – bis Montagmorgen.

Auch im Internet ist die Trauer groß, Freunde des Toten schrieben die ergreifenden Worte: „Jetzt müssen wir für seine Frau und Kinder da sein. Sie brauchen uns jetzt.“

Armin Geier

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