Mehrere Zwillingspaare in einer Klasse

Vier doppelte Viertklässler

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Vier mal zwei: Die Lehrer der Klasse 4a in Pliening müssen ganz genau hinschauen – sie haben vier Zwillingspaare in der Klasse: Andrea und Julia Weber (links oben), Clara und Paula Eckl (rechts oben), Samuele und Nicolo Panizza (links unten) sowie Minerva und Maxima Schwarz (rechts unten).

Pliening – In der 4a in Pliening im Kreis Ebersberg müssen die Lehrer ganz genau hinschauen. Denn dort sehen sich ungewöhnlich viele Kinder ähnlich. Vier Zwillingspaare besuchen dieselbe Klasse – da sind Verwechslungen unvermeidlich.

Das Jahr 2004: Horst Köhler ist Bundespräsident, Griechenland Fußball-Europameister, der Siebenschläfer ist Tier des Jahres, in Irland tritt das weltweit erste Rauchverbot in Kraft – und bundesweit gibt es 25 100 Mehrlingsgeburten. In der 4500-Seelen-Gemeinde Pliening im Landkreis Ebersberg dürfte die Dichte damals besonders hoch gewesen sein. Dort kamen 2004 Clara und Paula Eckl, Minerva und Maxima Schwarz, Andrea und Julia Weber sowie Nicolo und Samuele Panizza auf die Welt. Allesamt zweieiige Zwillinge. Alle vier Zwillingspaare gehen seit dem ersten Schultag in dieselbe Schule. Sogar in dieselbe Klasse. Eine kleine Herausforderung für Lehrer und Mitschüler.

„Es kommt schon oft vor, dass uns die Lehrerinnen verwechseln“, erzählt Clara und lacht. „Mei, mir passiert das auch immer wieder“, gibt Schulleiter Peter Bachmeier schmunzelnd zu. Aber die acht Zwillingskinder schwören: Ausgenutzt haben sie es noch nie, dass sie sich so ähnlich sehen. „Wir haben nie bei Hausaufgaben oder im Unterricht betrogen“, sagen sie. Dass sich der eine statt des anderen meldet – sowas gibt’s nicht in der 4a in Pliening.

Clara, Paula, Minerva und Maxima kennen sich schon seit dem Sandkasten. Als Kinder und Eltern am ersten Schultag ins Klassenzimmer kamen, war das Hallo groß: Im Klassenzimmer saßen zwei weitere Zwillingspaare – Andrea und Julia Weber aus dem Ortsteil Gelting sowie Nicolo und Samuele Panizza, deren Eltern aus Italien stammen, aber seit 14 Jahren in Pliening leben.

Der damalige Schulleiter war derart begeistert, vier Zwillingspaare in einem Jahrgang zu haben, dass er sie alle in eine Klasse steckte. Die Eltern hatten damit keine Probleme, die Kinder sowieso nicht. Jetzt sind die Acht in der vierten Klasse. Der ehemalige Schulleiter ist in Pension, sein Nachfolger Peter Bachmeier muss oft über die Zwillingsklasse schmunzeln. Zum Beispiel jetzt, als es darum geht, ob einer der Zwillingsbuben schon einmal in eines der Zwillingsmädchen verliebt war. Und falls ja, hat schon mal die Falsche ein Busserl bekommen? „Wuaaaaaah!“ Gelächter, Gekreische, „Iiiih, Mädchen!“, „O mein Gott!“. Die beiden Buben sind fassungslos, Clara meldet sich zu Wort: „Bevor ich mich im Klassenzimmer neben einen Buben setze, setze ich mich lieber neben meine Schwester!“ Nicolo und Samuele scheinen trotz ihrer südländischen Wurzeln noch keinen Charme zu versprühen. Sie haben vor allem ihr Fußballtraining im Kopf – ganz normale Viertklässler eben. Nur dass in der 4a in Pliening eben viele gleich aussehen.

Das heißt aber nicht, dass sie auch immer das Gleiche tun, so wie man es von Zwillingspaaren vielleicht erwarten würde. „Ich habe auch meine eigenen Freundinnen“, erzählt Clara. Paula stimmt ihr zu: „Meine Schwester sehe ich ja schon den ganzen Vormittag in der Schule“. Nachmittags trifft sie sich lieber mit anderen. Allerdings, eines ist bei den beiden doch fast gleich: die Noten. „In acht von neun Fächern haben sie dieselben Noten“, sagen die Eltern Brigitte und Josef Eckl.

Bei den drei anderen Zwillingspaaren gibt’s mehr Unterschiede. Deshalb werden sich die Wege der vier Zwillingspaare nach der Grundschule teilweise trennen. Während die Eckl- und die Schwarz-Mädchen gemeinsam in dieselbe weiterführende Schule gehen werden, müssen sich Andrea und Julia Weber sowie Nicolo und Samuele Panizza im September erstmals allein durchschlagen. Sie werden getrennt von ihrem Zwilling in einer anderen Schule sein. „Das wird schon spannend“, sagt Paola Panizza, die Mutter der beiden Buben. Elisabeth und Josef Weber nicken zustimmend. Ihre Tochter Julia sagt leise: „Das wird komisch.“ Dann blickt sie ihre Schwester Andrea an, dann schauen die beiden zu ihren Eltern.

Samuele wird langsam ungeduldig, er will zum Fußballtraining. Wer weiß, vielleicht wird der leidenschaftliche Fußballspieler seine große Liebe ja doch irgendwann einmal unter den sechs Zwillingsmädchen finden. Fünf von ihnen lieben Pferde, Reiten und Bücher, nur eine hat eine ganz andere Leidenschaft: Minerva Schwarz spielt Fußball in einer Mädchenmannschaft und sammelt zur Weltmeisterschaft Panini-Bildchen – die tauscht sie in der Pause mit den Jungs. Natürlich auch mit Nicolo und Samuele. Manchmal sind die Gemeinsamkeiten sogar familienübergreifend.

Armin Rösl

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