Vierkirchen trauert um Josef Wagner

Gründer von berühmter Firma gestorben

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Vierkirchens Ehrenbürger Josef Wagner ist gestorben.

Josef Wagner war nicht nur Gründer des bekannten Sportschuh-Labels Hanwag, er sorgte trotz Schicksalsschlag auch dafür, dass der Firmensitz bis heute in Vierkirchen liegt. Jetzt ist er gestorben.

Vierkirchen/Weichs – Der Wagner Sepp, wie er von allen genannt wurde, war als Schuhfabrikant ein Unternehmer mit Leib und Seele. Bei all den vielen Aufgaben war seine soziale Ader stets unverkennbar.

In der 1921 eröffneten Schuhfabrik seines Onkels Hans Wagner erlernte der junge Sepp einst das Schuhmacherhandwerk. Ab 1949 entwickelte er in der renommierten Sportschuhfabrik Hanwag Modelle für Ski- und Bergschuhe. Bis 1993 führte Wagner den Betrieb mit großem Erfolg.

Ein schwerer Schicksalsschlag war für Wagner, als 2003 seine jüngere Tochter Annemarie starb, die teilweise schon gemeinsam mit dem Vater die Geschäftsführung innehatte. Ende 2004 wurde der Betrieb an den schwedischen Konzern Fenix Outdoor übergeben, mit der Bedingung, dass der Hanwag- Firmensitz am Ort erhalten bleibt. Dies wurde und wird heute noch Wagner in Vierkirchen hoch angerechnet. So lange es ging, besuchte er nahezu täglich „seinen“ Betrieb und schaute, wie es den Mitarbeitern ging.

Auch wenn Josef Wagner beruflich immer sehr eingespannt war: Er engagierte sich auch stark für das Gemeinwohl. Ganze 50 Jahre war er Vorsitzender und auch großzügiger Gönner des Sportclubs Vierkirchen. Der Verein lag ihm besonders am Herzen. Dort hatte er einst auch selbst Fußball gespielt. Nicht umsonst wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Außerdem gehörte das Fußballerherz dem FC Bayern, bei dem er eine schon historisch niedrige Mitgliedsnummer und auch eine Jahreskarte hatte.

Auch politisch war das Vierkirchner Original aktiv. Als Gründungsmitglied des CSU-Ortsverbandes saß Wagner von 1966 bis 1990 im Gemeinderat und war von 1972 bis 1990 zugleich zweiter Bürgermeister und Kreisrat. Im Jahr 1996 wurde er zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt. Später überreichte ihm der damalige Bürgermeister Heinz Eichinger auch noch die Bürgermedaille in Gold.

Auch wenn Wagner auf einem Anwesen in Weichs wohnte, wo seine Frau Käthe (geborene Fischer) herstammt, schlug sein Herz immer für Vierkirchen. Der Ort war seine Heimat, hier fühlte er sich zu Hause. Durch seine geradlinige und zugängliche Art mochte er die Leute, und die Leute mochten ihn. Fast in allen örtlichen Vereinen war er gern gesehenes Mitglied. Noch mit gut 90 Jahren spielte der Sepp regelmäßig mit seinen Sportfreunden ein Tennisdoppel. Tennis war seine zweite sportliche Leidenschaft. Leider war dies vor vier Jahren durch eine schwere Krankheit nicht mehr möglich. Zu Hause war er auf Pflege angewiesen.

Im Pro Seniore Wohnpark in Ebersbach schloss Josef Wagner im Alter von 96 Jahren für immer die Augen. Um den Verstorbenen trauern neben vielen früheren Weggefährten in den verschiedensten Gremien und Funktionen insbesondere seine Frau Käthe, mit der er seit 1951 glücklich verheiratet war, und seine Tochter Margot. 

Altbürgermeister Heinz Eichinger (SPD): „Als junger Bursch’ habe ich den Sepp bereits 1972 bei der gemeinsamen Tätigkeit im Gemeinderat und anschließend bei unserem Engagement für den Sportclub Vierkirchen kennen und schätzen gelernt. Ich erlaube mir zu behaupten, wir verstanden uns sehr gut, trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit. Er prägte wie kein anderer das Vereins- und Gemeindeleben in Vierkirchen. In seiner unglaublich langen Ära als SCV-Vorsitzender wurde u.a. das tolle Vereinsgelände mit Sportheim geschaffen. Ein Vierteljahrhundert leistete er hervorragende, sachbezogene, ausgleichende und überparteiliche kommunalpolitische Arbeit, ein Vorbild für mich, ich profitierte davon. Josef Wagner war ein leuchtendes Beispiel dafür, dass persönlicher Ehrgeiz im privaten Bereich und Einsatz für das Gemeinwohl keine Gegensätze sind. Er war ein Baumeister, ein Weichensteller und herausragender Repräsentant unserer Gemeinde. Sein Name wird stets für großartige unternehmerische, kommunalpolitische und ehrenamtliche Erfolge stehen. Unser Sepp wird zu Recht immer ein Stück Vierkirchner Geschichte bleiben.“

Bürgermeister Harald Dirlenbach (SPD): „Josef war für mich ein freundlicher, ruhiger und gutherziger Mensch, der mit seiner Art und Weise, Sachverhalte zu erfassen, zu analysieren und zu kommentieren, auch Vorbildfunktion für mich hatte. Er brachte es fertig, einen diskussionserfüllten Raum allein mit seiner Wortergreifung in sofortige Aufmerksamkeit zu hüllen und die Zuhörer an seine Lippen zu bannen.“

Vergessen wird man den Wagner Sepp sicher so schnell nicht, denn er hat viele Spuren hinterlassen. Im Geschichtsbuch der Gemeinde wird er sicherlich einen besonderen Platz finden.

nef

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