Plötzlich stand er da...

Vodafone stellt riesigen Sendemast an Gartenzaun - Anwohner völlig überrumpelt

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Der Anhänger mit der mobilen Anlage steht dicht am Gartenzaun.

Plötzlich war er da: ein Anhänger mit aufmontiertem Sendemast am Gartenzaun des denkmalgeschützten Hauses in Berg (Gemeinde Waakirchen). Die Anwohner können es nicht fassen.

Waakirchen– „Ein Schandfleck ist das“, sagt Agnes Mania (42). Sie lebt mit ihrer Mutter Irene Hornsteiner in einem denkmalgeschützten Haus in Berg (Gemeinde Waakirchen). Von dort blickt sie jetzt direkt auf eine mobile Sendeanlage der Firma Vodafone. Gleich nach der Montage vor einigen Tagen hakte sie bei dem Unternehmen nach und erfuhr: Die mobile Antenne dient als Ergänzung für eine Anlage, die sich im und auf dem Dach des Nachbarhauses befindet.

Dies sei notwendig, weil die bestehende Anlage noch keinen leistungsfähigen Anschluss für die 4G Funktechnik LTE800 an das Transportnetz besitze, ließ Vodafone die Familie wissen. Die mobile Anlage soll stehen bleiben, bis die Anlage im Nachbarhaus aufgerüstet ist. Dies wird dem Unternehmen zufolge „einige Monate“ lang dauern. 

Riesiger Sendemast steht ohne Vorwarnung in Waakirchen - Anwohner haben Angst wegen Strahlung

Nicht nur der Anblick stört Mania und ihre Mutter ganz gewaltig. Sie sorgen sich wegen der Strahlung, die von der Antenne im benachbarten Wohnhaus nach der Aufrüstung ausgehen wird. „Das ist nur 20 Meter von unseren Schlafzimmern entfernt“, sagt Mania.

Ganz neu ist die Situation für die Familie nicht. Die Anlage auf dem Dach des Nachbarhauses besteht schon lange. Als sie installiert wurde, reagierten die Eltern mit Schlafstörungen, erinnert sich Mania. Inzwischen habe man Abschirmmaßnahmen getroffen und sich mit der Situation arrangiert. Doch dass die Antenne nun aufgerüstet werden soll, macht der Familie Sorgen. Sie fürchtet, dass die stärkere Leistung eine stärkere Abstrahlung und damit eine Gefährdung ihrer Gesundheit bedeutet. Damit stehe sie nicht alleine, berichtet Mania: „Wir wurden schon von Passanten und Nachbarn auf die Antenne angesprochen.“

Einer von ihnen ist Thomas Hierat aus Staudach. „Dass die einem einfach so eine Anlage an den Gartenzaun setzen, ist doch der Hammer“, wettert er gegen Vodafone. Während ansonsten jede Kleinigkeit eine Baugenehmigung erfordere, dürfe sich ein Mobilfunkunternehmen offenbar alles erlauben. Hierat ist davon überzeugt, dass die Abstrahlung der Anlage gesundheitsschädlich ist.

Anwohnerin Mania will kämpfen: Vodafone soll isch neuen Standort suchen

Mania will erreichen, dass Vodafone einen neuen Standort für die Antenne sucht. „Irgendwo im Wald vielleicht, aber auf jeden Fall weit von jeglichen Anwohnern entfernt“, meint sie. Doch auf ihre schriftliche Bitte hin hat Vodafone ihr eine Absage erteilt. Bestehende Standorte würden nicht in Frage gestellt. Auf Nachfrage unserer Zeitung betont Vodafone, es handle sich um eine unverzichtbare und zwingend notwendige Infrastrukturmaßnahme. Durch die mobile Mobilfunkstation in der Nähe des Hauses von Agnes Mania versorge das Unternehmen rund 100 Haushalte im Umkreis von etwa zwei Kilometern sowie täglich hunderte von Verkehrsteilnehmern auf der B 318 mit LTE. „Für die Betriebe in der Region bringt die LTE-Versorgung eine signifikante Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, denn eine starke Netzinfrastruktur ist im digitalen Zeitalter der entscheidende Rohstoff der Wirtschaft“, macht Vodafone deutlich.

Sorgen um die Gesundheit sind dem Unternehmen zufolge unbegründet. Auch bei der mobilen Station halte Vodafone alle Bestimmungen zum Gesundheitsschutz ein, versichert das Unternehmen. Alle Genehmigungen und Bescheinigungen für den sicheren Betrieb lägen vor. „Es gibt keinerlei Auswirkungen auf die Gesundheit von Frau Mania“, erklärt Konzernsprecher Volker Petendorf. Da der Standort die drei Auswahlkriterien – sicherer Betrieb im Sinne der Gesetze, Versorgungsbereich, Finanzrahmen – optimal erfülle, werde Vodafone an der Maßnahme festhalten.

Lesen Sie auch: Anwohnerin wehrt sich mit Anwalt gegen Sendemasten.

Auch interessant: Diskussion zum Sendemast im Tegernseer Bauausschuss.

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