Ehrenamtliche müssen sich viel gefallen lassen

Nach Ekel-Einsatz für Feuerwehr: „Beleidigungen sind fast schon normal“

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Bei der Beseitigung der Güllespur musste sich die Bichler Feuerwehr am Freitag auch noch beleidigen lassen.  

Sie opfern ihre Freizeit, um anderen zu helfen. Doch immer öfter kommt es vor, dass Feuerwehrleute im Einsatz beleidigt oder sogar angegangen werden.

Bichl – Der Einsatz der Bichler Feuerwehr am Freitagabend gegen 21.15 Uhr war eigentlich schon unappetitlich genug: Die Integrierte Leitstelle hatte die Einsatzkräfte alarmiert, weil an der Abzweigung von der B 472 Richtung Benediktbeuern eine größere Menge Gülle verschüttet worden war. Diese „stand bis zu fünf Zentimeter hoch auf der Fahrbahn und war auf einer Länge von über 100 Meter verteilt“, berichtet Feuerwehr-Kommandant Hermann Spanner.

Für die Reinigungsarbeiten musste der Verkehr angehalten werden. Der Fahrer eines Autos reagierte ziemlich aggressiv. „Als er von einem Verkehrssicherungsposten angehalten wurde, fuhr er mehrfach bis auf wenige Zentimeter auf ihn zu, um ihn zur Seite zu drängen.“ Schließlich brauste der Unbekannte „halb durch die Einsatzstelle und mit hoher Geschwindigkeit davon“, schildert Spanner. „Dabei beschimpfte er die Einsatzkräfte als Idioten.“ 

Ein Einzelfall sei das längst nicht mehr, berichtet Spanner. „Eigentlich sind Beleidigungen und Pöbeleien bei Absperrungen fast schon normal. Da lernt man wirklich die tollsten Schimpfwörter.“ Auch bei dem schweren Motorradunfall vor zwei Wochen, als die B11 bei Bichl gesperrt werden musste, seien die Einsatzkräfte beschimpft worden. Er habe oft das Gefühl, „die Leute glauben, wir stellen uns da hin, weil uns langweilig ist“, sagt Spanner und klingt resigniert.

Dass solche Vorkommnisse zunehmen, bestätigt Kreisbrandinspektor Alfred Schmeide. „Bei uns im Landkreis ist es noch nicht ganz so häufig, aber bayernweit wird es deutlich mehr.“ Deshalb thematisierte es der Kreisfeuerwehrverband auch in seiner Frühjahrsversammlung in Lenggries. Der Geretsrieder Polizeichef Daniel Kießling ging in einem Vortrag darauf ein, welche Rechte und Möglichkeiten Retter haben, sich im Ernstfall zur Wehr zu setzen.

Wie aktuell dieses Thema ist, zeigte sich noch während der Veranstaltung: Die Feuerwehr hatte die Lenggrieser Schützenstraße gesperrt, um dort die neuen Einsatzfahrzeuge auszustellen. Ein Autofahrer sei die Helfer, die die Straße sperrten, verbal angegangen, sagt Schmeide. „Er hat sich ziemlich darüber ausgelassen, warum wir für unser ,Kasperltheater‘ die Straße sperren“, sagt der Kreisbrandinspektor. „Leider kommt so etwas immer wieder vor.“ Dabei habe die Feuerwehr in Bayern bei Straßensperrungen dieselben Rechte wie die Polizei, erklärt Schmeide und verweist auf das Gesetz über Zuständigkeiten im Verkehrswesen. „Das heißt, den Anweisungen der Feuerwehr ist genauso Folge zu leisten wie denen der Polizei.“

Dass das längst nicht alle Verkehrsteilnehmer so sehen, zeigt ein Vorfall aus dem Juli 2017. Als die Geretsrieder Feuerwehr nach einem Unfall eine Straße absperrte, steuerte ein Autofahrer seinen Wagen direkt auf einen Feuerwehrmann an der Absperrung zu, um die Durchfahrt zu erzwingen. Er berührte den Helfer sogar mit dem Auto, bevor er nach einem hitzigen Wortwechsel das Weite suchte. 2016 musste sich ein Tölzer vor Gericht verantworten, weil er Feuerwehrmänner an einer Absperrung beleidigt hatte, nachdem sie ihm die Durchfahrt verwehrt hatten. Das Verfahren wurde gegen die Zahlung von 3500 Euro eingestellt.

Auch der Vorfall in Bichl vom Freitag wurde der Polizei gemeldet. Das ist nicht immer möglich. „In diesen Stresssituationen hat man nicht immer die Möglichkeit, sich das Kennzeichen zu merken“, sagt Kommandant Spanner. Über Beleidigungen alleine würden sich viele Feuerwehrleute auch schon gar nicht mehr aufregen.

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