Aus dem Ebersberger Amtsgericht

Vorbestrafte Tierhändlerin wird freigesprochen

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Die Mutter der Angeklagten züchtet in Ungarn Chihuahuas. Nach Deutschland sollten diese dann verkauft werden. 

Sie hat Tiere unter schlimmsten Bedingungen gehalten, der Umgang mit ihnen wurde ihr 2014 verboten. Genau deswegen steht die 43-Jährige aber erneut vor Gericht. Und wird freigesprochen, aus Mangel an Beweisen. 

Ebersberg – Die Vorstrafenliste der Angeklagten wiegt schwer: Gefährliche Körperverletzung, Urkundenfälschung und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: Bewährungsstrafen, die längste ein Jahr und sechs Monate, Bewährungszeit bis 2018.

Seit 2014 ist es einer 43-Jährigen, die in Niederbayern gemeldet ist, in den letzten Jahren im Landkreis Ebersberg gewohnt hatte, eigentlich aber in Ungarn bei ihrer Mutter lebt, wie sie sagt, verboten, Hunde zu halten und mit ihnen zu handeln.

Genau deshalb aber sitzt sie am Dienstag auf der Anklagebank im Ebersberger Amtsgericht. Für die 43-Jährige geht es um viel, wenn sie verurteilt wird, muss sie hinter Gitter. Nervös scheint sie nicht zu sein, ihre langen Haare hat sie zusammengebunden und lässig über die rechte Schulter hängen. Am Ende: Freispruch.

Richterin Vera Hörauf findet dazu klare Worte: „Die Zeugen waren viel zu schlecht, um es Ihnen nachzuweisen. Es ist gut vorstellbar, dass Sie immer noch mit Hunden handeln.“

Verurteilen konnte Hörauf die 43-Jährige aus Mangel an Beweisen somit nicht, obwohl es für die Staatsanwaltschaft nach der Beweisaufnahme erwiesen war, dass die Beschuldigte mehrmals Hunde verkauft hatte und verkaufen wollte. Acht Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung, lautete die Forderung. Hinzu käme ein Widerruf der Bewährung alter Straftaten.

Chihuahua: gezüchtet in Ungarn

Einen dieser Hunde, es soll ein in Ungarn gezüchteter Chihuahua gewesen sein, wollte eine 47-Jährige 2015 von der Angeklagten kaufen, behauptet die Ebersbergerin vor Gericht. Beide, bis dato befreundet, konnten sich nur nicht beim Preis einigen. Es ging um 300 bis 450 Euro. Die Ebersbergerin, die den Hund unbedingt haben wollte, zahlte 50 Euro bei der Mutter der Angeklagten per Onlineüberweisung in Ungarn an. Das Geld sei für den Impfpass und einen EU-Chip gewesen, sagt die Angeklagte. Verkaufen wollte sie den Hund an die Ebersbergerin nicht. Das hätte ihr Lebensgefährte, ein 41-jähriger Pole aus Niederbayern, erledigen sollen, erzählt sie. Gezüchtet hätte die Mutter. Sie selbst halte keine Hunde und handle auch nicht mit ihnen. Sie würde gelegentlich lediglich vermitteln.

Der Lebensgefährte der Angeklagten karrte also angeblich einen Chihuahua-Welpen von Ungarn nach Ebersberg, um ihn der potenziellen Käuferin anzubieten. Doch der Deal platzte. Der Hund wurde zurück nach Ungarn gebracht. Die 50 Euro waren weg, die Mutter der Angeklagten wollte das Geld nicht mehr an die Ebersbergerin zurückzahlen, die das forderte.

Auch eine 57-Jährige aus Kirchseeon sagt vor Gericht, sie wollte von der Angeklagten einen Hund kaufen. Wann und wie genau das abgelaufen wäre, konnte sie wenig nachvollziehbar ausdrücken. Dass die Angeklagte über das Internet Hundewelpen in Deutschland angeboten hätte, wie es ihr vorgeworfen wurde, konnte ebenfalls nicht nachgewiesen werden. Für Richterin Hörauf bleibt ein Wirrwarr, das eine Verurteilung nicht rechtfertigt.

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