Große Serie: Münchner Polizeiinspektionen

Villen, Film & Isar: Mit der PI 32 unterwegs 

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Die Isar ist die Schlagader des Reviers der PI 32. 

Der Münchner Merkur und die tz starten ihre große Serie über die Münchner Polizei. Brennpunkte, Schwerpunkte und kuriose Fälle: Wir haben das für jedes Viertel zusammengefasst. Diesmal geht es vor die Stadtgrenze, nämlich ins Isartal von Grünwald bis nach Schäftlarn.

Grünwald - Unfälle, Lärm und Müll: Vor allem die Freizeitsportler an der Isar bereiten der Polizei in Grünwald viel Arbeit. Auch Einbrecher sind im bundesweit bekannten Villen-Vorort unterwegs. Eine Besonderheit ist die Polizeiwache in Pullach. Wir begleiteten den Chef der Inspektion, Andreas Aigner, und zwei seiner Kollegen auf einer Rundfahrt durch ihr Revier. 

Die Isar ist die Schlagader des Inspektionsbereichs der Polizei in Grünwald. Hier pulsiert das Leben, das den Beamten die meiste Arbeit beschert – vor allem im Sommer. Die Menschen grillen, baden, fahren mit dem Floß oder mit dem Fahrrad. Die Kehrseite der Freizeit-Beschäftigungen sind Lärm, Müll und Unfälle. „Wir haben hier zunehmend Probleme mit unvernünftigen Radfahrern“, erzählt Andreas Aigner, Leiter der Inspektion 32. „Jedes Jahr verletzen sich fünf oder sechs Mountainbiker in den Isartrails sehr schwer.“

Polizeioberkommissar Richard Müller (li.) ist in den Isarauen im Gespräch mit Mountainbikern.

Die Zahl der Radl-Unfälle steigt

Immer mehr Biker lebten den Sport exzessiv aus und führen auch abseits der freigegebenen Wege, sagt Aigner. 750 Unfälle registrierte die Polizei im Jahr 2016 in ihrem Zuständigkeitsbereich. 65 Radfahrer verletzten sich bei Zusammenstößen oder alleine. „Die Zahl ist zwar zurückgegangen, vor ein paar Jahren waren es noch über 1000 – aber jeder Unfall ist einer zu viel.“ Immer wieder versuche die Polizei, Radfahrer zur Vernunft zu bringen, die auf verbotenen Wegen unterwegs sind und die Natur schädigen. Manchmal fällen Radler sogar Bäume, um daraus Schanzen zu bauen, oder heben Gruben aus. „Wichtig ist uns das persönliche Gespräch mit den Radlern“, betont Aigner. „Die meisten sind einsichtig“, sagt auch Polizeioberkommissar Richard Müller (52). Allerdings gebe es skrupellose Radl-Rambos, die sich sogar an Rettungssanitätern vorbeidrängeln, die gerade einen verletzten Radler versorgen. 

Bilder: Mit der PI 32 auf Streife im Isartal

Immer wieder müssen auch Grillfreunde im Isartal zur Vernunft gebracht werden. „Die Leute machen oft an Stellen Feuer, an denen es verboten ist“, sagt der 32-jährige Polizeiobermeister Thomas Rückert und deutet auf einen schwarzen Fleck. Hier wurde vermutlich vor nicht allzu langer Zeit noch Stockbrot geröstet. „Die Bäume sind zu nah, es besteht die Gefahr eines Waldbrands“, betont Rückert.

Die Beamten sind häufig an derIsar unterwegs. Unten inspizieren sie eine Stelle, an der gegrillt wurde.

Auch die Wassersportler rufen die Polizei immer wieder auf den Plan. So wie vergangenes Jahr im August die vier Schlauchbootfahrer, die auf der Isar in Baierbrunn kenterten. Die Polizei mutmaßte damals, dass ein unter der Wasseroberfläche treibender Baumstamm das Boot kurz nach Schäftlarn zum Umkippen brachte. „Manche sind mit ihren 9,95-Euro-Schlauchbooten auf der Isar unterwegs“, ärgert sich Aigner. „Das ist einfach gefährlich.“

Viel Arbeit bereiten der Polizei in Grünwald immer noch Einbrüche – auch wenn die Zahl in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Registrierten die Beamten in Grünwald im Jahr 2013 noch 93 Einbrüche in Wohnhäuser, waren es 2016 nur noch 33. „Die Bürger hier sind sensibilisiert“, folgert Aigner.

Die Promi-Dichte ist hoch

Es ist kein Geheimnis, dass in Grünwald, dem noblen Vorort von München, etliche Prominente und Reiche wohnen. „Wir machen hier aber überhaupt keinen Unterschied zwischen Promis und den anderen Bürgern“, betont Aigner. Die Kriminellen hingegen vermuten, dass sie in den exklusiven Wohngegenden auch hochwertige Beute machen können. Grünwald ist eine der reichsten Gemeinden Deutschlands. Auch Pullach ist ein beliebtes Ziel der Kriminellen. Um sich vor Einbrechern zu schützen, lassen viele Bürger im Zuständigkeitsbereich der Inspektion Alarmanlagen installieren. „Vor etwa 15 Jahren mussten wir sehr oft ausrücken, weil eine Anlage ohne vernünftigen Grund losging“, berichtet Aigner. „Das ist mittlerweile nicht mehr so.“ Noch immer hätten viele Reiche und Prominente Alarmanlagen in ihren Villen. „Aber die Qualität ist besser geworden.“

Viel Arbeit bereiten den Beamten der PI 32 Einbrüche. Thomas Rückert zeigt in einer Straße in Grünwald Präsenz.

Warum Roque Santa Cruz sich persönlich vorstellte

An einen bekannten Fußballspieler, der in seinem Zuständigkeitsbereich wohnte, erinnert sich der Chef der Inspektion immer noch gerne. „Als Roque Santa Cruz hierher zog, kam er bei uns vorbei und stellte sich vor“, berichtet Aigner und schmunzelt. „In Paraguay ist das so üblich, dass alle, die neu in eine Stadt oder einen Ort kommen, sich bei der zuständigen Inspektion vorstellen.“ Und da der Vater von Roque Santa Cruz bei der Polizei in Paraguay arbeitet, kannte dieser sich mit den Regeln besonders gut aus.

Gravierende Verbrechen geschehen im Verbreitungsgebiet der PI 32 selten. Zuletzt erschütterte im Jahr 2012 ein Eifersuchtsdrama im Schäftlarner Ortsteil Ebenhausen die Menschen. Der Top-Anwalt Michael N. erstach seine Frau Sandra. Die Mutter von vier Kindern wurde nur 37 Jahre alt. Das Schwurgericht verurteilte den 47-Jährigen zu einer lebenslangen Haftstrafe.

1999 mit Pullach zusammengelegt

Auch wenn die Bürger im Landkreis München sicher leben: Auf die Polizei im Ort wollen sie nur ungern verzichten. „Als die Inspektionen Pullach und Grünwald im Jahr 1999 zusammengelegt wurden, machten sich die Pullacher ganz schöne Sorgen“, erinnert sich Aigner. „Sie wollten die Polizei im Ort haben.“ Deshalb gibt es jetzt in Pullach eine Wache: In einem Zimmer in dem Gebäude, in dem auch die Volkshochschule untergebracht ist, nimmt Polizeioberkommissar Richard Müller die Anliegen der Bürger auf. „Wachstuben sind eine Seltenheit in Bayern“, sagt er. Etwa drei Stunden am Tag sei er in Pullach. „Und darüber sind die Leute hier auch sehr froh.“

Anton Aigner ist seit 1988 Chef in Grünwald.

Der Fall aus der Revier: Moshammer-Mord - Der grausame Tod des Modezaren

Die Schlagzeile aus der tz im Januar 2005.

Die Nachricht ging am Morgen des 14. Januar 2005 wie ein Lauffeuer durch München: Rudolph Moshammer, der schrille Modedesigner und Obdachlosen-Mäzen, ist tot – ermordet in seinem Bungalow in Grünwald. 48 Stunden später hatte die Polizei den Mörder ermittelt und festgenommen: Herisch A., ein Stricher, den Moshammer am Abend zuvor in der Bahnhofsgegend aufgelesen hatte. Er sagte später aus, er habe den 64-Jährigen im Zorn mit einem Kabel erdrosselt,weil er den vereinbarten Freierlohn nicht habe zahlen wollen. Die Münchner verziehen Moshammer das seiner Homosexualität geschuldete Doppelleben, das er bis dahin streng geheim gehalten hatte. Bei seiner Beerdigung säumten 15.000 Menschen den Weg des Trauerzugs durch die Maximilianstraße. Der Modezar wurde in der Familiengruft neben seiner geliebten Mutter Else beigesetzt. Um seine Terrierhündin Daisy kümmerte sich sein Fahrer Andreas Kaplan (†2016). Herisch A. wurde im November 2005 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Trauerzug für Rudolph Moshammer auf der Maximilianstraße.

Die Polizeiinspektion 32 in Zahlen

Der Zuständigkeitsbereich der Inspektion 32 ist groß: Auf 113 Quadratkilometer verteilen sich die Gemeinden Grünwald, Straßlach Dingharting, Pullach, Baierbrunn und Schäftlarn sowie der Forstenrieder Park östlich der A95 und der Grünwalder Forst. Die Beamten fahren etwa 250.000 Kilometer im Jahr. Etwa 33.000 Menschen leben dort. Rund 45 Beamte rückten im Jahr 2016 zu 5900 Einsätzen aus. Im Dienstbereich der PI verbringen viele Menschen ihre Freizeit, unter anderem an der Isar oder in den Bavaria Filmstudios.

Das sind die weiteren Folgen

Altstadt: Touristen, Taschendiebe und die Feierbanane machen der Polizei Arbeit

Maxvorstadt: Das Studentenviertel kämpft mit Dieben und Rasern.

Pasing: Einbrecher und der Verkehr prägen die Polizeiarbeit.

Bogenhausen: Einbrüche machen einen Löwenanteil der Straftaten im Nobelviertel aus

Sendling: Der starke Verkehr beherrscht den Arbeitsalltag der Beamten

Au & Haidhausen: Tag und Nacht Einsätze in Haidhausen, am Ostbahnhof und in der Kultfabrik

Ramersdorf-Perlach: Streitereien, Ruhestörungen und Ladendiebstähle kommen hier oft vor.

Trudering-Riem: In der Messestadt trifft sich die Welt. Auch ein Ort sozialer Spannungen.

Westend & Ludwigsvorstadt: Das Südliche Bahnhofsviertel und der Gärtnerplatz halten die Beethoven-Wache auf Trab.

Giesing: Das Viertel der Geschichte und Geschichten. Fußball ist allgegenwärtig – auch bei der Polizei.

Olympiapark: Hier sind die Schwerpunkte die vielen Veranstaltungen.

Neuhausen: Einbrüche, Trickdiebstähle und das Strafjustizzentrum sind hier Schwerpunkte.

Planegg: Grüne Idylle mit schwarzen Fleckchen. Einbrüche sind hier das Problem.

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