Staatsforsten reagieren

Hungrige Hirsche ziehen durchs Dorf - sie suchen nicht nur Futter

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Scheuer Besuch in Walchensee: Drei Hirsche streifen nachts auf Nahrungssuche durch die verschneite Ortschaft. 

Hirsche suchen in Gruppen verzweifelt nach Nahrung mitten in der Ortschaft Walchensee. Sie finden neben Futter auch etwas Wichtiges auf den Straßen. Nun reagieren die Staatsforsten.

Update, 14. Februar: Walchensee – Nach dem nach dem jüngsten Bericht in der Heimatzeitung hat Robert Krebs einige E-Mails und Anrufe von Tierfreunden erhalten. Der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs in Bad Tölz ist angetan von dieser Fürsorge. „Wir haben auf die Resonanz reagiert“, sagt auch Karlheinz Wohlmann, der zuständige Walchenseer Revierleiter. 

Der Forstbetrieb hat sich entschlossen, eine ehemalige Rotwildfütterung zu reaktivieren – in Absprache mit der Unteren Jagdbehörde und mit der Hochwildhegegemeinschaft. Die Zufahrt zu dem abseits gelegenen Platz im Wald ist bereits geräumt. Eine Futterkette soll nun das Wild anlocken. Das heißt: Entlang des Wegs wurde etwas Heu und Silage verstreut, um den Hirschen den Weg zur neuen Futterstelle schmackhaft zu machen. Dort wird laut Krebs artgerechtes Futter angeboten. 

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Eine Hirschkuh im strengen Winter auf Futtersuche in der Ortschaft Walchensee

Am Donnerstag waren Mitarbeiter des Walchenseer Forstreviers damit beschäftigt, Hinweisschilder anzubringen. „Wir wollen die Spaziergänger und insbesondere die Hundehalter bitten, diese Wege zu meiden“, sagt Ro bert Krebs. Sonst nehme das Wild die Fütterung nicht an. 

Der Wetterumschwung sorge zudem für eine Besserung der Situation. Am Fuß des Fahrenbergs seien bereits einige sogenannte Lahnerfelder schneefrei. So komme das Wild wieder an das darunterliegende Grün. Die höher steigende Sonne erwärme zudem die Hänge an den Südseiten. Obendrein gab es beim jüngsten Wintereinfall nochmals viel Schneebruch. Hirsche und auch Rehen finden an den abgebrochenen Baumwipfeln laut Krebs „besonders viel zu beißen“. 

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Der stellvertretende Forstbetriebsleiter macht aber deutlich, dass man in der Ortschaft selbst nicht füttern könne. „Sonst kommen die Tiere immer wieder in die Wohngebiete.“ Deshalb bitte er auch um Verständnis dafür, dass man die gut gemeinten Heuspenden-Angebote nicht annehmen könne. „Wir haben insgesamt 15 Wildfütterungen in der näheren Umgebung und sind deshalb mit genügend Vorräten ausgestattet“, sagt Krebs. Wenn jemand unbedingt helfen wolle, dann sei es sinnvoller, den örtlichen Tierschutzverein zu unterstützen.

Ursprünglicher Artikel vom 12. Februar

Walchensee – Der Walchenseer Fotograf Reinhard Eisele hat sich beim Blick aus dem Fenster seines Hauses zuerst die Augen gerieben und dann schnell zur Kamera gegriffen. Eine Gruppe Hirsche ist mitten durch die Ortschaft Walchensee gelaufen und hat nach Nahrung gesucht. Eisele knipste das Rotwild, das kurz nach Mitternacht im Laternenschein am Dainingsbachweg unterwegs war. 

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„Ich beobachtete die Tiere eine ganze Weile, wie sie unentschlossen auf dem geräumten Weg hin und her liefen und auch innerorts keinerlei Futter fanden“, berichtet der Berufsfotograf. Ein derartiger nächtlicher Rotwildbesuch ist in diesen Tagen keine Seltenheit, so Eisele. Sein Eindruck: „Das Wild ist verzweifelt auf Nahrungssuche, denn die Schneehöhen im Alpenraum sind immer noch enorm und die eisige Konsistenz des Schnees lässt kaum ein Aufscharren zu.“

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Dass Rotwild zur Nahrungssuche so nahe an die Wohnbebauung kommt, ist weder neu, noch außergewöhnlich, sagt Karlheinz Wohlmann. Der zuständige Walchenseer Revierleiter kennt das Verhalten aus früheren Wintern. In der Nacht, „wenn nichts los ist“, komme das Wild in die Ortschaft und mache sich auf Futtersuche. „Hirsche finden hochwertige Pflanzen in den Gärten und Füchse wittern das Katzenfutter auf den Terrassen.“

Am Walchensee: Hirsche suchen nicht nur Futter im Dorf - Die Straße bietet Streusalz

Rund um den Walchensee gibt es laut Wohlmann zwei große Wildfütterungen der Staatsforsten: eine an der Mautstraße am Südufer und eine weitere am Wintergatter bei Obernach. Eine große private Fütterung gebe es zudem im Wald im Eschenlainetal. Es sei bekannt, dass nicht alle Hirsche und Rehe zu den Fütterungen gehen. Die sogenannten Außenständer zieht es demnach in die Ortschaften. Dort legen etliche Tiere laut Wohlmann am Straßenrand einen Zwischenstopp ein – und lecken das Streusalz auf: „Das ist wichtig für den Stoffwechsel.“

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Ob der extreme Winter Auswirkungen auf den Wildbestand habe, lässt sich laut Wohlmann noch nicht sagen. Bislang sei ihm noch nicht zu Ohren gekommen, dass man Fallwild gefunden habe. Ob Hirsche, Rehe oder Gämsen von Lawinen verschüttet wurden, werde man erst im Frühjahr feststellen.  

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