20-Jähriger tickt völlig aus

Dachauer Volksfestschläger: So schlimm hätte seine Attacke enden können

Ein Betrunkener prügelt nach dem Dachauer Volksfest ohne Anlass auf einen Radfahrer ein und verletzt diesen schwer. Der Vorfall sorgte im vergangenen Jahr für viel Aufsehen.

Dachau – „Acht Mass Bier und dann noch ein paar Jägermeister.“ So viel hatte ein 20-jähriger Zimmerer aus Dachau nach eigenen Angaben auf dem Volksfest getrunken, bevor er zusammen mit einem Freund zwei unbeteiligte Radfahrer von ihren Drahteseln prügelte. Weil er dabei einen Alkoholpegel von 2,13 Promille hatte, musste er sich jetzt nicht wegen schwerer Körperverletzung oder gar versuchter Tötung vor dem Amtsgericht Dachau verantworten, sondern wegen eines fahrlässigen Vollrauschs (siehe Infokasten).

Sein Opfer, ein 48-jähriger Malermeister aus Günding, radelte am letzten Festtag gerade mit einem Freund, einem 40-jährigen Lehrer aus Bergkirchen, vom Volksfest nach Hause. Dabei nutzten die beiden den Gehweg, da die Ludwig-Thoma-Straße während des Volksfestes in eine Einbahnstraße umfunktioniert wurde. Als er an einer Gruppe offensichtlich betrunkener Jugendlicher vorbeifuhr, machte er mit seiner Klingel auf sich aufmerksam, damit keiner der Jugendlichen vor sein Rad laufen würde.

„Dann wurde es nur noch schwarz“

Was danach passierte, konnte der Malermeister selbst nicht mehr genau beschreiben: „Dann war es nur noch schwarz, und ich habe einen Filmriss.“ Woran er sich noch erinnerte, war, dass er plötzlich am Boden lag und sich gegen Fußtritte und Schläge verteidigte und er noch nach Hilfe rufen konnte, als der Angreifer von ihm abließ. Die nächsten Erinnerungen stammen dann von seinem Krankenhausaufenthalt. Drei Tage musste er dort verbringen. Sein Gesicht war nach der Prügelattacke übersät mit Schürfwunden, Hämatomen und Schwellungen. Noch bis Weihnachten hatte er mit Schmerzen im Nacken zu kämpfen: „Es fühlte sich an, als würde man mir den Kopf abreißen.“

Die Zeugenaussagen, insbesondere die des Bergkirchener Lehrers, machten deutlich, wie die schweren Verletzungen zustande kamen und unterstrichen, wie viel schlimmer der Angriff hätte enden können. Als der Angeklagte gerade die Flucht ergreifen wollte, hielt er noch einmal inne, um mit voller Wucht gegen den Kopf des am Boden liegenden Opfers zu treten. Der Vorsitzende Richter Daniel Dorner betonte, dass ein solcher Tritt tödlich enden könne, weshalb zunächst auch wegen versuchten Totschlags ermittelt wurde.

Auf Volksfesten in der Region kommt es immer wieder zu heftigen körperlichen Auseinandersetzungen. Auch auf dem Poinger Volksfest gerieten einige Jugendliche im vergangenen Jahr heftig aneinander.

Bilder zeigen den Täter auf dem Boden des Festplatzes liegend

Warum der 20-Jährige zuschlug, konnte er sich nicht mehr erklären. Er sei damals in einer „schweren Phase“ gewesen, und auch an dem Abend hatte es der Dachauer Zimmerer „zu sehr krachen lassen“, wie er vor Gericht zugab. Bereits auf dem Volksfestplatz war er mit seinem Rausch aufgefallen. Bilder zeigten ihn auf dem Boden des Festplatzes liegend. An die Tat selbst konnte er sich deshalb nicht mehr erinnern. Er räumte die Vorwürfe aber von Beginn an ein. Zu erdrückend war die Beweislast aufgrund der Zeugenaussagen.

Seit dem Vorfall bemühe er sich aber um einen Lebenswandel. Die viermonatige Untersuchungshaft in Stadelheim hinterließ einen bleibenden Eindruck bei dem jungen Mann, wie sowohl die Vertreter der Jugendhilfe und auch Verteidiger und Staatsanwalt betonten. Er habe sich zudem schon bei seinem Opfer entschuldigt und einen Täter-Opfer-Ausgleich in die Wege geleitet. 7000 Euro, die sich der Zimmerer von seinen Eltern lieh, erhielt das Opfer.

Angeklagter kommt mit Bewährungsstrafe davon

Den Alkoholkonsum habe er seitdem ebenfalls reduziert: „Ich trinke gar keinen Schnaps mehr und nur noch ganz selten drei bis vier Bier“, so der 20-Jährige. Das stabile Umfeld des Angeklagten, ein gesichertes Einkommen durch seinen Beruf als Zimmerer und sein offenes und einsichtiges Verhalten wurden ihm bei der Urteilsfindung positiv angerechnet. Am Ende kam der Angeklagte mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und einer Bewährungszeit von zwei Jahren glimpflich davon, wie Dorner in seiner Urteilsbegründung betonte. Und der Richter gab dem Dachauer noch einen Wunsch mit auf den Weg: „Ich hoffe, dass wir uns hier nie wieder sehen müssen.“

Thomas Benedikt

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa / Karl-Josef Hildenbrand

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