Von Ferenczy: Ex-Medienmogul versteigert seinen Besitz

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Josef von Ferenczy

Grünwald - Ex-Medienmogul Josef von Ferenczy trenn sich von einigen lieb gewonnenen Stücken aus seinem Haus in Grünwald - und erklärt im tz-Gespräch, warum.

Sein Leben liest sich wie ein Roman: Geboren 1919 als Abkömmling des ungarischen Landadels, mit 20 umtriebiger Geschäftsmann, Medienmanager und Berater der Mächtigen dieser Welt. Im Laufe seiner Karriere gründete Josef von Ferenczy 17 Firmen, handelte mit Schreibmaschinen und produzierte Filme. Ein Visionär, der kometenhaft aufstieg und tief stürzte. Seit dem Tod seiner geliebten Frau Katharina aber hat Josef von Ferenczy jeden Lebensmut verloren. „Ich wünschte, ich könnte einschlafen und nie mehr aufwachen“, sagt der 91-Jährige, der einen Großteil seines Besitzes jetzt im Münchner Auktionshaus Neumeister versteigern lässt.

Unter den 176 Objekten, die noch bis einschließlich Montag in den Räumlichkeiten in der Barerstraße 37 besichtigt werden können, sind viele Erinnerungsstücke. Wie das Escada-Couture-Kleid seiner Frau, das sie auf glanzvollen Empfängen trug oder die hübsche Kaminuhr, die sie so liebte. Alles Kostbarkeiten, die am 2. Dezember (Beginn 9.30 Uhr) im Auktionshaus unter den Hammer kommen.

Warum sich von Ferenczy von diesen lieb gewonnenen Stücken trennt? „Nächstes Jahr im Mai muss ich aus meinem Haus in Grünwald ausziehen. Da kann ich all das nicht mitnehmen“, erklärt er im tz-Gespräch. „Ich bin zutiefst traurig, weil dies alles Stücke sind, die meine Frau liebevoll gesammelt und gehütet hat.“ Vom Erlös bleibt dem Medienmanager nichts. 2001 musste er mit seiner Ferenczy Mediahaus GmbH Insolvenz anmelden. „Das Geld aus der Auktion bekommt das Sozialamt.“ Ferenczy seufzt. Er hat so viele Erfolge genossen und schwere Krisen gemeistert. Mit seiner Frau Katharina musste er den Tod der beiden Söhne ­Andreas und Csaba (beide wurden nur 52 Jahre alt) verkraften. Sie stand ihm zur Seite, als sein unvergleichliches Imperium zerfiel. Mit ihr feierte er 2009 noch voller Optimismus seinen 90. Geburtstag. Trotz der ­finanziell schwierigen Situation hofften die beiden, bis zu ihrem Ende in der Grünwalder ­Villa bleiben zu können. Jenem Ort, der von Ferenczys bewegtem Leben erzählt. Dort hängen unzählige Bilder an den Wänden. Sie erzählen von den Begegnungen der PR-Legende mit den Großen dieser Welt: Willy Brandt, ­Helmut Kohl und Jassir Arafat lächeln auf den Fotos neben dem smarten Geschäftsmann mit dem unverwechselbaren ungarischen Akzent. Aber auch Bilder von Katharina erinnern an eine glückliche Ehe. „Sie fehlt mir unendlich“, sagt von Ferenczy. „Kein Tag vergeht, ohne dass ich an sie denke.“ Es sind die Erinnerungen, die ihn trösten und zugleich quälen. „Ich hoffe sehr, dass ich den Tag nicht erleben muss, an dem ich mein Zuhause verlassen muss.“

Astrid Kistner

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