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Friedlichstes Volksfest in Bayern? Kein einziger Polizeieinsatz, trotz Bierkonsum wie in Vor-Corona-Zeit

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Von: Josef Ametsbichler

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Stimmung in der Festhalle – da darf man schon mal lauthals mitsingen und mittanzen.
Stimmung in der Festhalle – da darf man schon mal lauthals mitsingen und mittanzen. © Stefan Rossmann

Das Ebersberger Volksfest 2022 ist Geschichte: Es dürfte die friedlichste Wiesn Bayerns sein. In zehn Tagen gab es keinen einzigen Polizeieinsatz.

Ebersberg – Zum Endspurt hat der wiedergekehrte Sonnenschein die Besucher noch einmal in den Kastanienbiergarten am Ebersberger Volksfest-Platz getrieben: Gut 150 Menschen kauten am Montagmittag, 22. August, an für diese Zeit gut gefüllten Tischen an Rollbraten und Schweinshaxe, mancher gönnte sich eine Maß oder wenigstens einen Pfiff Festbier. Die Kleinen probierten sich an der Hüpfburg oder dem Kinderkarussell, während die Attraktionen für die Größeren und Großen wie Autoscooter oder Kettenkarussell erst am Nachmittag aufmachten.

Ebersberger Volksfest 2022: Kein Polizeieinsatz in zehn Tagen

Ein Oberbayern-Idyll, das stellvertretend für das ganze Volksfest Ebersberg 2022 zu stehen scheint: Keinen einzigen Einsatz verzeichnete etwa die Ebersberger Polizei in der Festhalle oder auf dem Gelände drum herum, teilt Inspektionsleiter Ulrich Milius auf EZ-Anfrage mit. Null Blaulicht nötig: Friedlicher geht es rein mathematisch nicht – bayernweit. „Ein für die Polizei sehr angenehmes Fest“, findet Milius. Das sei in Ebersberg sogar eher die Regel als die Ausnahme, weshalb es kein eigenes Sicherheitskonzept, keine externen Einsatzkräfte brauche.

Keine Selbstverständlichkeit, das zeigt allein schon der Blick zu den Nachbarn nach Grafing. Dort gab es auch heuer regelmäßig was zu tun für die Beamten, wenn auch nicht in der Dimension früherer Jahre. Das liege daran, dass Grafings Volksfest ganz zu Saisonbeginn stattfinde, vermutet der Polizeichef, während sich in Ebersberg der Bierdurst vielleicht schon etwas abkühle. Und die Klientel sei in Ebersberg eine andere: „Weniger junge Leute, weniger von außerhalb“, so Milius.

Volksfest in Ebersberg: Anderes Klientel - „Weniger junge Leute, weniger von außerhalb“

Den Erklärungsansatz mit der Klientel nickt auch Festwirt Martin Lohmeyer gerne ab. „Wir sind ein Familienfest“, sagt er der EZ am Montag am Telefon. „Alt und Jung erziehen sich gegenseitig.“ Zudem habe man mit den Sicherheitsdienstlern der Firma Oberland Security gute Erfahrungen gemacht – diese träten „in aller Regel nicht aggressiv“ gegenüber Betrunkenen auf, die sich danebenbenähmen. Lieber ruhig ratschen als ein Rauswurf mit Gewalt, so laute die Devise, sagt der Festwirt. Dazu komme, dass die 1600 Mitglieder des Volksfestvereins gute Vorbilder an den Tischen seien. Für ihn sei dieses friedliche Feiern das Wichtigste. „Darauf habe ich gehofft und hingearbeitet“, sagt er.

Ist ein friedliches Volksfest ein langweiliges Volksfest? „Stimmungsmäßig fehlt sich bei uns gar nichts!“, sagt Lohmeyer. Das habe sich schon beim Einzug gezeigt, wo gut drei Viertel der Zeltbesucher singend und schunkelnd auf den Bänken gestanden sei. Seine Bilanz: „Es war ein ganz normales Volksfest, wie die letzten zehn Jahre auch.“ – die Corona-Zeit mal ausgenommen. So normal, dass es schier unnormal scheint. Daraufhin muss der Festwirt lachen. Es hätten sich jedenfalls viele Besucher bedankt, dass wieder Volksfest-Routine eingekehrt sei, das sei schon auffällig gewesen.

Volksfest 2022: So viel Bier verkauft wie vor Corona

Beim Bierverkauf werde man sich etwa auf den Schnitt der Vor-Corona-Jahre einpendeln, schätzt er. „Mehr war es nicht.“ Der fürs Essen zuständige Grafinger Bewirter Anton Kainz habe wiederum bemerkt, dass etwa am Feuerwerk-Donnerstag gut ein Viertel weniger Essen abgenommen wurde als in anderen Jahren, trotz vieler Besucher. „Darauf werden wir uns einstellen müssen“, sagt Lohmeyer über zunehmende Sparsamkeit in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

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Bei den Schaustellern und Buden-Betreibern jedenfalls herrsche dennoch Zufriedenheit, hätten diese ihm signalisiert. „Sie jammern nicht.“ Freude habe der Festwirt etwa an der kurzfristig organisierten 400-Quadratmeter-Hüpfburg gehabt, wo Kinder für fünf Euro Tagespreis immer wieder hineindurften. „Hoffentlich kommt die nächstes Jahr wieder“, sagt Lohmeyer. An seinem Konzept soll es nicht liegen, findet er: „So viel machen wir nicht verkehrt.“

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